Luscious Jackson – Fever in fever out

Dieses Album sollte jeder kennen. „Fever in fever out“ ist eines der herausragenden Alben der 90er. 1996 erschien es auf Grand Royal, dem Label der Beastie Boys.
Die Girlie Band Luscious Jackson, die ursprüngliche Formation bestand aus Jill Cunniff (Gesang, Bass), Gabrielle Glaser (Gesang, Gitarre), Kate Schellenbach (Schlagzeug) und Vivian Trimble (Keyboards, Gesang) benannte sich nach dem Basketballspieler Lucious Jackson der Philadelphia 76ers. Der Center spielte bei den 76ers von 1964 bis 1972 und war Mitglied der 67er Meistermannschaft. Im Eastern Conference Finale besiegten sie die seinerzeit als beste Mannschaft der Welt geltenden Boston Celtics in fünf Spielen.
Konsequenterweise verbargen Luscious Jackson ihre Basketballkenntnisse, indem sie einfach ein „s“ in den Vornamen einfügten. Oder, um es mit Wikipedia schöner zu formulieren: „they chose their name as inspiration from Lucious Jackson.“
Luscious Jackson waren die erste Band, die auf Grand Royal gesignt wurden. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Kate Schellenbach Anfang der 80er Schlagzeugerin der Beastie Boys war, vielleicht gefiel den drei New Yorkern aber auch der Sound ihres weiblichen Pendants.
Denn obwohl überall von der Alternative Rockband Lucious Jackson geschrieben wird, sind die vier Damen eher eine Crossover Band. Und so passten sie gut zu den Beastie Boys und zu deren Label. Weiße New Yorkerinnen machen Pop, der nach Neneh Cherry klingt. Das gibt’s doch nicht, das passt doch nicht. Herrje, was für Zeiten damals.Doch zurück zu „Fever in fever out“. Der größte Hit des Albums ist „Naked eye“. Damit stiegen Lucious Jackson in die amerikanischen Charts ein und verschafften sich allgemeine Bekanntheit.
Aber was heißt der Hit? Das gesamte Album ist ein Hit. Seichte Tanzbeats machen das Album zu einem einzigen Soundtrack. Die knappen 50 Minuten flutschen in einem durch.
„Fever in fever out“ hat Soul. Eine ganze Menge. Und ein bisschen Funk. Der Hit vorneweg zieht die ganze Konzentration auf die übrigen 11 Stücke. („Parade“ und „Door“ sind reine Überbrückungsschnipsel). Zugegeben, von denen geht keines so direkt ins Ohr wie „Naked Eye“, aber umso schöner und besser ist, dass man nach x-fachem Wiederhören immer wieder kleine Überraschungen entdeckt. „Soothe yourself“ zum Beispiel bietet neben gluckernden 70er Jahre Beats a la Shaft-Theme ein feines, kleines wiederkehrendes Gitarrenriff und einen schönen, einschmeichelnden Hintergrundgesang von Emmylou Harris. Oder „Don’t look back“. Das könnte auch von St Etienne geschrieben worden sein, ein toller Midtempo Song, an dem „Mood swing“ nahtlos ansetzt und durch eben Mood und Swing komplettiert. Nahezu perfekter Easy Listening.
Noch kurz erwähnen möchte ich „Why do I lie?“, die zweite Single des Albums. Ein toller Popsong, der, wie das gesamte Album, fest verankert in den 70ern scheint.
Luscious Jackson waren mit ihren sanften Beats und ruhigem Gesang der Gegenpol zur Riot-Girl Bewegung um Bands wie L7, Hole und später Sleater-Kinney.
Sie waren die Rettung für die, die von dem auslaufenden Grunge die Schnauze voll hatten, dem Britpop nichts abgewinnen konnten und am Crossover der RHCP oder Living Colour gefallen hatten. De la Soul, Neneh Cherry. Das ist der Kontext, in dem sich Luscious Jackson bewegen.
„Fever in fever out“ ist ein weit unterschätztes Album. Per Zufall habe ich es erst kürzlich in einem Second Hand Plattenladen wiederentdeckt und mir endlich auch auf CD gekauft.
Sehr gut angelegte sieben Dollar.
Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Naked Eye
02) Don’t look back
03) Door
04) Mood Swing
05) Under your skin
06) Electric
07) Take a ride
08) Water your garden
09) Soothe yourself
10) Why do I lie?
11) One thing
12) Parade
13) Faith
14) Stardust
Sehtest:


Es gibt soviel Schätze der Vergangenheit zu heben, dass man nicht immer krampfhaft in der Gegenwart nach Perlen tauchen muss. Unter dem Aspekt finde ich deine Empfehlung prima. Kannte Luscious Jackson nicht einmal dem Namen nach, hab mir nun ein paar Hörproben gegönnt. Das klingt geschmeidig, gefällt mir, vielleicht nicht alle Songs, aber tatsächlich einige.
[...] Album, das seinerzeit auf dem Beastie Boys Label erschien, nur auf Kassette. Ich mag es immer noch, steht hier. Was die neuen Sachen angeht, nun, da mag sich jeder selbst ein Bild machen. Über PledgeMusic kann [...]