Jetzt mal kurz die neuen Alben von Arcade Fire und Interpol aus der Hand legen. Ja, ich weiß, das fällt schwer, denn gerade Interpol haben ein tolles Album gemacht. Vielleicht ihr bestes, vielleicht ihr letztes. Ein Album ohne Hits und in der Zeit von 2002 eingefroren. Ich werde es diesen Herbst noch sehr oft hören, beim Autofahren, beim laufen. Öfter zumindest als „Suburbs“, das spüre ich.
Im Moment aber höre ich viel lieber das Debütalbum einer Hamburger Band. Es ist schon einige Tage käuflich erhältlich, aber ich hatte erst jetzt Muße und Tatendrang, es mir anzuhören. „Hundreds“ heißt das Album, genau wie die Band.
Oder sollte ich statt Band lieber Duo sagen?
Hundreds sind das Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner. Philipp Milner, der unter anderem bei Clueso die Keyboards spielt, zeigt auch bei Hundreds für die Tasteninstrumente verantwortlich. Seine Schwester kümmert sich um das Gesangliche und die „Kleininstrumente“.
Keine Gitarre, kein Bass, kein Schlagzeug. Hundreds machen Elektro-Pop. Unaufdringlich und feingliedrig.
„Solace“ heißt das erste Stück des Albums, und sobald nach wenigen Sekunden die Klaviertasten angeschlagen werden und den Rhythmus vorgeben und Augenblicke später Eva Milner mit ihrer Stimme ertönt, hat das Album gewonnen. Samtweich sind diese ersten Minuten. „Solace“ ist ein tolles Stück Musik. Beruhigendes Klavier, leichtes Keyboard und Eva Milners ausgeglichene Stimme. Ein perfektes Arrangement.
Ich zitiere:
Aber überdies war die knappe halbe Stunde Hundreds zauberhaft. Sie hielt all das, was ich mir von ihr versprach: Sanfte, flockige Beats, die tolle Stimme von Eva Milner und das immer mal wieder aufsprudelnde Abdriften in seichte Technosequenzen ließen die Zeit verfliegen.
Live ist die Rollenverteilung bei den beiden ist klar definiert: Philip Milner ist der Taktgeber und zuständig für die drei K’s Klavier, Keyboard, Komputer. Seine Schwester Eva begleitet den ganzen Beat mit ihrer unaufgeregten Stimme. Und sie tanzt, und sie lächelt und sie schwingt mit den Armen. Wie eine Elfe, eine Elektro-Elfe.
Und genau so ist das Album. Es gibt viele „Solace“ auf dem Album. Die heißen dann „I love my harbour“ oder “Machine”. Mit dem ein oder anderen knistern mehr, das sehr entfernt an Console oder Lali Puna erinnert, zaubern sie eine ruhige, dunkle Atmosphäre. Hundreds können aber auch schneller: „Grab the sun“ mit diesem dumpfen, tanzbaren Beat oder das euphorische „Song for a sailor“.
Und wer beide Strömungen in einem Song hören möchte: „Let’s write the streets“. Und alles ist gesagt. Es ist der beste Song des Albums.
Für ein Debütalbum ist „Hundreds“ überraschend dicht und stimmig. Ich bilde mir ein, einen roten Faden zu erhören. Und ich muss sehr oft an tropfende Wasserhähne denken …
Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Solace
02) Grab the sunset
03) Happy virus
04) Fighter
05) I love my harbour
06) Blank
07) Machine
08) Song for a sailor
09) Walking on rails
10) Wait for my raccoon
11) Let’s write the streets
12) Little heart
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