Ich hatte sie hier vor einigen Tagen bereits lobend erwähnt. Oder nur erwähnt, ich hab es vergessen. Teenagers in Tokyo, oder sagt man Teenagersintokyo, diese junge, dynamisch rückwärtsblickende Band aus Australien hat ein Debütalbum produziert, das von einer solch konsequenten 80er Wavehaftigkeit ist, das es einem Angst und Freude zugleich macht.
Dies denn auch gleich vorweg: Teenagers in Tokyo schämen sich nicht, sämtliche Instrumente und Klangmuster der goldenen Wave- Ära hochleben zu lassen. Sie versuchen auch erst gar nicht, Ablenkungs- oder Täuschungsmanöver zu initiieren, um diesen Tatbestand zu vertuschen. Nein, ganz offen zeigen sie uns einen Cure Bass („Isabelle“) oder eine Cure Gitarre („New day“), und Samantha Lim singt mit einer gnadenlosen Kim Wilde („As we are“) oder Debbie Harry („Sacrifice“) Gedächtnisstimme, dass man sich 20 Jahre jünger fühlt. Und überall und immer wieder diese stilprägenden Synthesizer- und Schlagzeugklänge. Grandios. Die Referenz Siouxsie and the Banshees oder The Smith erwähne ich erst gar nicht, sie versteht sich von selbst.
Doch das passiert beim Hören ihres Debüts „Sacrifice“: Teenagers in Tokyo klingen gleichwohl nicht altbacken oder unmodern. Irgendwie schaffen sie es, all die Referenzen so geschickt um- und einzusetzen, dass daraus ein neuer, frisch wirkender Sound entsteht. Na ja, so frisch und neu wie Wave eben klingen kann. Wave bleibt nun mal Wave und hat eigentlich in diesem Jahrzehnt nichts mehr verloren. Eigentlich. Aber andererseits macht es enormen Spaß, diese wohl vertrauten Melodien zu hören. Und zwar nicht auf irgendeiner Oldieshow einer abgehalfterten Waveband, sondern von einer jungen, aufstrebenden Mädchenband. Deshalb nenne ich Teenagersintokyo auch nicht mehr Wave. Ich tendiere zu Dark Art Pop Wave oder Art Dark Pop Wave.
So oder so, mit „End it tonight“ und „Peter Pan“ enthält das Album richtig gute Songs. In beiden spürt man den Elan und die Spannkraft, die Synthesizer und Bass herauszaubern können. Nach dem dritten Hören mag ich auch „Isabelle“ immer mehr. Ein Album das wachsen muss, wie es scheint und Songs mit Melodien voll schöner Erinnerungen an künstlichen Tanzflächennebel und schwarze Jeanshosen.
Und bitte nicht abschrecken lassen. Der Opener „Sacrifice“ bleibt das schlechteste Stück des Albums.
Die übrigen neun Songs schleichen sich durch die Zeit. Ich horche noch kurz auf („Robocat“), weil es plötzlich aus meiner rechten Box knabbert, als ob jemand in der Nachbarwohnung an der Wand schabt, und nicke innerlich, wenn ich die ein oder andere Sequenz längst vergessenen Bands zuordnen kann.
Ach so: Samantha Lim, Miska Mandic, Linda Marigliano, Sophie McGinn und Schlagzeuger Rudy Udovich sind Teenagers in Tokyo. 2005 erschien ihre selbst betitelte EP, vor gut zwei Jahren ihre Debüt-Single „Very Vampyr“, und nun das erste Album. „Sacrifice“. Dies der Form halber.
Tja, so ist das mit euch. Ihr habt unerwartet ein Sommeralbum gemacht, ähnlich wie die Pains of being pure at heart im letzten Jahr. Ich mag euch!
Viel Spaß beim hören.
Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Sacrifice
02) Peter Pan
03) New day
04) Long walk home
05) Isabelle
06) End it tonight
07) As we are
08) Talk to the fire
09) Robocat
10) 3046
Nicht mehr brandneu, aber egal! Wer kennt – noch – The Organ?!
Melissa auf der Maur sagt über „Out of our minds“ folgendes:
Dancemusik bei pretty-paracetamol?! Was ist los?
„Ach noch so eine amerikanische Indie-Retro Band, die sich bei den üblichen Verdächtigen des Noisepop / Shoegaze der aufstrebenden 90er Jahre bedient“, fährt es mir beim Lesen des CD Beipackzettels durch den Sinn. Velveteen, woher kenne ich die. Mist, es fällt mir nicht ein.