Her name is Calla

Hallo Sophie,
Hab recht vielen Dank für deine Email. Fast wäre sie dem Spammonster zum Opfer gefallen. Ich konnte sie gerade noch vor dem verschlingen retten. Zu meinem Glück. Deiner netten Anfrage möchte ich gerne nachkommen. Ich bin sehr angetan von eurem musikalischen Schaffen. Euer Video, du hattest in der Mail einen Link hinterlegt, gefällt mir sehr.
Leider hattest du nicht viel mehr über euch geschrieben, über eure Band, eure Musik. Aber das Internet weiß viel und Google liefert Bruchteile dieses Wissens auf Suchanfrage. Entdeckt habe ich dann dies:
Du spielst in einer Band namens „Her name is Calla“. Ein interessanter Name, der natürlich Fragen aufwirft. Da erzähl ich dir bestimmt nichts neues. Ihr macht Post-Rock, aber das wusste ich ja schon.
Neben dir spielen in „Her name is Calla“ noch Thom Corah (Klavier, Trombone), Michael Love (Bass), Tom Morris (Gitarre, Gesang) und Adam Weikert (Schlagzeug und anderes). Du selbst spielst Violine und bist Linkshänderin.
Ihr seid die Stammformation, die gelegentlich um ein Akkordeon / Trompete (gespielt von Sophie Barnes), eine Blockflöte (Ola Szimdt), ein Cello (Dave Dhonau) und Kindergeschrei ergänzt wird.
Irgendwo beschreibt ihr euren Sound als „post-rock, shoegaze and darker than the deepest sea.“ Nach meinem ersten Höreindruck trifft es das sehr gut. Eure Songs, wunderbar traurig und melancholisch klingender Postrock.
Letzte Woche sah ich eine Band, Ikaria. Sie gehen in etwa in eure Richtung. Ich vermutete, dass sie aus England kommen und war sehr überraschend als ich erfuhr, das Berlin ihr Heimatort sei. Das passt natürlich nicht, schwermütige Gitarren und Melancholie können nur von dieser regnerischen Insel stammen. Und vom Land.
Eine hektische Großstadt und ruhige, elegische Songs in Überlänge, wie geht das überein?
Eure Koordinaten sind Leicester, York und Leeds. Sehr vorbildlich.
Genauso vorbildlich ist eure Verkaufsstrategie. In euerm Shop entdeckte ich verschiedene Versionen eures 2008er Album „The heritage“ und der aktuellen Single „Long grass“. Boxsets mit Colored Vinyl, als Triple Gatefold Vinyl, im Holzkasten, als CD Pack mit und ohne Poster. Post-Rocker mögen so was ja. Beide kann man auch kostenlos downloaden, wenn man das denn möchte. Aber ich glaube, kaufen wäre euch angenehmer.
Dies gilt auch für euer neues Album „The quiet lamb“, das im Herbst erscheinen wird. Ich habe es gehört, 12 nie enden wollende Songs. Mit wunderbaren „leise / weniger leise“ Passagen und kargem Gesang. Es klingt nach Mogwai, nach The Twilight Sad, nach Godspeed you! black Emporer und anderen üblichen Verdächtigen. Durch dein Violinenspiel und Tom Corahs Trompete bekommt euer Sound aber eine interessante Note. Teilweise erinnert es mich an die deutsche Band Get well soon. Spontan bin ich fast bereit zu sagen, das ihr auf euren Alben phasenweise klingt wie eine Mischung aus Mogwai und Get well soon.
Am besten gefällt mir das 17 Minuten elegisch dahintreibende und zeternde „Condor and River“. Ein Song, wie man ihn auf solch einem Album erwartet und sehr gerne hört. Gefühlte 12-mal ist das Ende des Songs nah, gefühlte 11-mal werde ich jedoch blank in die Irre geführt.
Na, Post-Rock Tradition halt. Von jungen Menschen für alte Männer.
Also Sophie, vielleicht kommt ihr ja mal auf Tour nach Deutschland. Dann bitte in die Nähe von Köln. Bis dahin höre ich die Songs der vielleicht schwermütigsten Band Großbritanniens.
Ach, und noch eine Frage: „Who is Calla?“
Viele Grüße
Sehtest:
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