On An On – Köln, 09.05.2013

Ort: Blue Shell, Köln
Vorband: Woman

On An On

Ach was machten die vier On An On’s doch für einen sympathischen Eindruck. Sehr unprätentiös und charmant spielten sich die Amerikaner durch ihr 50 Minuten Konzert. Leicht entschuldigend ließen sie uns am Ende von „Ghosts“ wissen, dass nun ihr letztes Stück käme, weil sie doch nur eine 45 Minuten Platte hätten und im Laufe des Konzertes auch schon ein Cover hinzugefügt haben. Dass als Zugabe dann Cover Nummer zwei folgte, war – ohne es angesagt zu bekommen – sehr klar.
Nate Eiesland, Alissa Ricci, und Ryne Estwing sind On An On und die übriggebliebenen Mitglieder der Chicagoer Indieband Scattered Trees, mit der sie eigentlich dieses Album aufnehmen wollten. Googelt man nach der Band Scattered Trees wirft die Suchmaschine den mittlerweile toten Link scatteredtreesmusic.com heraus und beschreibt ihn mit der Textzeile „Official Site. Tour Dates. Music. Debut Album ‘Give In’ out 1/29/2013.“ Nun haben also On An On dieses Album veröffentlicht und sind aktuell mit der Scheibe auf Tour. Wie es genau zu der neuen Konstellation kam und wie sich die drei darauf einstellten, steht hier ganz gut beschrieben.
Weiterlesen

Bleech – Köln, 05.09.2012

Ort: Blue Shell, Köln
Vorband: ahuizotl

In der Umbaupause beobachten wir ein kurzes Gespräch zwischen dem ahuizotl Sänger Barry Langer und der Bleech Bassistin Katherine O’Neill. In unserer Vorstellung betreiben die beiden eine romantische Fachsimpelei über Mikrofonpositionen und Bühnenaufbau. Nach fünf Minuten Bleech Konzert könnte das Gespräch jedoch auch einen anderen Inhalt gehabt haben: „So, wir sind dann jetzt weg und nehmen gleich 7 Zuschauer mit. Euch dann noch viel Spaß.“ *
Oh weh, es war auffallend leer geworden vor der Bühne, als Bleech ihr Konzert eröffneten. Bei einer geschätzten Gesamtzuschauerzahl von knappen 40 ist jeder Kopf wichtig, die vielen ahuizotl Supporter, die jetzt nicht mehr da waren, waren so visuell sehrspürbar.
Darunter leidet natürlich die Konzertatmosphäre und ich hatte den Eindruck, dass die rothaarige Jennifer O‘Neill auch leicht verstimmt über die geringe Aufmerksamkeit die Bühne betrat. Hier „hello everyone“ ließ es mich in den Zwischentönen heraushören, das passte ihr ganz und gar nicht. Gott sei Dank verlief der Abend dann doch harmonischer als ich zu diesem Zeitpunkt befürchtete. Die beiden Frontfrauen schienen sich schnell mit der Situation zu arrangieren und zeigten eine gute und unterhaltsame Show. Schön aufeinander abgestimmter Duettgesang (wie beispielsweise in der ersten Zugabe „Flowerhands“) und ein satt klingendes Schlagzeug (gespielt von Matt Brick) ließen sich gut an. Ehrlich gesagt hatte ich Bleech nicht so rockig erwartet, meine Startkoordinaten für die Band lagen eher im hipperen Keyboardsynthiepoprock.
Weiterlesen

Everybody was in the French Resistance…Now! – Köln, 22.02.2010

Ready Art Brut! Ready Everybody was in the French Resistance…now! !
Eddie Argos, der alte Haudegen und Entertainer ist in der Stadt. Seine Haus und Hofband Art Brut liegt derzeit auf Eis, Ewitfr…n! ist das Projekt des Moments. Zusammen mit seiner Freundin Dyan Valdés hat er sich aufgemacht, den Weg der Pophistorie zu begradigen. Wer es noch nicht anderswo gelesen hat, das Debütalbum „Fixin’ the charts, Vol. 1“ der beiden ist eine einzige Antwort. Eine Antwort auf viele große und kleine Hits der 60er, 80er, 90er und 00er.
Das Schema, nach dem die beiden ihre Songs konzipiert haben, funktioniert wie folgt: Sie hören einen Song oder sehen ein Video und fragen sich, was hat sich der Interpret nur dabei gedacht, und sehen wir das nicht alles ganz anders.
Ihr “Hey, it’s Jimmy Mack!“ zum Beispiel. Das Stück gibt die Antwort auf Martha Reeves & The Vandellas Song “Jimmy Mack“. In diesem Song teilt die Sängerin ihrem Freund, der viel auf Reisen unterwegs ist, mit, dass sie ihn jetzt betrüge, weil er ja nie zuhause sei.
Everybody was in the French Resistance…now! entgegnen: “Hey, it’s Jimmy Mack. I heard your track, and if that’s your attitude, I’m never coming back”.
In ähnlicher Weise funktionieren alle Songs, sei es nun “Walk alone” (Gary and the Peacemakers “You’ll never walk alone” wird entgegnet , dass es sehr wohl okay sei, ab und an alleine zu sein) oder “Coal Digger” und “G.I.R.L.F.R.E.N. (You know I’ve got a)” zu Kayne West “Gold Digger” und Avril Lavigne’s “Girlfriend”.
Mehr möchte ich nicht aus den einschlägigen Seiten kopieren, obwohl, das paste & copy Verfahren ist ja gerade in. #helene_hegemann würde jetzt als Querverweis bei Twitter hinter diesem Satz stehen. Herrje, ich schenk’ mir ein Statement zu Dingen, zu denen ich nichts Nahrhaftes zu sagen habe. Das können andere tun.
Und all meine Recherchen hätten gar nicht sein müssen, wie der Abend noch zeigen soll…
Also, lasst uns über Everybody was in the French Resistance…now! reden. Das ist viel lustiger!
Vielleicht noch lustiger als über Art Brut. Eddies ursprüngliche Band mag ich sehr und ihre Konzerte sind immer etwas Besonderes. Natürlich auch wegen Eddie Argos. Der Indieflummi enttäuscht fast nie, hat immer was zu sagen und lässt an guten Tagen kein Publikumsauge trocken. So war es natürlich auch im Blue Shell.
Also: Ready, Everybody was in the French Resistance…now!?
Na dann los. Zu einer feinen Marseillaise Version marschieren die drei auf die Bühne. Dyan, Eddie und ein unbekannter Gitarrist / Schlagzeuger, der die beiden in Konzerten unterstützt, namentlich aber ungenannt bleibt.
Die französische Nationalhymne. Großer Beginn. „In Paris, wo wir neulich spielten, “ so Eddie, „seien daraufhin alle aufgestanden“. In einem englischen Pub einige Konzerte zuvor hätten die Leute blöd geschaut. „Hey, ihr seid doch keine Franzosen!“ Tja, andere Länder, andere…
Song Nummer eins, der Albumopener “Creeque allies“. schloss sich nahtlos an. Kann ein Übergang perfekter sein?
Dann ergriff Herr Argos das Wort, und gab für die, die nichts mitkriegen, einige fachliche Erläuterungen zum Verlauf des Abends. Ewitfr…n! seien ein Projekt; ein Projekt, in dem man textlich missglückte Songs der Popgeschichte zurechtrücken wolle, ihre Sicht auf die Dinge schildere oder einfach nur tollen Bands huldige. Und so erzählte er vor jedem Stück die Geschichte zu diesem Song, gab kurz den Inhalt des Originals wieder und was die beiden sich mit ihrer Antwort gedacht haben.
Das war natürlich alles sehr unterhaltsam und wurde unter großem Gelächter auf und vor der Bühne vorgetragen. Was es mit “Coal Digger” und Kayne West auf sich hat, die Geschichte um das Michael Jackson Video zu Billie Jean oder sehr viel sympathische Worte zu Elastica, eine von Dyan und Eddie sehr geschätzte Band aus den 90ern. All dies kam in typischer Eddie Argos Manier. Der große Entertainer war in seinem Element.
Was ich nicht wusste, ihr Song “Superglue“, sie spielten ihn irgendwann in der Mitte des Sets, ist die Antwort auf Elasticas “Vaseline“. Kennt man den Hintergrund, hört man die Referenzen sofort heraus. “Superglue“ ist vom Songaufbau her eine perfekte Elastica Kopie. Großartig, und für mich das Zeichen, “Elastica“, das Debütalbum, unbedingt wieder herauszukramen. Ist es doch ein Klassealbum und Justine Frischmann eine meiner großen 90er Lieben! (Jaaaa, ihre Frisur war klasse!)
So spielten sie sich durch ihr Album, einzig „Walk alone“ ließen sie aus. Zum Ausgleich gab es einige Zeilen aus „With or without you“, angehängt an “Think twice (it’s not alright)“ und als Zugabe ein echtes Cover, “I wann be your boyfriend“ von den Rubinoos.
Hatten sie als letzten Song des regulären Sets G.I.R.L.F.R.E.N (you know I’ve got a) gespielt, galt es nun, Avril Lavigne einen weiteren Seitenhieb zu verpassen. “I wanna be your boyfriend“ sei doch der Song, von dem Avril ihr “Girlfriend“ abgekupfert hätte.

Ironically, her song about stealing boyfriends is, itself, stolen. Fans of the 1979 Rubinoos hit “I Wanna Be Your Boyfriend” will notice that the chorus in Avril’s song is nearly identical, save for the change in gender. The Rubinoos sued Avril in 2007 for stealing their song. It was eventually settled out of court, hopefully involving a huge cash settlement for The Rubinoos.

(via: The Eddie Argos resource)

Nach zwei, drei weiteren Bemerkungen war klar, dass Eddie die Kanadierin überhaupt nicht mag und sie unter keinen Umständen zur Freundin haben wolle. Auch nicht oder schon gar nicht wegen ihres Geldes. Es scheint ihm eine Herzensangelegenheit zu sein der Welt zu erzählen, wie wenig er von der Kanadierin hält.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich Eddie Argos live anzutun. Es ist eine wahre Freude!

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Art Brut – Berlin, 15.05.2009
Art Brut – Köln, 05.06.2007

Ra Ra Riot – Köln, 18.11.2008

Do you wanna, do you wanna do you wanna…. ….see Ra Ra Riot with me?! fragten gestern nicht so viele, denn es war leer im Blue Shell in Köln, sehr leer.
Ursprünglich waren die sechs Freunde aus Syracuse im Luxor angesetzt worden, aber weil im Vorverkauf nicht allzu viele Karten an den Mann gebracht wurden, wurde das Konzert kurzerhand ins Blue Shell gelegt.
Die innerstädtische Konkurrenz schien zu übermächtig. MGMT spielten in der ausverkauften Live Music Hall, Swell Season im nicht minder kleinen E-Werk, und ein paar Kilometer den Rhein hoch füllten die Kooks die Philipshalle.
Das Blue Shell also. Einer der kleineren Konzertläden der Stadt. Was mag die Verlegung für den heutigen Abend bedeuten? Fahren wir also los, um das herauszufinden.
Auf dem Weg unterhalten wir uns über das gestrige Sarah Bettens Konzert. „Hat sie nicht auch ein Coveralbum herausgebracht?“ fragte meine Mitbewohnerin. „Nein, dass war Cat Power.“ „Ach ja, für mich sind die alle gleich.“ Für mich nicht, aber in einigen musikalischen Nischen hat meine Mitbewohnerin nicht so den Überblick. Nur zugeben will sie das nicht so richtig, und so diskutieren wir noch ein wenig hin und her über Singer-/Songwriterinnen, Teeniebands und Hipstermonster.
Wir sind gut gelaunt und freuen uns auf RaRaRiot, unsere Neuentdeckung und Ipod-Playlist-Lieblinge des Spätsommers.
Ra Ra Riot kommen spät. Um kurz nach 22 Uhr betreten sie die Bühne.
„Hallo, wir sind RaRaRiot. Kommt doch ein bisschen weiter nach vorne.“ So begrüßt uns Sänger Wes Miles. Wohl selbst überrascht ob seiner Forschheit schiebt er – als niemand der Aufforderung nachkommt – rasch ein „Ihr müsst aber nicht, wenn ihr nicht wollt.“ nach.
Sehr wenig Menschen haben sich im Blue Shell eingefunden. Die Band macht allein 1/8 der Anwesenden aus. Daher ist es auf der Bühne bei weitem voller als davor. Sänger Wes Miles, rechts neben ihm Geigerin Rebecca Zeller, auf der anderen Bühnenseite Cellistin Alexandra Lawn und Gitarrist Milo Bonacci. Bassist Mathieu Santos und Schlagzeuger Gabriel Duquette ordneten sich in der zweiten Reihe direkt hinter Alexandra Lawn ein.
Im Zuschauerraum war es übersichtlicher: Links und rechts an den Wänden gelehnt standen sie, oder im vorderen Teil des Blue Shell an der Bar, an der Bühne jedoch herrscht große Leere.
Ob Wes Miles das klar erkennt, ich weiß es nicht. Er hat seine Brille gleich beim ersten Song „Each year“ abgenommen und auf den Boxenturm gelegt. (Im Rheinland sagt man übrigens nicht: ich setze eine Brille ab, sondern: ich ziehe meine Brille aus. Ich find das unsagbar und furchtbar und werde mich nie an diesen Ausdruck gewöhnen.).
Seine Dioptriewerte sind mir natürlich unbekannt, aber ganz so gering schätze ich sie nicht ein, denn er hängt mit dem Kopf fast in seinem Minikeyboard, wenn er dort ab und an den ein oder anderen Knopf dreht. Das sieht lustig aus.
Ra Ra Riot lassen sich von der Zurückgezogenheit des Publikums nicht beirren. Sie starten zügig durch mit „Run my mouth“ und „St Peter’s Day Festival“. Das Debütalbum bestimmt die Setlist. Es werden alle Songs von The Rhumb Line gespielt, plus einem non- Album Track. Mein derzeitiges RRR-Lieblingslied “Winter’05″ kommt auch im Winter’08 wunderbar rüber. All die Rasseln und Glocken lassen auch im Blue Shell das Gefühl aufkommen, man stände mitten auf einem gefrorenen See und es beginne zu schneien.
So ist das Konzert nach knappen 45 Minuten vorbei. Es ist ein Abend ohne Überraschungen, aber mit vielen ahhhs, und keinen Enttäuschungen.
Hier ein kleines ahh: In ihrem regulären Set haben die sechs schon alle Gassenhauer und Singleauskopplungen verbraten. Was soll denn noch als Zugabe herhalten, fragte ich mich während des Schlußapplauses.
Hounds for love, war die Antwort.
Es ist die zweite Coverversion des Abends, und nach Suspended in gaffa das zweite Kate Bush Cover. Scheint so, als ob ihnen die Frau sehr am Herzen liegt. Musikalisch stehen die Songs der Band. E-Cello und E-Violine, beide übrigens in reiner Rahmen-/Hohlkörperbauart, können das dramatische der Kate Bush Songs gut transportieren, und die nicht zu harte Stimme von Wes fügt sich nahtlos ein.
Ra Ra Riot sind nicht hip wie MGMT oder teen- affin wie die Kooks. RaRaRiot sind Normalos für Normalos, eine Band für Leute, die auch die frühen Nada Surf, Seachange oder anderweitigen guten Indiepop mögen.

Doch zukünftig sollten mehr Leute zu ihren Konzerten gehen. Es wäre sehr schade, wenn dieser Band das gleiche Schicksal widerfahren würde wie den großartigen Seachange. Die haben sich aus Mangel an Fanzuspruch (gleich monetäre Gründe) nach zwei – von allen Kritikern hochgelobten und wirklich wunderbaren – Alben aufgelöst.

Tipp::: Auf ligx.de liegt ein Stream ihres Hamburger Konzertes vom 17.11.2008 (inkl. Vorband “The age of sound”) zum Abruf bereit.

——
Multimedia:
Fotos: -
Setlist: konzerttagebuch.de
Video: -
Lesenswert: whitetapes
Archiv: -