Feist – Köln, 13.03.2012

Ort: E-Werk, Köln
Vorband: Fionn Regan

Canadians do it better!

Sehr schönes Neo-Hippie Konzert der Kanadierin Leslie Feist. Sie kam mit Band und Sängerinnen Chor, sie befragte das Publikum nach deren Herkunft und erzählte von ihrem letzten Kölner Kater- und Brummschädelkonzert nach einer durchzechten Nacht in Hamburg. Und sie machte Musik.
Auf ihren Alben klingt sie speziell: ruhig, stimmungsvoll, vielschichtig. Live klingt die Leslie Feist Band so, wie es sich für einen großen Konzertsaal gehört: Unnahbarer, glatter, lauter. Dass die musikalischen Details dabei verschwinden, liegt auf der Hand. Wer darauf nicht vorbereitet ist, wird an diesem Abend nicht ganz zufrieden aus der Halle gegangen sein. Ich war nach dem längeren Vorabend auf nichts vorbereitet, Erwartungen hatte ich keine. (Die sollte man vor Konzerten auch nicht haben!) Ich wollte mich einfach berieseln lassen von der Frau, deren Stimme so toll klingt und deren Songs ich aus der Sesamstrasse und der Werbung kenne. Und das ist mir geglückt. Trotz zu spät kommens und trotz unglücklichem Standort in unmittelbarer Nähe einer Getränketheke.
Leider konnte ich nicht bis zum Schluss bleiben.
Im Nachhinein stellte sich dieses Konzert als terminlich sehr ungünstig heraus, ganz absagen wollte ich jedoch nicht. Und bis zur ersten Zugabe klappte es ja. Als ich ging hatte ich nicht das Gefühl, dass mir etwas zu einem komplettes Feist Konzert gefehlt hat. Ein schöner, wenn auch zu kurzer Abend!

Setlist:
01. Undiscovered first
02. A commotion
03. Graveyard
04. How come you Never go there
05. Mushaboom
06. The Circle Married the Line
07. My moon my man
08. I Feel it all
09. So sorry
10. Anti-Pioneer
11. The Bad in each other
12. Pine moon
13. Comfort me
14. Caught a long wind
15. Get it wrong get it right

Gisbert zu Knyphausen – Bochum, 12.03.2012

Ort: Kulturbahnhof Langendreer, Bochum
Vorband: Steffen Nibbe

Was für ein großartiger Abend mit Gisbert zu Knyphausen im alten Kulturbahnhof Langendreer. Viel zu spät beendete die Band ihr Konzert, es schien so, als wollten sie gar nicht mehr aufhören.Anders als die jungen Bouranis hat Knyphausen es wirklich drauf. Ihm fehlen nicht die Worte und die unaufdringliche Melancholie, um die schönen Leiden des jungen Lebens auf den Punkt zu bringen. Dass er dabei vier Musiker um sich versammelt, die alle ihr Handwerk mehr als perfekt verstehen, macht ihm die Sache einfach und ein Knyphausen & Band Konzert zu einer runden Angelegenheit.
Gisbert zu Knyphausen also. Der Name sagte mir lange Zeit nicht viel, ach was, er sagte mir überhaupt nichts. Da konnten alle um mich herum noch so von seiner Musik schwärmen, ich wollte ihn partout nicht kennenlernen. Einladungen mit zu seinen Hoffesten zu fahren, ließ ich verpuffen. Was soll das, irgendwo in Rheinhessen auf einem Weingut ein SingerSongwriter Konzert anzugucken. Der Weg ist zu weit, die Aussicht auf melodramatisches Akustikgitarrengeklimper schien mir nicht lohnenswert genug. Und überhaupt, wo liegt dieses Eltville eigentlich. Und Wein können die Besucher dort auch verköstigen? Na das klang mir doch sehr nach einem gemütlichen Jazz- Frühschoppen. Ich Ahnungsloser!
Was ich damals nicht wusste: Die Knyphausens gehören zu einer der alten Winzerdynastien in Deutschland, ihr Weingut im klassischen deutschen Rieslinggebiet, dem Rheingau, gehört zu den etablierten im Land.
Was ich auch nicht wusste, Gisbert zu Knyphausen ist der deutsche Singersongwriter mit den besten Melodien, der schönsten Traurigkeit und den intelligentesten Texten.
Das entdeckte ich aber erst später. Irgendwann lag dem Rolling Stone ein Knyphausen Live Album bei. Und wie alle Musikmagazin CDs landete auch diese CD im Auto. Auf einer längeren Autobahnfahrt war es dann soweit. Die CD lief und lief und lief und ich erkannte meine Fehleinschätzung. Von da an war es ein Ziel, diesen Knyphausen einmal in einem Konzert live zu sehen.
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School of seven bells – Brüssel, 10.03.2012

Ort: Botanique, Rotonde, Brüssel
Vorband: Vega

Samstag Nachmittage auf der Autobahn. Regnerisches Schmuddelwetter lädt uns förmlich dazu ein. Wie andere Gleichaltrige treffen wir uns an einem Parkplatz am Autobahnkreuz der A1 und A4, lassen einen Wagen stehen und fahren gemeinsam weiter. Unser Ziel ist aber nicht das Heim- oder Auswärtsspiel unserer Lieblingsfussballmannschaften, unser Ziel heißt Botanique, unser Auswärtsspiel in diesem Jahr ist School of seven bells. Der Fußball ist aber Thema. Der FC führt 1:0 und es gab drei rote Karten. Wieso? Weshalb? Gerechtfertigt? Auch Telefonate konnten keine abschließende Klärung bringen. Der Kommentar, den wir von einem Sky Gucker hörten, beruhigte uns nur kurz: „Das war nix, das war ein Witz.“

“Das ist so ‘n Männerding, oder?” fragte mich vor Wochen ein Bekannter, dem ich von meinen / unseren Konzertausflügen erzählte. Seine Frage war nicht provokant gemeint, dafür mag er selbst zu sehr Musik und Konzerte, aber sie irritierte mich dennoch. Denn normalerweise sind Männerdinge überhaupt nicht mein Ding, aber ich glaube, in diesem Fall hat er nicht ganz unrecht. Fantum könnte man es weniger genderbezogen auch nennen. Oder Hobby.

Die Rotonde der Botanique ist eine der angenehmsten Konzertorte, die ich kenne. Daher stand es zu keiner Zeit zur Diskussion, an diesem Nachmittag nach Brüssel zu fahren. Im Gegenteil, die knappen 2 Stunden Autofahrt waren ein großer Spaß, Langweile kam nicht auf. Und da der Verkehr überschaubar dicht war, passte unser Zeitplan perfekt. Parken, Essen, Konzert. Diese Reihenfolge ließ sich bequem einhalten. School of seven bells gehören zu der Sorte Band, die man sich als Fan gitarrenlastiger Indiemusik zu jeder Zeit gefahrenlos ansehen kann. Allein mit ihrem Debütalbum „Alpinism” verfügt das Duo Alejandra Deheza und Benjamin Curtis (Alejandra Zwillingsschwester Claudia hat bekanntermaßen vor einiger Zeit die Band verlassen) über genug Hits, um ein Konzert bedenkenlos gut und begeisternd über die Bühne bringen zu können.
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15 Penelope Houston

Begonnen hat die “Queen of Neo-Folk” in einer Band. In einer Punk Band. 1977 gründete Penelope Houston zusammen mit Brad Kent die Avengers. Die Band veröffentlichte ein Album und hatte 1978 im Vorprogramm der Sex Pistols in San Francisco ihren größten. Bereits ein Jahr später lösten sich die Avengers wieder auf, Penelope Houston zog erst nach Los Angeles und lebte anschließend einige Jahre in England.
Zurück in San Francisco startete sie 1988 ihre Solokarriere. Punk is dead, getreu diesem Motto änderte sie ihr musikalisches Schaffen. Folk war der neue Punk, die Harfenzither die neue Rumpelgitarre. Ihr Debütalbum „Birdboys“ veröffentlichte sie 1988, zehn weiter Alben folgten in den nächsten 25 Jahren. Die Tour zum zweiten Album „The whole world“ führte sie auch in die Essener Zeche Carl. Warum ich damals zu diesem Konzert gefahren bin, ist mir heute nicht mehr ganz klar. Es muss Neugierde gewesen sein, oder Beklopptheit. Folk, wegen meiner auch Neo-Folk, das war doch sterbenslangweilig. Irgendwie war ich aber ganz wild drauf, Penelope Houston und Band live zu sehen. Und das, obwohl ich außer „Glad I’m a girl“ und „Nina“ nichts von ihnen kannte. Und es blieb nicht bei diesem einen Konzert. Im Jahr drauf (oder 2, das ist alles schon so lange her) sah ich Penelope Houston erneut. Ich glaube, es war wiederum in Essen.
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School of seven bells. Lafaye.
Am Samstag spielen School of seven bells in der Brüsseler Botanique. Der Ausflug dahin ist seit Tagen geplant. Nun gilt es, sich noch musikalisch vorzubereiten. Zum Beispiel mit der neuen Single vom aktuellen Album “Ghostory”. das ist seit kurzem auf dem Markt und klingt vermutlich so, wie die beiden Alben zuvor. Mein gefährliches Halbwissen – ich kenne bisher nur obige Single – lässt dies vermuten. Geändert hat sich also scheinbar nur die Bandkonstellation.

Da waren es nur noch zwei. Quasi über Nacht kehrte Claudia Deheza ihrer Band School Of Seven Bells den Rücken, noch während einer Support-Tour für Interpol. Zurückgelassen hat sie Benjamin Curtis an Gitarre und Studioreglern sowie ihre Zwillingsschwester Alejandra Deheza am Mikrofon.

“Wir mussten im Grunde genommen über Nacht die gesamte Live-Show neu strukturieren. Wir hatten am nächsten Tag in Los Angeles ein Konzert. Zu dieser Zeit war das also eine Veränderung, die uns ein wenig durchgewühlt hat. Was die Songs und die Texte angeht, hat sich in der Band die Dynamik nicht viel verändert. Ben und ich waren immer schon die Haupt-Songwriter in der Band.” (Alejandra Deheza)

Dabei prägten doch gerade die Zwillinge das Erscheinungsbild und den Klang von School Of Seven Bells. Nun gut, zumindest im Studio dürfte der Unterschied kaum auffallen. Ob nun eineiige Zwillinge zweistimmig singen oder eine Sängerin mehrere Gesangsspuren einsingt, dürfte am Ende keinem auffallen. Und so hört man auch auf Ghostory, dem mittlerweile dritten Album der Band, die vertraut hypnotisierenden School Of Seven Bells-Harmonien. (via: detector.fm)

Big Deal – Köln, 04.03.2012

Ort: Studio 672, Köln
Vorband: Alt-J

War es ein gutes Konzert, wenn man am Tag danach noch die Textzeilen des letzten Liedes des Abends im Kopf hat und nicht mehr wegbekommt?
Eine rhetorische, aber eine berechtigte Frage. Natürlich war es das, muss es ja gewesen sein. Schlechtem hängt man nicht hinterher. Also folgere ich an diesem Montag nachmittag: das Big Deal Konzert am gestrigen Abend im Kölner Studio 672 muß ein sehr gutes Konzert gewesen sein.
Stimmt, und es fällt mir überhaupt nicht schwer, dieser Schlußfolgerung zu glauben. Big Deal haben mich sehr beeindruckt, und mich ein bisschen sprachlos zurückgelassen. Wie machen die beiden das bloß? Wie zaubern sie mit nur zwei verstärkten Gitarren so schöne, dichte und zugleich locker seichte Melodien? Das war sehr beeindruckend und umwerfend.
Irgendwann während ihres Konzertes wachte ich verträumt auf und merkte: Schlagzeug, Bass, ich vermisse sie gar nicht. Es fehlt nichts im Big Deal Sound. Zwei Stimmen, zwei Gitarren. Das reicht, um mich zu fesseln.
Big Deal sind dabei überall und nirgends. Ich entdecke Mazzy Star, The Jesus and Mary Chain. Noise Pop, im grossen und ganzen. Alice Costelloe (ein toller Name) übernimmt in den Gesangsparts meist die Hauptrolle, aber spätestens ab der Mitte der Songs wirkt KC Underwood als gleichberechtigter Gesangspartner. Synchron singen sie sich durch ihre Songs. An diesem Abend sind es die ihres Debütalbums „Lights out“. Es ist definitiv eines meiner Alben des Jahres, und die Single „Talk“ ist schon jetzt ein TOP 3 Kandidat in meinen Liedercharts.
Mit „Talk“ beenden sie nach guten 40 Minuten ihren Auftritt im Stadtgartenstudio. Zuvor spielten sie ein Cover, das ich aber nicht erkannt habe, und ganz viele weitere tolle Songs. In der Erinnerung sind sie jedoch unscharf. Ich habe den Abend tatsächlich verträumt.
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