Moby – Wait for me

Moby - Wait for meLounge Classics Volume 32? Habe ich mich bei der Playlist Auswahl verdrückt? Ich wollte doch das neue Moby Album „Wait for me“ hören. Ein kurzer Blick auf das Display stellt klar: Ach, es ist Moby.
Hiermit ist alles gesagt. Ich kann die Rezession über „Wait for me“ beenden, bevor sie so richtig beginnt.
Moby, mit bürgerlichem Namen Richard Melville Hall, hat ein neues Album produziert. Sein neuntes. Es ist sein bisher minimalistischstes. „Es ist irgendwie total entspannend, alles in Eigenregie zu machen, ganz ohne Hintergedanken an den Musikmarkt. Keine Ahnung, ob sich irgendjemand dafür interessieren wird oder ob sich das Album verkauft, aber es ist ein gutes Gefühl, etwas aus richtigen Gründen zu tun, keine Gedanken an Radioplaylisten oder Verkaufszahlen zu verschwenden und einfach nur ein Album zu machen, weil man Lust dazu hat.“ So Moby in einem Interview.
Klingt ein bisschen so, als ob man sich eine zu erwartende Enttäuschung im Vorhinein schönredet, um dann nicht zu sehr enttäuscht zu sein.
Tatsächlich ist das Album nicht die Neuerfindung des Rades oder gar zwanghaft radiokompatibel. Beim ersten Hören entdeckt man keinen Song mit klassischem Singleanspruch. Jeder Track ist nett, eingängig, aber einen Radiosong, nein, den entdecke ich nicht. Und auch ein aha Erlebnis bleibt leider aus.
Gäbe es nicht „Mistake“, die Musik würde nicht weiter auffallen. So unscheinbar klingt „Wait for me“. Lounge Musik. Tracks, die perfekt in die Kaffeebar passen (entschuldige Moby, ich mag lieber Kaffee als Tee), die nicht unbedingt Starbucks heißen muss. Oder in eine Cocktailbar zum Afterwork Drink. Das Album präsentiert sich wie aus einem Guss. Das ist harmonisch, hat stylischen Anspruch, wirkt aber austauschbar und gefühllos. Wo Sophie Hunger einem die Tränen in die Augen treibt oder Friendly Fires die Beine zum zucken bringen, säuselt „Wait for me“ unaufdringlich im Hintergrund wie die Waschmaschine. Mal mit Gesang, mal instrumental.
Sechs Gastmusiker, teilweise ohne Google Identität, liehen „Wait for me“ ihre Stimmen: Amelia Zirin Brown , a dynamic singer, emcee, comedienne, actress, and bon vivant (sagt yo-yoma.com), auf „Pale Horses“, Starr Blackshere („Study War“), Leela James, eine Soul und Jazz Sängerin mit bereits 2 veröffentlichten Alben, auf „Walk with me“, Melody Zimmer („jltf“), sowie der Jazzsängerin Hilary Gardner auf „Hope is gone“ und Kelli Scarr, deren Debütalbum er derzeit produziert, auf „Wait for me“. Allesamt Freunde von Moby.
Was auffällt: Einige der Gesangsongs sind mit einem leichten, altmodisch klingenden Schallplattenknarren unterlegt. Sie wirken so analoger, wärmer und näher, nicht so perfekt technisch und kühl wie die restlichen neun Instrumentaltracks. Die Stimmen sind mal nur schnödes Beiwerk, mal weiteres Instrument („Walk with me“).
Die Instrumentaltracks klingen nach Unterwasserfahrten, Couch und Entspannen. „Pale horses“ ist ein Paradebeispiel für diese Art Song, „Ghost return“ ein anderes. Auf „Scream pilots“ höre ich die typischen Moby Streicherteppiche, hier kombiniert mit kleinen Gospel-Samplings“.
Das liest sich nicht nur zeitlos, das hört sich auch so an. Musik zum in die Landschaft gucken oder nachdenken.
Das modernste Stück auf „Wait for me“ ist „Mistake“. Hier gibt Moby seine Interpretation des derzeitigen 80er Jahre Retrohypes. Wo Ladyhawke oder Client die Synthiesounds auspacken, kramt der 43-jährige die Cure Gitarren aus. Diese und ein Wave-hafter Gesangsstil von Moby höchstpersönlich, übrigens das einzige Mal auf dem Album, das seine Stimme zu hören ist, bestimmen den Song. Es bleibt der einzige musikalische Ausreißer.
Das Album endet mit dem schönen Schlummersong „Isolate“. Danach möchte man gar nicht mehr von der Couch aufstehen. Totale Tiefenentspannung. Hoffentlich hat die Stereoanlage eine Fernbedienung.
„Wait for me“ ist definitiv keine Tanzplatte, aber es es ist ein typisches Moby Album. Ein Album, das man so erwarten konnte. Solide und nett. Zu Jubelstürmen hat es mich nicht hingerissen. Aber ich werde es des Öfteren auflegen, als Soundtrack zum Wohnen.
Ein lustiges Erlebnis beim ersten Hördurchgang gab es dann doch: Der vermeintlich beste Moby Song entpuppte sich als Phoenix „Love like a Sunset Part 1“. Es muss versehentlich in die Playlist gerutscht sein.
Viel Spaß beim Hören!

Die Tracklist des Albums liest sich wie folgt:
01) Division
02) Pale horses
03) Shot in the back of the head
04) Study war
05) Walk with me
06) Stock radio
07) Mistake
08) Scream pilots
09) jltf-1
10) jltf
11) A seated night
12) Wait for me
13) Hope is gone
14) Ghost return
15) Slow light
16) Isolate

Links:
Moby Homepage
Moby MySpace
Label Ministry of Sound

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Keine Ahnung, wer Frank ist, der die o.g. Moby-Kritik geschrieben hat. Aber eines weiß ich genau, Ahnung von Musik hat er ganz ganz sicher nicht.

    Lieber Frank, setz Dir mal ein paar richtig gute Kopfhörer auf, schließ die Augen und höre nochmal genau hin. Vielleicht, wenn Gott Dir Gefühl und Sinn für gewisse Art von Sinnlichkeit gegeben hat, hörst Du das, was ich höre… zu wünschen ist es Dir auf jeden Fall.

    LG
    Alexa

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