Jetzt mal kurz die neuen Alben von Arcade Fire und Interpol aus der Hand legen. Ja, ich weiß, das fällt schwer, denn gerade Interpol haben ein tolles Album gemacht. Vielleicht ihr bestes, vielleicht ihr letztes. Ein Album ohne Hits und in der Zeit von 2002 eingefroren. Ich werde es diesen Herbst noch sehr oft hören, beim Autofahren, beim laufen. Öfter zumindest als „Suburbs“, das spüre ich.
Im Moment aber höre ich viel lieber das Debütalbum einer Hamburger Band. Es ist schon einige Tage käuflich erhältlich, aber ich hatte erst jetzt Muße und Tatendrang, es mir anzuhören. „Hundreds“ heißt das Album, genau wie die Band.
Oder sollte ich statt Band lieber Duo sagen?
Hundreds sind das Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner. Philipp Milner, der unter anderem bei Clueso die Keyboards spielt, zeigt auch bei Hundreds für die Tasteninstrumente verantwortlich. Seine Schwester kümmert sich um das Gesangliche und die „Kleininstrumente“.
Keine Gitarre, kein Bass, kein Schlagzeug. Hundreds machen Elektro-Pop. Unaufdringlich und feingliedrig.
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Sampler – Fast Forward, The Worldcup goes Indie
Och nee, die WM ist doch schon längst vorbei! Stimmt, ich alter Hinterherhinker. Aber das hier ist einfach zu schön, um es unerwähnt zu lassen.
Indiecater Records, ein Label / Vertrieb aus Dublin, verkauft immer noch über seine Webseite die pünktlich zur WM veröffentlichte Kompilation „Fast Forward: The World Cup goes Indie“. Der Sampler umfasst nicht mehr und nicht weniger als 32 Songs. Pro WM-Nation ein Lied.
5 Euro als Download oder 10 Euro als Freihauslieferung auf einem usb- Stick nenn ich mal ein Angebot. Zu hören und kaufen ist der Sampler direkt über die Indiecater Homepage.
Auf den Sampler und auf Indiecater Records aufmerksam geworden bin ich über die belgische Band Showstar, deren Video ich letztens auf YouTube sah und nach denen ich anschließend ein bisschen googlte. Showstar glänzen auf Fast Forward mit dem Song „Uruguay!“ und richtig, repräsentieren aus der Gruppe A Uruguay.
Das passt, den während der WM war ich Uruguayer. Die Mannschaft hat mich begeistert und da ich eine Fußball-WM nicht engstirnig national sehe, hätte ich Uruguay den WM-Titel gegönnt. Während einer WM war ich auch schon Belgier, Rumäne, oder Kroate.
Neben Showstar sind unter anderem noch – und das ist die einzige Band, mit deren Namen ich was anfangen kann – Someone still loves you Boris Yeltsin vertreten. „Back to you“, ihr Kompilationsbeitrag, steht für Brasilien. Das zur Band besser passende Russland hatte sich ja nicht qualifiziert.
Weitere Songs heißen „Kim Jung II“, „Alp Sway snow team“ oder „Don’t get fooled by the football players’ summery outfit“. Letzteres ist hier als kostenloser Download abgreifbar.
Fast Forward is our most ambitious project to date and it has taken over a year to come to fruition. The premise was simple; we asked some of our favourite bands to write about one of the 32 countries participating in South Africa 2010, the only stipulation being that the song be themed on their chosen country and if possible be football related.
Also, wer noch einen usb- Stick benötigt, und obendrauf gute Songs hören und neue Bands entdecken möchte, dem sei diese Kompilation wärmstens empfohlen.
Die mp3’s haben eine gute 320 kbit Qualität und der usb- Stick kommt mit Winamp Playlist, Albumcover sowie einem wunderbaren Artwork-Scrapbook im pdf- Format.
Erwähnte ich es schon? Kaufen! Lohnt sich! Wirklich.
Sehtest:
Alin Coen Band – Wer bist du?
Bin ich schon reif für Jazz? Eine Grundsatzfrage, die mich seit vielen Jahren begleitet. „Für Jazz fühle ich mich noch nicht alt genug.“ Dieses Zitat, ich weiß nicht mehr von wem, hängt über mir und krabbelt ab und an hervor. Jazz, dieses wuchtige Ding mit all seinen Verzweigungen und Unterarten, das ist zu viel für mich. Das verstehe ich nicht.
Nichtsdestotrotz habe ich – bewusst oder nicht – schon Jazzerfahrungen. Vor zwei Jahren zum Beispiel, in einem renommierten Jazzklub (mein Arbeitskollege sagt: der Club schlechthin) bei leckerer Suppe und Budweiser Bier. Die Künstler sagten mir nichts, mein Arbeitskollege sprach nachher von Virtuosität, hoher Spielkunst und punktgenauen Einsätzen. Alles Dinge, die mir bei einem Konzert nicht sonderlich wichtig sind, auf die ich nicht achte. Aber, die Abende waren toll, unterhaltsam und spannend. Ich habe viel neues gelernt und hatte meine ersten Jazzberührungspunkte. Weiterlesen
Marie Fisker – Ghost of love
Slide- Gitarre, Mundharmonika, Harmonien und eine bedächtige, zerbrechlich wirkende Stimme. Im Hintergrund ein sanftes Schneebesenschlagzeug.
Klingt wie die Beschreibung der letzten beiden Cat Power Alben, ist es aber nicht. Es ist mein Ergebnis des ersten Hördurchgangs des neuen Marie Fisker Albums „Ghost of love“.
Und in der Tat ist es so, wer die letzten beiden Cat Power Alben „Jukebox“ und „The greatest“ kennt, der weiß um den Marie Fisker Sound. Marie Fiskers Melodien sind klassisch, das Songwriting grandios einfach und unkompliziert gehalten. Die Instrumentarisierung weicht nur selten von der traditionellen Linie Schlagzeug, Gitarre, Bass ab. Simpel aber sehr effektiv.
Es macht viel Spaß, sich durch die einzelnen Songs zu hören. „City lights“, „Hold on to this for a while“ oder „My love my honey“ sind einfach klasse. Dabei ist das Album keinesfalls langweilig oder eintönig, falls jetzt jemand aufgrund der vorherigen Beschreibung darauf schließen sollte, im Gegenteil. Es ist toll! Es ist jederzeit spannend und aufregend. Sehr geschickt bedient sich Marie Fisker bei Country und Blues Harmonien, zitiert traumhaft sicher und hält so die Qualität. Ihre schöne dunkle, angeraute Stimme tut ein übriges.
Oh ja, ich bin begeistert. Sehr sogar. Aber ich mag auch Cat Power, PJ Harvey und Mazzy Star. Dies zur einordnenden Erklärung bzw. im Umkehrschluss daraus die logische Folgerung: Wer auf die genannten drei Damen steht, der muss Marie Fisker lieben.
„Ghost of love“ entstand zusammen mit dem Ex-Schlagzeuger der vielleicht bekannten Band the Raveonettes. Zusammen entwickelten sie die zehn Songs des Albums.
Wenn die Platte im August bei uns käuflich erworben werden kann, ist dies Marie Fiskers erste Veröffentlichung außerhalb ihres Heimatlandes Dänemark. Dort erschien das Album bereits im letzten Jahr. Wir sind also 365 Tage hintendran. Und so lernte ich Marie Fisker nicht über ihre Musik kennen, sondern durch ihr Projekt mit dem Techno Produzenten Anders Trentemøller. Ihre eigenen Songs folgen erst jetzt, einige Wochen später. Aber lieber spät als nie.
Und so schwelge ich durch das Album. Ich weiß, ich werde „Ghost of love“ noch sehr oft in diesem Spätsommer und Herbst hören. Wahrscheinlich eher im Herbst, denn in diese Jahreszeit gehört das Album einfach. Laut, wenn man das so nennen kann, wird es in den 46 Minuten zwei Mal. Im letzten Song „Good till now“, ein Duett mit dem Sänger Steen Jorgensen, und ein bisschen in „City lights“. Auch ein Duett, ich weiß jedoch nicht mit wem.
Insgeheim ist Marie Fisker eine Rockband. Eine ganz leise und zerbrechliche. Das Album ist definitiv etwas für LoFi Spießer und andere Singer-/ Songwriter Liebhaber.
K-A-U-F-E-N! Dringend!
Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Ghost Of Love
02) Seven days
03) Hold on to this for a while
04) Jack of hearts
05) Little light lit
06) My love my honey
07) Devil tears
08) City lies
09) On the brim
10) Good till now
Links:
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Sehtest:
Dear Lament.. – Handle with care
Dear Lament… . Der Name kommt mir bekannt vor. Nach kurzer Überlegung ist klar. Ja, ich habe diese Band schon mal live gesehen, im Vorprogramm von „The pain of being pure at heart“.
Die Sängerin sorgte seinerzeit für das zweitlustigste Gesprächserlebnis nach einem Konzert. Noch völlig geflasht vom famosen Abend stellten wir beim rausgehen ungefragt und unabhängig voneinander fest, dass die Frisur der Sängerin unangefochtene Klasse hat. Konzertfrisur des Jahres lese ich Tage später. Das stimmt und grundsätzlich war diese Einigkeit nicht verwunderlich, stehen doch mindestens zwei der drei am Gespräch beteiligten Jungs auf Justine Frischmann. Wer die Elastica Frontfrau nun vor seinem geistlichen Auge hat, dem ist alles klar. Alle anderen müssen die Bildersuche bei Google bemühen.
Aber das war nicht alles Erzählenswerte von diesem Abend. Ein zweiter Satz blieb mir in Erinnerung. Während ihres Auftritts erwähnte mein Nachbar plötzlich folgendes: “Oh, der Bassist spielt einen fünfsaitigen Bass.“ Ist das ungewöhnlich? Sollte mich das auch erstaunen? Nun, ich habe, außer zu Orff’schen Instrumenten, die ich zwangsweise in der Grundschule spielen musste, keinerlei Musikinstrumentenwissen. (Wikipedia belehrt mich dahin gehend, dass ich erfahre, es gibt vier bis sieben saitige E-Bässe. Aha.)
Irgendwie ist mir das im Gedächtnis geblieben, warum auch immer. Ich sollte mir mal wichtigere Dinge merken.
Der Bassist war übrigens John Dusko. Neben Daniel Seitz, Aram Khlief und Sängerin Jenny Späth ein Teil der Kölner Band Dear Lament. „Handle with care“ heißt ihr nun erscheinendes Debütalbum.
Dear Lament sind beileibe keine Indiemucker, auch wenn ich irgendwo etwas von „modernem Undergroundsound“ gelesen habe. Undergroundsound ist ein blödes Wort, und die Musik von Dear Lament ist alles, nur nicht das. Sie ist einfach Rockmusik. Zeitlose, elegante Rockmusik. Mal in ruhiger Form („Hannah“ mit Guns’n’Roses Gedächtnis- Balladengitarrensolo), mal lauter („Your voice“ oder „Small door“, beide mit klebrigen Hardrockgitarren zu Beginn), mal chartverdächtig („My house“). Eben so, wie man das halt macht, oder machte. Sie spielen Rock, wie er in den 90er Jahren überall zu hören war. Gerade heraus, in klaren Strukturen. Spirenskes jeglicher Art lassen sie dabei außen vor.
Dear Lament… kommen aus der Nachbarstadt und man sieht sie ab und an im Vorprogramm oder auf MTV. Dort sagte unlängst Markus Kavka über die vier:
Drei Buben und ein Mädchen aus Köln, machen so im weitesten Sinne IndieRock, ja, mit ‘ner Prise erdigem Grunge aber dann auch so ein bisschen abgefahrene Spielereien[...] und noch so‘ n bisschen englische Coolness. Also eine sehr interessante Mischung. Und vor allen Dingen eine wirklich vortreffliche Sängerin.
Ich musste spontan an Karen O denken als ich die Stimme gehört habe, von den Yeah Yeah Yeahs, brauch sie sich überhaupt nicht zu verstecken, die Jenny.
Update: Während ich das hier zusammenschreibe, läuft in einer Endlosschleife dieses YouTube Video. “Wait and stay” gefällt mir von mal zu mal besser!
Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Battery
02) Showtime
03) Your voice
04) My house
05) Small door
06) Beeze
07) Wait and stay
08) fading
09) Hannah
10) Cut off your hair
Sehtest:
IGYOT – Spinning for the cause
I got you on tape (IGYOT) sind Sänger Jacob Bellens, Gitarrist Jacob Funch, Jeppe Skovbakke (Bass) und Schlagzeuger Rune Kielsgaard. Alle vier stammen aus Dänemark, genauer gesagt aus Kopenhagen.
„Spinning the cause“ ist ihr drittes reguläres Album. Ihr selbst betiteltes Debütalbum aus dem Jahr 2006 und der Nachfolger “2” aus dem Jahr 2007 bilden den ersten und zweiten Output der Band. Ein irreguläres Remix-Album erschien 2008. Das war vier Jahre nach ihrer Bandgründung.
Soweit die musikalischen Eckdaten.
In Deutschland, oder weit fassender gesagt, außerhalb Dänemarks, sind IGYOT irgendwie unbekannt. Also behaupte ich mal. Oder anders gesagt: ich kannte diese Dänen nicht, freue mich aber umso mehr, dass sie mir diese Woche vorgestellt wurden.
IGYOT machen melancholischer Rock-Pop-Folk. Das ist so neu nun nicht, viele haben der Welt schon vor einiger Zeit gezeigt, wie toll dies im 21. Jahrhundert klingen kann. Anschließend kamen andere und haben dieses verfeinert und ausgebaut. Melancholischer Indierock ist also etabliert und eigentlich wurde alles gesagt. Uneigentlich gibt es aber immer wieder kleine Ausrufezeichen, Überraschungen. „The Black heart procession“ zum Beispiel oder eben IGYOT. Also was Neues im Sektor der melancholischen und getragenen Gitarren? Jein. Nicht neu, aber aufhorchenswert, wie ich finde.
Sommersault könnte man kennen. Ich kannte es nicht. Das ist die Single vom zweiten Album „2“ und ein seltsamer Song mit einem merkwürdigen Video. „Sommersault“ ist aber irgendwie gut.
Und genau so ist es mit „Spinning For the Cause“:
Seltsam, aber irgendwie gut.
Da wäre die sehr britisch klingende Stimme des Sängers, die mich an Blur oder die Bluetones denken lässt. Ein Umstand, der mir spontan sehr sympathisch ist. Der Eindruck legt sich im Laufe des Albums, und live ist davon ehedem nicht allzu viel übrig. Aber das sammelt erste Pluspunkte. Und mehr Pop als im sehr guten „The Blacksmith“ geht eigentlich nicht. Das macht Spaß.
Und dann sind da die merkwürdigen Momente. Das aus dem Takt fallende Schlagzeug im Eröffnungsstück, das mich kurz an der Funktionalität meines mp3 Players zweifeln lässt, oder das letzte Stück des Albums, „Wedding Song“. Ein Song, der durch seine Shoegazeästhetik völlig aus dem Rahmen fällt und den ich hier nicht erwartet hätte. Es ist das lauteste Stück auf „Spinning the cause“ und passt einerseits so gar nicht zu den anderen neun Songs. Andererseits macht es großen Sinn.
Trotz aller netten Merkwürdigkeiten ist „Spinning for the cause“ Pop. Erst etwas munterer, dann etwas melancholischer. Pop und Melancholie, eine Kombination, die in den nördlichen Breitengraden nicht ungewöhnlich ist.
In diesem Sinn sind IGYOT eine skandinavische Band.
Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Cabaret
02) Permanent Vacation
03) The Blacksmith
04) Ace In The Hole
05) Polkadots
06) Spinning For The Cause
07) Waking Up The Brotherhood
08) Beggars And Bangers
09) Talk About The Threadmill
10) Wedding Song
Sehtest: