“Day & Age”, das letzte Album der aus Las Vegas stammenden Killers, polarisiert wie kein zweites. Genauso wie in unserer kleinen Wohngemeinschaft finden sich auch in der einschlägigen Presse Lob und Verachtung.
Im Musikexpress steht ein vehementer Verriss. “Es klinge wie eine Mix-Compilation aus “Wetten,dass…?!” Acts, Mid-90s-Untaten und den schlimmen schlimmsten 80s-Dorfdisco Hits.”, so in der Rezession.
Ich habe das Album ein, zweimal beim Laufen laufen lassen und kann einiges von dem dort Geschriebenen unterschreiben. Auch ich finde das Album eher Kirmes, und die Killers entwickeln mit ihrer Konzerten (im Sommer auf dem Roncalliplatz sah ich sie) Las Vegas-eske Showdimensionen.
Glitzerschnipsel, Leuchttriaden und Fototapete als Bühnendeko. “Willkommen im Rummel”, sagt die Visions.
Das schlimme an der Sache ist, dass Brandon Flowers das Album genauso geplant haben. Es ist kein Zufall, dass Blümchen-Beats, Steel drums und klebrige Keyboards den Sound dominieren. Mr Discopop Stuart Price hat das Album produziert. Und wer Zoot Woman oder das Madonnas “Confessions on a dancefloor” Album kennt, kennt seine Passion. Den 80er Jahre Pop.
Den hört man auch auf Day & Age, leider nicht in sehr intelligenter Art und Weise. Hits finde ich hier nicht. “Human”, die erste Singleauskopplung, ist unerträglich und einfach nur schlecht.
Lustig und passend: Unter dem Senkel ‘Artverwandtes’ listet der Musikexpress: a-ha hunting high and low (ist um Klassen besser als “Day & Age” und sehr zu empfehlen), Chris de Burgh Into the light (hat das schönere Cover) und Aqua Aquarium (ist dann vielleicht doch schlechter als das Killers Werk).
Und wie schreibt die Visions weiter: “Entweder mag man sowas oder nicht”. Die alte Kulturweisheit. “Genau so verhält es sich hier: Kopfnicken oder Kotzen.” Meine Mitbewohnerin nickt tatsächlich mit ihrem Kopf.
Dabei können die Killers doch anders, tolle Coverversionen machen zum Beispiel. “Romeo and Juliet” von den Dire Straits empfinde ich als durchaus gelungen.
[video]http://www.youtube.com/watch?v=McnTmRqNzBs[/video]
Zusatz:
Um nochmal die Visions zu bemühen: “Auch diese CD wird durchaus Abnehmer finden, nur heißen die jetzt Ausdruckstänzer, Disco-Fox Lehrer, 99-cent Discos. Wer sich freiwillig zur neuen Zielgruppe rechen möchte, willkommen im Abenteuerland.”
Die Show in Düsseldorf am 13.02. ist übrigens ausverkauft. Ich wünsche allen Besuchern, dass Brandon Flowers Stimme diesmal hält.
Danke für den Verriss! Ich fand schon das erste Album von den Killers weitestgehend scheußlich und keine Spur Indie. Das Konzert beim Highfield Festival war genauso gruselig wie die unsäglich kitschige Bühnendeko…