Rolling Stone Weekender – Ostsee, 13.11.2010

Ort: Weissenhäuser Strand, Ostsee
Bands: Jaill, Get well soon, Airship, K’s choice, Thindersticks, The black keys, Gaslight Anthem

Airship - Rolling Stone Weekender 13.11.2010

Tag 2 von 2:

Der zweite Festivaltag begann am Strand. 100 Meter hinter der Ferienanlage ist das Wasser. Die träge vor sich hindümpelnde Ostsee. Meerluft schadet bekanntlich nicht und ein kleiner Spaziergang zwischen Mittagstisch und Kaffee ist doch die richtige Einstimmung auf den musikalischen Abend.
So dachten auch ganz viele andere Besucher. Ich vermute, so viele Menschen waren zu dieser Jahreszeit noch nie an diesem Strandabschnitt unterwegs. Entweder zu zweit oder zu fünft. Wie ich an den zwei Tagen sehr oft beobachtet habe, schienen das die bevorzugten Gruppengrößen zu sein. Macht ja auch Sinn, die Hauptzimmerkontingente waren zwei oder fünf Personen Apartments. Oder anders: Die Zimmereinteilungen spaltete die Besuchermasse in Pärchen und Freundesbande.
Also ganz grob gesagt und nicht sonderlich ernst gemeint.

Ach, dieser Rolling Stone Weekender gefällt mir immer besser. Das Meer, Musik, Entschleunigung. Der perfekte Kurzurlaub für den Konzertfreund. Was auch am Samstag auffiel: Die Leute waren wegen der Musik hier, die Konzerte waren allesamt gut besucht und den Künstlern wurde die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Ich möchte nicht wissen, wieviel Jahre Musikverstand zum Beispiel bei den Thindersticks im Baltic Festsaal vor der Bühne stand.

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The National – Weissenhäuser Strand, 12.11.2010

Ort: Zeltbühne Weissenhäuser Strand, Ostsee

The National - Weissenhäuser Strand, 12.11.2010

Setlist:
01: Runaway
02: Anyone’s ghost
03: Mistaken for strangers
04: Blood buzz
05: Slow show
06. Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Apartment story
10: Sorrow
11: Abel
12: England
13: Fake empire
14: Mr November
15: Terrible love
16: Vanderlyle

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
The National – Köln, 27.11.2007

Rolling Stone Weekender – Ostsee, 12.11.2010

Ort: Weissenhäuser Strand, Ostsee
Bands: Midlake, Warpaint, Teenage Fanclub, The National, John Grant

John Grant - Rolling Stone Weekender, 12.11.2010

Tag 1 von 2:

„Das ist so unerträglich hier, ich geh aufs Zimmer.“ Nun, sie ist halt kein Teenage Fanclub Girl.
Es ist kurz nach halb neun und wir stehen in einem sturmumschüttelten Zelt unweit der Ostsee. Vor einer Stunde betraten vier Schotten aus Glasgow die Bühne, die auch gut ins Publikum gepasst hätten.
Es ist Rolling Stone Weekender, und all die, die vorher von einer „Ü30 und für Leute, die auf Festivals nicht mehr campen wollen“ Veranstaltung geredet haben, haben recht. Das Durchschnittsalter ist an den zwei Ostseetagen am Weissenhäuser Strand höher als bei anderen Festivals oder Konzerten.
Aber es gibt kein junges oder altes Publikum, es gibt nur ein gutes oder schlechtes. Und das Publikum ist gut. Es herrscht eine ausnahmslos entspannte Atmosphäre auf der Ferienanlage. Es passt aber auch alles zusammen: Unkompliziertes Einchecken, ausreichend befestigte Parkplätze und ganz wichtig: das Bett nur eine Minute von den drei Bühnen entfernt und Restaurants sowie Supermarkt fußläufig.
Im richtigen Leben ist der Weissenhäuser Strand eine siebziger Jahre Ferienanlage, eingeklemmt zwischen einem Truppenübungsplatz (auf dem ich vor 20 Jahren auch geübt habe) und einem Naturschutzgebiet. Hier findet man alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Der Gebäudekomplex, bestehend aus einem Hotel, drei Apartmenthäusern sowie einer überdachten Galeria mit Restaurants und einigen Geschäften ist eine rundum-sorglos Ferienanlage. Badeparadies, Dschungelland und Minigolfplatz inklusive. Meinen 14-tägigen Urlaub möchte ich hier jedoch nicht verbringen. Musik hören und sehen schon.

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Slut – Köln, 10.11.2010

Ort: Luxor, Köln
Vorband: The strange death of liberal England

Slut - Köln, 10.11.2010

Jetzt ist es wieder soweit. Der nasskalte Herbst ist endgültig da und schleicht sich in der früh beginnenden Tagesdunkelheit über den Asphalt. Die Zeit der leichten Übergangsjacke ist vorbei. Sie alleine schafft es nicht mehr, ausreichend Wärme am Körper zu halten. Eine Fleecejacke für drunter gehört wieder zur Pflichtausstattung, wenn ich mich abends auf zugigen Bahnsteigen rumtreibe. Ach ja, und erst ein Schal macht das urbane Herbstoutfit komplett. Aber der leichte Sommerschal reicht noch allemal. Noch.
Warum erzähl ich das? Ganz einfach, weil ich gestern Abend mit gefühlten vier Jacken am oder um den Körper wie ein Muli bepackt im Luxor stand und drei Stunden Musik sah.
Oh nein, es ist nicht die Kniepigkeit für den Garderobeneuro, es sind die (berechtigten) Bedenken, den planmäßigen Heimzug zu verpassen, weil die Jackenrückgabe länger dauert als vorher berechnet. Garderobenschlangen sind eine sehr unberechenbare Spezies. Und natürlich schlängelt sie sich immer dann sehr gemächlich Richtung Ausgang, wenn man es eilig hat. Und da der öffentliche Personennahverkehr nicht im 24/7 Rhythmus schlägt, sondern die letztmögliche Verbindung um kurz nach Mitternacht den Bahnhof verlässt, kann es schon mal sehr blöd laufen.
Erst recht, wenn man sich auf der sicheren Seite fühlt. „Ach, die spielen 90 Minuten, die Vorband ‘ne halbe Stunde, da ist Zeit genug.“
Bei The strange death of liberal England und Slut dachte ich genau so. “Da ist Zeit genug.” Von wegen, und Gott sei Dank handelte ich anders. Ansonsten hätte ich a) entweder eher gehen müssen, um rechtzeitig meinen Kram zu bekommen, b) ohne Jacken nach Hause fahren dürfen oder c) mir am Heumarkt einen Platz in der ersten Reihe suchen können. Um diese Zeit wäre das bestimmt noch möglich gewesen. Denn erst um kurz nach Mitternacht war das Konzert beendet und es war weise, meine Klamotten nicht abzugeben. Ja, es lief nicht so, wie ich es mir vorher ausgemalt hatte.

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The bewitched hands – Birds & Drums

The Bewitched Hands -Birds & DrumsIm Sommer hörte ich die EP einer französischen Band, die gar nicht französisch klang. The Bewitched Hands nennt sich das Sextett aus Reims, das mir mit Hard to cry den Überhit einer Woche lieferte. (Ich habe oft Überhits, eine Woche „Überhit sein“ ist herausragend.). In diesen 6 Minuten zeigten The Bewitched Hands alles, was in einen tollen Song gehört.
„Hard to cry“ ist auch auf ihrem Debütalbum. In der sogenannten Album Version nicht weniger herausragend als auf der EP. Einzig und allein, man erkennt es gar nicht sofort. Denn um diesen Song herum liegen noch so viele weitere Überhits, dass „Hard to cry“ nicht auffällt. Es ist einfach da und reiht sich ein in die Schlange der großen Songs auf diesem Album. „Sahara Dreams“, „Sea“ oder „Work“, um hinten anzufangen. „Happy with you“ oder „Birds & Drums“ um vorne zu beginnen.
The Bewitched Hands a.k.a. „The Bewitched Hands on the top of our Heads“ liefern auf „Birds & Drums“ 13 wirklich sehr, sehr gute Songs ab.
Songs, die nach Folkpop klingen. Erstmal.

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