Im Sommer hörte ich die EP einer französischen Band, die gar nicht französisch klang. The Bewitched Hands nennt sich das Sextett aus Reims, das mir mit Hard to cry den Überhit einer Woche lieferte. (Ich habe oft Überhits, eine Woche „Überhit sein“ ist herausragend.). In diesen 6 Minuten zeigten The Bewitched Hands alles, was in einen tollen Song gehört.
„Hard to cry“ ist auch auf ihrem Debütalbum. In der sogenannten Album Version nicht weniger herausragend als auf der EP. Einzig und allein, man erkennt es gar nicht sofort. Denn um diesen Song herum liegen noch so viele weitere Überhits, dass „Hard to cry“ nicht auffällt. Es ist einfach da und reiht sich ein in die Schlange der großen Songs auf diesem Album. „Sahara Dreams“, „Sea“ oder „Work“, um hinten anzufangen. „Happy with you“ oder „Birds & Drums“ um vorne zu beginnen.
The Bewitched Hands a.k.a. „The Bewitched Hands on the top of our Heads“ liefern auf „Birds & Drums“ 13 wirklich sehr, sehr gute Songs ab.
Songs, die nach Folkpop klingen. Erstmal.
Das Album ist über weite Bereiche eine Reise durch die heutzutage ach so typischen und an jeder Ecke hörbaren Indiefolk Welten. 60s, Alaska und Kanada. Oder in Bandnamen: Beach Boys, Arcade Fire und Portugal.The man.
Aber nicht nur. Hat man die Begeisterung über die ersten beiden Hits ausgelebt, dann fällt einem noch etwas auf. Neben besagtem Indiefolksound gibt es ganz viel Britpoprock Töne. Es fiel mir gestern beim dritten Hördurchgang wie Schuppen von den Augen, der gesamte Mittelteil des Albums mit „Underwear“, „So cold“ und „Cool“ hat Bluetonesgitarren und oder Blur’sche „Parklife“ – Anleihen. Und wenn man sich Livevideos anschaut, entdeckt man noch mehr britische Referenzen. Kula shaker, um noch eine zu nennen.
Ich weiß, es ist bescheuert, neue Alben oder Songs an alten, bekannten Stücken festzumachen und zu mit diesen zu vergleichen. „Klingt wie …“ ist immer auch ein bisschen Plattitüde, eine Bequemlichkeit, Dinge schnell klar zu vermitteln. Andererseits, „Klingt wie Interpol.“, da weiß jeder etwas mit anzufangen. Und es schreibt sich halt leichter als irgendein umschreibender Kram.
Also, ich finde, manchmal muss man die Dinge beim Namen nennen. Und „Birds & Drums“ ist manchmal. Zeitweise klingen The Bewitched Hands halt wie Blur oder die Beach Boys. Punkt. Aus.
Unangefochten bleibt die Tatsache, dass „Birds & Drums“ ein tolles Album ist. Die Arrangements sind vielfältig und überraschend, wie ich es in diesem Jahr bei noch keinem Album gehört habe. Die tollen Momente sind fast unzählbar. „Sahara Dreams“, „Sea“, „Work“ oder „Happy with you“ sind nicht die einzigen Hits.
Für mich eines der Alben des Jahres. Definitiv.
Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
1. Happy with you
2. Birds & Drums
3. Underwear
4. So Cool
5. Cold
6. Work
7. Hard to cry
8. Out of myself
9. Kings Crown
10. 2 4 Get
11. Staying around
12. Sea
13. Sahara Dream
Sehtest: