Alice in Chains – Black gives way to Blue
Ein Klub in Seattle. Verkehrsplaner Steve Dunne sucht Ablenkung bei einem Konzert. Tagsüber plant den Superzug, seiner Meinung nach Seattles ultimative Lösung gegen den drohenden Verkehrskollaps. Das Projekt verschlingt seine Energien, für sein Hobby Musik bleibt nicht viel Zeit. Aber Konzertbesuche gehen immer. Also auf, raus aus dem Appartement und rein in die Stadt. Als er zusammen mit einem Freund den Klub betritt, spielt die Band bereits. Laut und heftig. Es scheint eine Rock- Metalband zu sein.
Steve Dunn steht im Publikum, sein Blick schweift in die Runde. Da entdeckt er dieses Mädchen. Liebe auf den ersten Blick? Das Konzert verkommt zum Soundtrack. Steve spricht sie an. Ein scheinbar lustiger Anmachspruch gerät zum Fiasko, der seine Wirkung scheinbar verfehlt. Sie lässt ihn abblitzen. Umweltaktivistin Linda Powell hat gerade eine verkorkste Liebesbeziehung hinter sich und bereitet sich auf einen längeren Alaskaaufenthalt vor. Luftveränderung zur Selbstfindung. Eine neue Beziehung ist da nicht vorgesehen.
Doch in dem Augenblick, in dem Alice in Chains „Would“ spielen, und sich beide beim Verlassen des Klubs nochmals über den Weg laufen, ist es der Beginn einer vertrackten Liebesgeschichte.
Singles – gemeinsam einsam, ist der Film der Generation X. Er erzählt, neben vielen anderen Geschichten, die Ereignisse um Steve Dunn und Linda Powell. Nebenbei ist er eine Hommage an die In-Stadt Seattle und an die Musik der beginnenden Neunziger, den Grunge.
Es ist das Jahr 1992. MTV hat erfolgreich die Musikszene einer Stadt adoptiert und transportiert sie in die ganze Welt. Nirvana und Pearl Jam sind die Stars, Mudhoney und die Screaming Trees die wahren Helden.
Alice in Chains liegen irgendwo dazwischen. Die Band ist zwar in Seattle beheimatet, kommt aber eher aus der Heavy Metal Ecke. Das unterscheidet sie von den anderen Seattlebands. Erst durch Singles, und dem zum Film gehörenden Soundtrack, auf dem sie mit 2 Stücken vertreten sind, werden sie in die Grungeszene geschleust. Das hat entsprechende Auswirkungen. Mit ihrem zweites Album „Dirt“ werden Alice in Chains in den USA und Europa groß. Sie gehören nun dazu, zum heißen Seattle Sound.
Mit der 1994er EP „Jar of Flies“ erreicht die Band erstmals Chartposition eins. Es ist das erste mal, dass eine EP die Albumverkaufstabelle in den USA anführt. Alice in Chains sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Das Nachfolgealbum steht der EP in nichts nach, Platz 1 1995.
Dann wird es still. Erste Gerüchte über stärkere Drogenprobleme des Sängers Layne Staley machen die Runde. Alice in Chains spielen noch eine MTV Unplugged Session, dann verschwinden sie 1996 von der Bildfläche. Keine Tour, kein neues Songmaterial.
Das nächste was man hört, ist dies: Layne Staley wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Überdosis. Es ist 2002 und auf den Monat genau acht Jahre nach dem Tod Kurt Cobains.
Der nächste Drogentote des Rock bedeutet gleichzeitig das – wie wir jetzt wissen befristete – Ende von Alice in Chains.
2005 reformieren sich die ehemaligen Bandmitglieder Jerry Cantrell, Mike Inez und Sean Kinney für ein Benefizkonzert in Seattle. Es ist so etwas wie ein Neubeginn. Mit unterschiedlichsten Gastsängern (Wes Scantlin von Puddle of Mudd, Tool- Sänger Maynard James Keenan, Aaron Lewis (Staind) und Pantera- Sänger Phil Anselmo) treten sie in den nächsten Jahren bei verschiedenen Festivals auf. 2008 beginnt die Band mit Aufnahmen zu einem neuen Album. William DuVall, der in den Jahren zuvor bereits ab und an Gesangsparts übernahm, ist nun offiziell der neue Alice in Chains Sänger.
“A new beginning / Time to start living”, heißt es trefflich im Opener „All secrets known“. Es ist ein Neubeginn im alten Alice in Chains Gewand. Die Zutaten haben sie nicht geändert, das Rezept wurde nicht modernisiert.
Es bleibt der zweistimmige Gesang von Jerry Cantrell und nun William DuVall. Es bleiben die düsteren und schweren Metal- Riffs. Will sagen: Alles klingt nach Alice in Chains.
Hervorheben könnte man „Acid Bubble“, in dem Alice in Chains beweisen, dass sie die tough-eren Metallica sind, oder das vorab veröffentlichte „A Looking In View“. Muss man aber nicht. Wozu einzelne Songs besonders kennzeichnen, wenn das Album durchgängig hochklassig ist. Es gilt, als Album als Ganzes zu loben, sehr sogar.
Wer wissen möchte, wie “Black Gives Way To Blue” klingt, wie Alice in Chains sich 2009 anfühlen, hat nach diesen 14 Minuten eine gute Ahnung.
Zum Abschluss und nach vielen Minuten betonschwerem und knochentrockenem Rock noch ein kleines Aufhorchen: Sir Elton John und sein Klavier geben ein kurzes Gastspiel. Wenn man es nicht lesen würde, würde es nicht weiter auffallen. Eine Randnotiz, die nicht entscheidend ist aber der Chronistenpflicht halber erwähnt werden soll.
Es ist, als wären Alice in Chains einfach 12 Jahre zurückgereist um einfach ein weiteres Album zu produzieren. “Black Gives Way To Blue” beinhaltet zwar kein neues “Would”, dafür aber 12 Songs lang wahrhafte Alice in Chains. Ein Comeback, das vollauf gelungen ist.
Viel Spaß beim Hören!
Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) All Secrets Known
02) Check My Brain
03) Last Of My Kind
04) Your Decision
05) A Looking In View
06) When The Sun Rose Again
07) Acid Bubble
08) Lessons Learned
09) Take Her Out
10) Private Hell
11) Black Gives Way To Blue

