
Definition:
Eine Kompilation ist in der Musikindustrie eine Zusammenstellung von Musiktiteln zu einem bestimmten Thema. Das Wort stammt aus Lateinisch compilatio (Plünderung). Eine andere Bezeichnung ist Sampler oder auch Hitkopplung.
Beispiele für Kompilationen sind etwa regelmäßige Auskoppelungen aktueller Hitparaden-Titel, das Zusammenstellen von Titeln eines Musikgenres, eines Interpreten (zum Beispiel Best of oder Greatest Hits), einer Musikepoche oder eines Plattenlabels bzw. einer Musikzeitschrift. (Wikipedia)
Frankie goes to Hollywood – „Frankie say greatest“
Spandau Ballett – „Once more“
Diese Geschichte geht weit zurück. Bis in die Mitte der 80er des letzten Jahrtausends. Es ist die Tanzschulenzeit. Der schulklassendynamische Gruppenzwang saugt mich mit. Tanzkurs Teil 1 und 2 bringe ich hinter mich. Mehr oder weniger enthusiastisch. Blumen für die Tanzpartnerin, dessen Namen ich vergessen habe, zum Abschlussball. Ein letzter Rumba. Vor dem Bronzekurs steige ich aus. Die Grundschritte reichen, „Warriors of the Wasteland“, Papa don’t preach“, „A question of time“ oder „Venus“ gehen auch ohne erweiterte Drehungen und Foxtrott.
Was hat das mit 2009 und zwei Best-of Kompilationen zu tun? Nun, die Enddreißiger von heute war en mittendrin, als Frankie goes to Hollywood und Spandau Ballett ihre Hochphase hatten. „Rage Hard“ belegte im Sept. 86 Platz 2 der Single Charts, „Through the barricades“ Platz 14 der Media Control Charts.
1986, auch das Jahr, in dem ich merkte, wie toll Maxi Singles sein können. Erwähntes „Rage Hard“ in der extended Version, ein Hörgenuss, den ich auf Kassette immer bei mir trug. Der Soundtrack für den Weg vom Busbahnhof zur Tanzschule. Hier schließt sich der Kreis.
Gerade FgtH waren Meister der Maxisingle. Egal ob „Power of love“, „Welcome to the pleasuredome“ oder „Relax“, die aufgeblähten und interessant gestalteten Maxis waren meine Lieblinge. Über sie lernte ich die Band um Holly Johnson und Paul Rutherford kennen und schätzen. Ihre Geschichte im Kurzskript:
Im Oktober 1983 erschienen die erste Single „Relax“, sie wurde von der BBC aufgrund des anzüglichen Covers und des homoerotischen Textes in Radio- und Fernsehsendungen zensiert, errang trotzdem Platz 1 der Charts UK. Erst ihre vierte Singleauskopplung „Welcome to the pleasuredome“ („The power of love“, „Two tribes“ lagen dazwischen) erreichte nicht die Spitze, sondern lediglich Platz 2. Somit war das 1984er Debütalbum „Welcome to pleasuredome“ eines der erfolgreichsten Alben der 80er. Mit Liverpool erschien 1986 das zweite und letzte Album von Frankie goes to Hollywood. Nach einem Krach zwischen Holly Johnson und dem Bassisten Mark O’Toole löste sich die Band auf.
Und jetzt erscheint ein Best-of Album. Mit „Warum?“, könnte eine sehr gute Frage hierzu eingeleitet werden. Es gibt keine Reunion, keine Tour, kein neues oder neues altes Material. Scheucht das derzeitig grassierende 80er Revival die Plattenfirma an, diese sehr wichtige Band ins Bewusstsein zurückzuholen? Scheinbar, die letzte Best-of liegt schließlich schon Jahrzehnte zurück, und schallt nicht jedes Jahr zur Weihnachtszeit die Killerballade „Power of Love“ aus jedem Radiolautsprecher dieses Landes? Neben sämtlichen Singleauskopplungen sind die B-Seiten Songs „Happy Hi“, „Ferry cross the mercy“ und „The waves“ sowie zwei weitere Relax Remixe und ein „Two tribes“ Remix auf dem Album vertreten. Mit „Frankie say greatest“ hat man alle wichtigen FgtH Songs in der Hand. Für diejenigen unter uns, die die beiden Alben im Schrank stehen haben, lohnt der Kauf dieser Best-of definitiv nicht.
Bei Spandau Balletts Kompilation „Once more“ liegt die Sache etwas anders. Es gibt mit dem Opener „Once more“, der aktuellen Single, und dem abschließenden „Love is all“ neues Material (bekannt aus Wetten, dass…?!, wie der Sticker auf der Hülle reklamiert) und eine Tour startete dieser Tage in London und führt die Band im nächsten Jahr auch nach Deutschland (05.03.2010 Zenith – München, 06.03.2010 Columbiahalle – Berlin, 07.03.2010 Phillipshalle – Düsseldorf) .
Tony Hadley (Gesang), Gary Kemp (Gitarre, Gesang), Steve Norman (Percussion, Saxophon), John Keeble (Schlagzeug) und Martin Kemp (Bass) gründeten gegen Ende der 70er Jahre Spandau Ballett. Sie waren eine der ersten Bands der sogenannten New-Romantic-Bewegung. Die New-Romatics verstanden sich als Gegenbewegung zum Punk, und waren eher ein modisches als musikalisches Kulturding. Zwischen 1980 und 1982 bildeten sie quasi den Brückenschlag zwischen der auslaufenden Punkbewegung und der aufkommenden New Wave Szene.
Duran Duran, die zweite große New-Romantic Band, und Spandau Ballett lösten sich in den Jahren von den New-Romantics und kleideten sich In edlen Anzügen und mit der typischen, überdimensionalen Haartolle, die vom Seitenscheitel ausgehend ins Gesicht fiel, wurden Spandau Ballett zu dem, was man in Deutschland als Popper bezeichnete.
Allein in Großbritannien konnten sie 10 Singles in die Top-Ten der Charts bringen, u. a. „Musclebound/Glow“, „Chant No. 1 (Don’t Need This Pressure On)“, „Instinction“, „Lifeline“, „Gold“, „Only When You Leave“, „I’ll Fly For You“ und „Through The Barricades“.
Alle zehn sind natürlich auf dieser Kompilation vertreten.
Und was freute ich mich, all diese wunderbaren Songs „unter einem Dach“ zu haben. Klassische 80er Arrangements, Tony Hadley’s schmerzlosen Gesang, das ganz große Gefühlskino und so.
Aber, oh Gott, die Keyboards fehlen! „Neu produzierte Versionen“ steht auf dem Sticker der CD Hülle. Und neu produziert meint hier: Orgel und Piano statt Keyboard und Synthie. Das irritiert auf den ersten Hördurchgang, die Wohlvertrautheit ist gestört. Zusätzlich haben Spandau Ballett gesangliche Variationen eingebaut, die die Songs noch weiter vom Original entfernen. Die Neuinterpretation wurde also konsequent durchgezogen. Das ist mutig und findet garantiert Freunde. Aber für mich klingt das alles zu harmonisch nach Tanzcafé, Pizzaessen beim Standarditaliener um die Ecke und, ja, nach „Wetten, dass…“. Mit anderen Worten, die Originale gefallen mir besser. Ich bleibe bei „Gold“, der 2000er Best-of.
Zwei Kompilationen zweier 80er Helden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kaufanreize bieten sich hier und dort. Wer zugreifen mag, bitte sehr!
Viel Spaß beim hören!