Alin Coen Band – Wer bist du?

Alin Coen Band - Wer bist du?Bin ich schon reif für Jazz? Eine Grundsatzfrage, die mich seit vielen Jahren begleitet. „Für Jazz fühle ich mich noch nicht alt genug.“ Dieses Zitat, ich weiß nicht mehr von wem, hängt über mir und krabbelt ab und an hervor. Jazz, dieses wuchtige Ding mit all seinen Verzweigungen und Unterarten, das ist zu viel für mich. Das verstehe ich nicht.
Nichtsdestotrotz habe ich – bewusst oder nicht – schon Jazzerfahrungen. Vor zwei Jahren zum Beispiel, in einem renommierten Jazzklub (mein Arbeitskollege sagt: der Club schlechthin) bei leckerer Suppe und Budweiser Bier. Die Künstler sagten mir nichts, mein Arbeitskollege sprach nachher von Virtuosität, hoher Spielkunst und punktgenauen Einsätzen. Alles Dinge, die mir bei einem Konzert nicht sonderlich wichtig sind, auf die ich nicht achte. Aber, die Abende waren toll, unterhaltsam und spannend. Ich habe viel neues gelernt und hatte meine ersten Jazzberührungspunkte.
Dann kam Sophie Hunger. Ich mag ihre Musik sehr, ihre Songs sind gefühlsstark, ihre Konzerte mit das beste, was man an Livemusik bekommen kann. Sophie Hunger macht auch Jazz. Zumindest vertreibt Universal ihre Alben über die Jazz Sparte. Gut, die Schweizerin ist eine andere Gruppe von Jazz als Billy Cobham und Kollegen. Jazz-Pop, die nicht ganz so schwierige Variante.
Ich spüre, dass mich diese Musik mehr und mehr interessiert. Für Jazz fühle ich mich ganz langsam alt genug.
Dies zur Erklärung meiner Situation.
Auch Alin Coen, die Band, die Musikerin, um deren Album es hier gehen soll, sind Jazz. Jazz im Stile von Sophie Hunger. „Wer bist du?“ heißt ihr Debütalbum, dass bald veröffentlicht wird. Nun, wer bist du eigentlich, Alin Coen Band? Bisher kenne ich dich nicht, und nach den Links zu deiner mySpace Seite und zu deiner Homepage steht unter Google dieses:
Alin Coen singt über Hoffen und Scheitern, Liebe, Trennung und das Zurückbleiben. Ihre Musik entspringt dem Folk, streift sanft den Jazz, durch-wandert den …
Der Links zeigt auf die 3sat Kulturzeit.
„Na passt ja irgendwie“, denke ich, als ich die ersten Töne von „Wolken“ höre. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Ruhiger, Sessellounge-Pop. Alin Coen singt teils in deutsch, teils mit englischen Texten. Die oben erwähnte Nennung von Sophie Hunger passt, vieles erinnert mich im ersten Hören an das Songwriting der Schweizerin. Beim zweiten Hören denke ich differenzierter. Alin Coen singt nach außen weniger emotional, die Melodien und Texte treiben mehr, als dass sie aufreiben. Die Songs klingen lässiger, cooler. So ergeht es mir zumindest.
Und die englischen Songs gefallen mir spontan besser. Sie haben mehr drive, sind nicht so schwerfällig. Oder ernst? Möglicherweise ist es auch einfacher, tiefere Emotionen in Worte ihrer Muttersprache zu fassen.
Aber was heißt schon Muttersprache. Alin Coen ist eine Kosmopolitin. Aufgewachsen in Hamburg, aber mit Lebensstationen in Indien, Kanada, Australien und Osttimor. 2007 gründete sie in Weimar zusammen mit Jan Fritsch und den Jazzstudenten Philipp Martin und Fabian Stevens die Alin Coen Band. Und jetzt das Debütalbum.
Das schöne an diesen ruhigen Jazz-Pop Alben – und „Wer bist du?“ zähle ich dazu – ist, dass man alle Instrumentengeräusche hört. Auch die abseits der eigentlichen Töne. Hier ein Knarzen der Pedale, dort ein Quietschen. Man spürt förmlich, wie die Finger über die Saiten streichen. Kleine Hits entdecke ich auch: „Darts“ oder das finale „Schwan“. Dieser Instrumentale Song bringt das Album auf den Punkt. Wer wissen möchte, wie die Alin Coen Band klingt, dieser Song bringt es.
„Wer bist du?“ ist ein schönes, ruhiges Freitagnachmittagsalbum.
Es könnte durchaus sein, dass ich vorbei schaue. Diese Terminorte ist ja nicht so weit entfernt von hier:
16.09.10 Bonn Klangstation
17.09.10 Aachen Raststätte
29.09.10 Köln Blue Shell

Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Wolken
02) Darts
03) Same boat
04) Die Nähe
05) Ich war hier
06) Festhalten
07) Halo
08) Stream
09) Rejected
10) Hold
11) Wer bist du?
12) Left behind
13) Das letzte Lied
14) Schwan

Links:
Homepage
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Sehtest:

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Schäferstündchen mit dem weiblichen Seelenleben - Alin Coen Band | Lie In The Sound

  2. Hans Unstern, Testsieger und Alin Coen spielen live beim diesjährigen PROSANOVA Festival (26. – 29. Mai 2011)! Freikarten für Festival und Konzert und weitere schöne Dankeschön-Pakete gibt es für Supporter der interaktiven Rauminstallation “nichts bleibt, baby” bei http://www.startnext.de/baby

    Wir freuen uns auf euch!

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