10 Mother Love Bone

Mother Love Bone

Die erste Alternative Rock Band der Welt. Behaupte ich mal. Die Band, die den Grunge und das ganze Seattle Ding wahrscheinlich erst möglich gemacht hat.
Beziehungsweise deren Bandauflösung beziehungsweise der viel zu frühe Tod von Sänger Andrew Wood.
Ohne Mother Love Bone kein Pearl Jam und kein MTV- Alternative Rock. Ebneten Green River den Weg, so haben Mother Love Bone daraus eine befestigte Fahrbahn gemacht, die Pearl Jam anschließend zur sechsspurigen Autobahn ausbauten. All das zwischen den Jahren 1985 („Come on down“ EP) und 1991 („Ten“). Fünf, sechs Jahre, die alles Zukünftige so nachhaltig prägten und veränderten.
Aber der Reihe nach.
Nachdem sich Green River 1987 auflösten, suchten Stone Gossard, Jeff Ament und Bruce Fairweather einen neuen Sänger für ihre neue Band. Sie fanden ihn in Andrew Wood, der kurz zuvor die Band Malfunkshun verlassen hatte.
Mark Arm und Steve Turner, die anderen beiden Green River’er, gründeten zusammen mit Matt Lukin und Dan Peters eine Band namens Mudhoney.
Angeblich führen musikalische Differenzen zum Split von Green River. Einfach gesagt: Mark Arm wollte mehr Punk, Stone Gossard und Jeff Ament wollten rocklastigere Songs schreiben. Wer Mudhoney und Mother Love Bone vergleicht, hört, was ich sagen möchte. Genau wie später bei Nirvana und Pearl Jam. Auch zwischen diesen beiden Viechern erhört man die unterschiedlichen Ansätze und Motivationen.
Aber zurück ins Jahr 1989.
Mother Love Bone nehmen ein paar Songs auf, veröffentlichen eine EP („Shine“) und ein Album. „Apple“, so der Titel, erscheint im Sommer 1990, zu einem Zeitpunkt, als Andrew Wood bereits an einer Dosis Heroin verstorben war. Sein Tod bedeutet gleichzeitig das Ende der Band. „Apple“ blieb folgerichtig das einzige Album der Band.
Nachdem Stone Gossard und Jeff Ament mit Eddie Vedder einen neuen Sänger fanden, gründeten sie zusammen mit Mike McCready Pearl Jam.

Mother Love Bone // kurze Kurzbio
– Stil: Rock
– gegründet 1987
– Auflösung 1990

Mother Love Bone // wichtige Mitglieder
Andy Wood (Gesang, Klavier)
Jeff Ament (Bass)
Stone Gossard (Gitarre)
Bruce Fairweather (Gitarre)
Greg Gilmore (Schlagzeug)

Mother Love Bone // Alben
1989 Shine (EP)
1990 Apple

Mother Love Bone // unser Kennenlernen
Singles. Der Film, nicht der Lebenszustand. Ich war sehr beeindruckt von Bridget Fonda, Kyra Sedgwick, dem „Superzug“ und den anderen Geschichten rund um die Singlewohnanlage in Seattle. Also doch ein bisschen Lebenszustandsbeschreibung. Und war Matt Dillon als Citizen Dick Frontmann nicht überragend? („I don’t wanna hear anything negative.“)
Der lokale Soundtrack machte Singles zu einem Generationenfilm, der Kauf der Filmmusik-CD war also Pflicht. Neben bekannten Bands wie Alice in Chains, Pearl Jam, Nirvana und anderen waren auch Mother Love Bone vertreten. “Chloe Dancer/Crown of Thorns” war bzw. ist ein 8-Minuten-Kracher, der sehr nach Pearl Jam klang und mein Interesse weckte.
Auf einer der nächsten Lüner Plattenbörsen entdeckte ich “Pearl Jam & Andrew Wood – Demos“ ein wenig später die 1992er Zusammenstellung “Mother Love Bone“, übrigens sehr empfehlenswert. Das war’s. Gut so.

Mother Love Bone // Lieblingssong
Chloe Dancer /Crown of Thorns, einer der besten Songs über sieben Minuten ever!

Mother Love Bone // Noch was?!
Nach dem Tod seines Freundes Andy Wood schrieb Chris Cornell zwei Songs (“Say Hello 2 Heaven” und “Reach down”).
Zusammen mit dem Soundgarden-Schlagzeuger Matt Cameron, Jeff Ament und Stone Gossard ging er ins Studio, um die beiden Songs als Single aufzunehmen. Hierbei entstanden eine Reihe neuer Songs, so dass man sich letztendlich entschloss, ein komplettes Album unter dem Namen Temple of the dog zu veröffentlichen. Der leitet sich aus einer Textpassage von Andy Wood ab (“Man of golden words”). Da sich die Aufnahmen mit denen von Pearl Jams Ten überschnitten, wurde Eddie Vedder bei dem Song “Hunger Strike“ einfach mit eingebunden.

Mother Love Bone // Links
@ youtube (ganz viel gutes schlechtes Filmmaterial aus dem Jahr 1989)
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09 Kitchens of distinction

Kitchens of distinction

Melancholie. Sehnsucht. Liebe. Noise. Kitchens of distinction beinhalteten all dies. Als die Indiemusik erfunden wurde, gründeten Patrick Fitzgerald, Julian Swales und Dan Goodman in Tooting, London die Kitchens of distinction. In der Mitte der 80er, aus dem Dunstkreis der C86 Bands (auf dem NME-Sampler waren sie aber nicht vertreten). Ihre Debütsingle “The last gasp death shuffle” erschien 1987, das Debütalbum zwei Jahre später. Der NME liebte sie, natürlich, und bezeichnete ihren melodischen Sound und Julian Swales Gitarrenspiel als Vorboten der Shoegaze Bewegung Anfang der 90er.
Beachtung (na ja) erlangten KOD mit ihrer 1991 erschienen „Drive that fast“ EP. Die Single „Drive that fast“ erreichte die TOP 100 der UK-Single Charts. Es blieb der einzige kommerzielle Lichtblick. Aber KOD waren ja Indie und so waren die Chartpositionen für die Band eher nebensächlich. Den Fans war dies ebenso egal, behaupte ich jetzt einfach mal.
Nicht aber der Plattenfirma. Als 1994 /1995 das vierte Album „Cowboys and Aliens“ zur Veröffentlichung anstand, wurde zweimal nachgebessert. One little Indian, auf dem Kitchens of distinction seinerzeit veröffentlichten, fehlte in der Erstfassung das nötige Hitpotenzial. Ein Zusatzsong musste her: “Come on now”. Doch auch dieser half wenig, „Cowboys and Aliens“ blieb die erhofften Verkaufszahlen schuldig. Konsequenterweise lösten daraufhin A&M Records and One little Indian ihre Verpflichtungen und ließen die Band fallen. Kitchens of distinction rafften sich noch einmal kurz auf, fanden ein neues Label, veröffentlichten mit “Feel my genie” eine weitere Single (1996), um sich dann endgültig aufzulösen.
Eins kann ich sehr zu Recht behauptet werden: Kitchens of distinction was a seminal nineties indie band, variously described as ‘criminally underrated’. (Q Magazine).

Kitchens of distinction // kurze Kurzbio
– Stil: Shoegaze, Dreampop
– gegründet 1986
– Auflösung 1996

Kitchens of distinction // wichtige Mitglieder
Patrick Fitzgerald (Bass, Gesang)
Julian Swales (Gitarre)
Dan Goodwin (Schlagzeug)

Kitchens of distinction // Alben
1989 Love is hell
1991 Strange free world
1992 The death of cool
1994 Cowboys and Aliens

Kitchens of distinction // unser Kennenlernen
Nun, so richtig gut kennen wir uns eigentlich nicht. Ein Album besitze ich von euch. Es ist euer vermeintlich bestes, weil erfolgreichstes. Aber ist es auch euer typischstes? Ich weiß es nicht, denn ich kaufte „Strange free world“ kurz bevor ich dem Grunge und dem College Rock vollends verfallen bin. Ein halbes Jahr später ward ihr so gut wie aus meinem musikalischen Blickfeld verschwunden. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, euch näher kennenlernen zu müssen. So ließ ich eure anderen Alben links liegen und kaufte lieber alles von Mudhoney und Soul Asylum.
Erst Monate später, mit Suede, Teenage Fanclub und so, kam mir „Strange free world“ wieder bewusster in die Hände. Ich hörte das Album sehr oft, überspielte es fürs Auto sogar auf Kassette. Ein für mich bedeutendes Qualitätsmerkmal für ein Album. Doch da waren die Kitchens of distinction schon fast Geschichte. Ich wollte lieber auf der Höhe der Zeit sein und vergaß euch bis letzte Woche Jahren vollends.

Kitchens of distinction // Lieblingssong
Softly something comes
The train into the station
She has often waited
And wondered if he’ll come

Die ersten Zeilen von “Railwayed”. Ein traumhaft wunderbarer Song.

Kitchens of distinction // Noch was?!
Kitchens of distinction erzielten 1991 in den USA einen Achtungserfolg. Ihrer Single “Drive that fast” verdrängte REM’s „Losing my religion” in den College Charts von Platz eins.

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08 Northside

Pavement

Manchester, genauer gesagt Moston, einige Kilometer nördlich von Manchester. 1989 gründeten Warren Dermody und Cliff Ogier die Band Northside. Erste Auftritte mit den Happy Mondays und bei Hacienda Konzerten folgten rasch. Das Netzwerk rund um Manchester funktionierte.
Da war es nur zu logisch, dass auch Northside bei Factory Records, dem Nonplusultra Label / Plattenfirma der damaligen Zeit in Großbritannien, unterkamen. Hier waren sie nämlich alle, die englischen Popgrößen, die Techno-, Acid-, Pop- und Dancebeats zu einem großen Klumpen verschmolzen. Das Drogenzeugs tat sein übriges und so wurde aus Manchester, dem Melting-Pot der englischen Musik, Madchester. Das war 1990, und alles aus dieser Stadt hatte berechtigte Hoffnungen auf Erfolg. Auch Northside stand der Ruhm kurz bevor: Sie fanden in der TV-Dokumentation Madchester- The sound of the North statt, ihre Debütsingle „Shall we take a trip“ wurde von Ian Broudie produziert. Das war schon mal was. Konsequenterweise startete „Shall we take a trip“ mit den Buchstaben L-S-D und wurde sogleich von der BBC auf den Index gesetzt und ins Nachtprogramm verschoben. Die zweite Singleauskopplung „My rising star“ erreichte die Top 40 in Großbritannien und verhalf Warren Dermody, Timmy Walsh, Cliff Ogier und Paul Walsh zu erstem kleinen Ruhm außerhalb ihrer Heimatregion. Der wuchs mit der dritten Singleauskopplung „Take five“ noch ein wenig an, und als im Juni 1991 „Chicken Rhythms“ erschien, erntete das Album durchaus gute Kritiken. Nach der anschließenden Tour plante die Band für 1992 ein zweites Album. Dieses wurde aus tragischen gründen nie veröffentlicht. Das Factory Label war pleite, es gab kein Geld mehr für weitere Produktionen und die erfolglose Suche nach einer neuen Plattenfirma führte letztlich zur Auflösung der Band.
Die Zeit für Madchester war mit dem Ende von Factory Records 1992 endgültig vorbei. Die Inspiral Carpets, Happy Mondays, Soup Dragons und The Farm wurden bereits medienmäßig abgelöst vom nächsten großen Ding Namens Grunge.
„Chicken Rhythms“ blieb somit das einzige musikalische Machwerk Northsides.

Northside // kurze Kurzbio
– Stil: Rave, Madchester
– gegründet 1989
– Auflösung 1996

Northside // wichtige Mitglieder
Warren Dermody (Gesang)
Timmy Walsh (Gitarre)
Cliff Ogier (Bass)
Paul Walsh (Schlagzeug)

Northside // Alben
1991 Chicken Rhythms

Northside // unser Kennenlernen
Was habe ich auf dieses Album gewartet. Und was habe ich nach diesem Album gesucht. Über ein halbes Jahr lang lief ich allmonatlich zum Lieblingsplattenladen, der damals Last Chance hieß und in Dortmund unweit vom Hauptbahnhof seinen Sitz hatte. „Chicken Rhythms“ gab es nicht, wurde bestellt, nicht geliefert, war nicht lieferbar, wurde vergessen mitzubestellen, was-auch-immer. Als ich über das Warten die Band schon fast vergessen hatte, entdeckte ich „Chicken Rhythms“ dann eines Tages im CD-Fach unter N. Aus Trotz wollte ich es nicht kaufen, überlegte meine Übersprungsmeinung aber nochmals und griff doch zu. Gut nachgedacht, schreibe ich schulterklopfend im nachhinein. Groß war meine Freude beim hören, und sehr gerechtfertigt, denn das Album ist der Hammer. Nicht so beatlastig und spacig wie die Happy Mondays, nicht soviel Schweineorgel wie bei den Inspiral Carpets oder den Charlatans. Die gute Mitte, das waren Northside. Nach all dem hin und her hatte ich nun das Gefühl, Northside waren meine Entdeckung.
Als England musikalisch für mich immer unwichtiger wurde, waren Northside eine Zeit lang unhörbar. Genau wie die Inspiral Carpets. Ich war diesen ganzen Quatsch überdrüssig geworden.
Mittlerweile geht es wieder besser.

Northside // Lieblingssong
Moody places und Take 5. beides ebenbürtige Lieblingslieder.

Northside // Noch was?!
Ende 2006 ging Northside auf eine Comeback-Tour durch Großbritannien. Gott wie fürchterlich!

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07 Throw that beat in the garbagecan!

Throw that beat in the garbagecan!

Was für ein Bandname. Was für beschwingte Musik. „Large marge sent us!“, mein Einstiegsalbum von „Throw that beat in the garbagecan!“, die sich später nur noch „Throw that beat“ nannte, ist ein Album voller Sesamstraßenlieder.
Klar, die teils sehr kurzen Songs sind sehr launig und lustig angelegt, aber „lustig sein“ war nicht das Grundmotto der Band. Das trifft es natürlich nur zu Hälfte. Die in Nürnberg beheimatete Band machte etwas, was in Deutschland nun so überhaupt nicht angesagt war, Twee-Pop. Twee ist, wie der Name vermuten lässt, netter, hübscher, melodienverliebter Indiepop „typischerweise mit Sänger(inne)n mit quietschigen Stimmen, einfachen Songstrukturen und naiven Texten.“ (indiepedia). Müsste ich sie mit aktuellen Bands umschreiben, ich würde zu Sky Larkin, Los Campesinos oder Pony up! greifen. (Nicht wegen der quietschigen Stimmen und naiven Texte.) Dieses Genre war eine Randerscheinung der sich gerade verändernden Indiemusik und der damit verbundenen Auflösung des Begriffs Independent. Obwohl sie 1993 einen MTV Award gewonnen haben, blieben sie weitestgehend unentdeckt bzw. haben sie nie die ganz großen Bühnen entern können. Liegt vielleicht auch an ihrem Musikstil. Um hiermit auf Albumlänge zu überzeugen, braucht es ganz viele tolle Melodien. Auch mir fiel es schwer, die 24 Songs von “Large marge sent us!“ an einem Stück zu hören. Aber hier und da mal einen 2 Minuten Happen oder ein Song auf einem Mixtape, das passte immer. Also vermute ich, dass ganz viele Leute “Throw that beat in the garbagecan!“ kannten, jedoch nie ein Album gekauft haben. Daher blieben sie vom Erfolg in Deutschland und Europa verschont. Schade! Aber in Japan, ja in Japan, da waren sie groß!
Nach zwei weiteren Alben und der Kürzung des Bandnamens zu “Throw that beat“ löste sich die Band 1997 auf.

Throw that beat in the garbagecan! // kurze Kurzbio
– Stil: Twee-Pop
- gegründet: 1986
- aufgelöst: 1997

Throw that beat in the garbagecan! // wichtige Mitglieder
Klaus Cornfield (Gitarre/Gesang)
Polli Pollunder (Gitarre/Gesang)
Lord Ray (Bass)
Iwie Candy XO7 (Keyboard/Gesang)
Lotsi Lapislazuli (Gesang/Blockflöte)
Alex Sticht (Schlagzeug)
Olli Kolb (Gitarre)

Throw that beat in the garbagecan! // Alben:
1988 Tweng!
1989 Large marge sent us!
1991 Not particulary silly
1992 Cool
1994 Superstar
1996 Sex Tiger

Throw that beat in the garbagecan! // unser Kennenlernen
Wir hatten einen Lieblingsklub. Jeden Freitag, Samstag und manchmal auch mittwochs, je nachdem was schulisch bzw. arbeitstechnisch am Donnerstag anlag, machten wir uns auf den Weg nach Dortmund. In den Musikzirkus. Ein ziemlich übler Laden, eine Großraumdisco mit Kino und Biergarten im Sommer. Aber, und das war das wichtige und für uns bedeutsame: auch mit einer zweiten kleinen Tanzfläche. Auf der wurde Indiekrams und Gothic gehört. Das war unser Ort! Konnte doch nebenan ruhig INXS und Madonna plärren.
Hier sah man immer die gleichen Leute rumhängen, die, genau wie wir, an Wochenenden nichts Besseres zu hatten als zu tanzen. So auch der Junge mit der Topffrisur und den richtigen T-Shirts. Charlatans, Inspiral Carpets und einem Shirt, auf dem in Kinderschrift „Throw that beat…in the garbagecan!“ geschrieben stand. Diese Band, wenn es denn eine Band war, kannte ich nicht. Hier las ich den Namen zum ersten Mal. Beim zweiten Mal stand ich im Kamener Karstadt vor einem CD Regal. “Large marge sent us“ hieß das knallbunte, comicähnliche CD-Dingens. Es schein eine Art Doppelalbum zu sein. Neben “Large marge sent us” stand dort noch “the Pippie Single” und “Tweng!”. Wieder einer dieser Zufälle. Natürlich kaufte ich die CD. Jemand der offensichtlich den gleichen Musikgeschmack hat wie ich (Madchester und so), kann auch mit „Throw that beat…in the garbagecan!“ nicht so weit von mir entfernt sein. Da bin ich naiv, da ist mein Vertrauen sehr groß.
Hat sich ja auch bestätigt!

Throw that beat in the garbagecan! // Lieblingssong
Die 1 Minute 15 Sekunden “Happy Birthday Iwie”. Das allerbeste Geburtstagslied!

Throw that beat in the garbagecan! // Noch was?!
Lustig und passend. Die ersten Jahre Bandgeschichte wurden vom Mastermind Klaus Cornfield im Comic “Throw That Beat In The Garbagecan!” (1992) festgehalten.

Throw that beat in the garbagecan! // Links
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06 Lassie Singers

Anfang der 90er Jahre machte sich eine neue deutsche Musikbewegung auf, die dahin schlummernde Indieszene mit deutschen Texten zu bereichern. Blumfeld, Cpt. Kirk &., Die Erde und Die Sterne und später Tocotronic standen für deutschsprachige Musik jenseits von Schlager und Liedermacher. Hamburger Schule nannte man das Modell, über das Wikipedia berichtet:
“sie sei nicht einfach ein „Sammelbecken ähnlich klingender Musik“. Sie zeichnet sich vor allem durch deutschsprachige Texte aus, denen oft ein hoher intellektueller Anspruch zugemessen wird und die umfangreich mit Gesellschaftskritik, linkspolitischer Einstellung und postmodernen Theorien verbunden sind. Dies insbesondere wurde von der Musikpresse wie etwa der Spex als lobenswerte Eigenschaft hervorgehoben. Im Vordergrund stand aber nicht die deutsche Sprache als solche, denn wie schon bei den frühen Punks in Deutschland wurde diese weniger bewusst gewählt, sondern war ganz natürlich als Muttersprache das Medium Ausdruck und Inhalt. Von nationalistischen Interpretationen des Singens in deutscher Sprache distanzierten sich die Bands teilweise deutlich (z.B. Die Sterne, „Ich scheiß auf deutsche Texte“). Die Homogenität findet sich somit im Hintergrund – in den Einstellungen gegenüber einer „modernen“ Welt – in der Musik – vielleicht auch einer der Gründe, warum vor allem die frühen Bands der Hamburger Schule deren Existenz gerne bestreiten. Die sozialen und insbesondere politischen Kooperationen (einige Bands waren personell verflochten mit den so genannten Wohlfahrtsausschüssen in den 90ern) unterstützten wiederum den Bewegungsgedanken.”
Mit den Lassie Singers hat dies erst mal nicht viel zu tun. Ich würde sie nicht der Hamburger Schule zugehörig zählen, aber sie profitierten sicherlich von der neuen medialen Sprachbewusstheit dem “es ist okay, in Deutsch zu singen”.
Denn neben der neuen, deutschsingenden Indieszene etablierten sich Anfang der 90er auch erste deutsche HipHop Projekte wie “Advanced chemistry” und die “Fantastischen Vier”.
Die Zeit war also reif, und die Lassie Singers waren da.

1988 gründeten Britta Neander, Christiane Rösinger, Almut Klotz und Funny van Dannen die Lassie Singers. Musikalisch die trotzige große Schwester Blumfelds und entfernte Verwandte der Rainbirds sangen die Lassies über das Leben. Sie wollten nicht sozialkritische und politische Gesellschaftskritik übern, sie wollten lieber über Autofahrten, den nächsten Freund oder das ein oder andere menschliche Desaster erzählen. Mit feinen Alltagsbeobachtungen brachten sie die Dinge auf den Punkt. “Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch”, so ist es, so soll es gesungen werden. Ohne Rücksicht auf tralala Gesänge und mit viel Liebe zur Melancholie waren sich die Lassies für keinen Scherz und Wortwitz zu schade, wirkten herrlich kämpferisch und mit ihrem trashigen Geschrammel immer sehr direkt.

Lassie Singers // kurze Kurzbio
- Stil: deutschpop
- gegründet: 1988
- aufgelöst: 1998

Lassie Singers // wichtige Mitglieder
Britta Neander
Christiane Rösinger
Almut Klotz

Lassie Singers // Alben:
1991 Die Lassie Singers Helfen Dir
1992 Sei À Gogo
1994 Stadt, Land, Verbrechen
1996 Hotel Hotel

Lassie Singers // unser Kennenlernen
Übers Radio. Die Singles “Hamburg” und “Es ist so Schade” hatten einen respektablen Radioeinsatz. “Hamburg” war lange Zeit unser Lieblingsautofahrsong. “Pause, nein geht nicht… dreh mal die Kassette um… die Landschaft hier ist fucking thrill”. Ach, das war so toll frisch, echt, charmant und do-it-yourself klingend zugleich, dass “Hamburg” nur eins werden konnte: ein Ohrwurm. Es gab nichts spaßigeres als auf der A1 zu fahren und direkt vor Ort in Echtzeit mitzugrölen: “am Kamener Kreuz links vorbei, im Radio läuft hr3…Toy-R-Us? Komisch …”
Lassie Singers: urkomisch!
Die erste deutsche Girl Band hatte mich. Und da “Mein Freund hat mit mir schlussgemacht” (“…helfen dir”) oder “Loswerden” dem “sexy Hamburg” (beide auf “Sei À Gogo”) in nichts nachstanden, weiterhin ein Schmunzeln auf mein Gesicht zauberten und gute Laune verbreiteten, blieb ich ihnen treu. Die Lassie Singers schilderten immer das wahre Leben. Ich glaube, dass machte die Songs aus. Man schmunzelte, erkannte Situationen wieder und lachte schlussendlich über das eigene Leben. Auch dann, wenn es gar nicht lustig ist. Musik als Therapie und Fröhlichmacher. Gibt es besseres?

Lassie Singers // Lieblingssong
Nur weil wir keine Ausbildung haben, machen wir den ganzen Scheiß!
Nicht nur, weil ich es hier schon zitiert habe: “Hamburg”. Kühe , Kühe , Kühe!!!

Lassie Singers // Noch was?!
Christiane Rösinger und Britta Neander gründeten 1997 die Band Britta.
Und ein Zufall brachte mich neulich nach langer Zeit wieder auf die Lassie Singers: Beim hören des Samplers “Berlin Songs Vol. 3“ entdeckte ich im Booklet den Namen Christiane Rösinger. Sie ist also weiterhin musikalisch aktiv.

Lassie Singers // Links
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05 Bush

Pavement

Alternative Rock war das nächste MTV Ding. Als Ergebnis der Weichspülung des Grunge etablierten sich Bands wie Soul Asylum, Spin Doctors oder Live. Alternative Rock war ein amerikanisches Phänomen, in England tobte der Britpop. In ganz England? Nein, eine kleine Gruppe aus London hatte keine Lust auf Pop. Sie wollten sein wie ihre Musikerkollegen aus Übersee. Rocker, keine Popgesellen mit Topffrisur und Wildlederschuhen. Bush waren eine britische Band, die gar nicht wie eine britische Band klang. Gavin Rossdale und Nigel Pulsford gründeten Bush 1992, und fielen mit ihren Rocksounds, die aber nicht zu grob und schroff klangen um auch im Tagesprogramm der Musiksender einen Platz zu finden, genau ins Beuteschema derer, denen der Post-Grunge näher war als der Pre-Britpop. Und die lebten in der Mehrzahl in Übersee, und so ist es ist nicht verwunderlich, dass Bush im Laufe ihrer Karriere in den USA größere Erfolg feierten als in ihrem Heimatland. “Razorblade Suitcase”, ihr zweites Album, erreichte 1996 Platz eins der US- Charts. “Swallowed” und “Mouth” sind tolle Songs, aber die Qualität des Debütalbum hält “Razorblade Suitcase“ meiner Meinung nach nicht.
“Sixteen stone” hatte 1994 die Messlatte sehr hoch gesetzt. Die drei herausragende Songs des Albums: “Everything Zen”, “Little Things” und “Glycerine” sind wahre Überflieger, und der Rest steht diesen nur wenig nach. Allgemein schließt “Sixteen Stone” die sich nach dem Tod Kurt Cobains androhende Grunge-Rock-Alternative Lücke nahezu perfekt. Medienwirksam war die Band um den gutaussehenden sänger gavin rosdale allemal, und ein willkommenes Zugpferd in den – damals noch existierenden – musikalischen Spartenprogrammen der Musiksender. Dort wurden Bush gerne als die neuen Nirvana abgefeiert.

Bush // kurze Kurzbio
– Stil: Alternative Rock
– gegründet 1992
– Auflösung 2002

Bush // wichtige Mitglieder
Gavin Rossdale (Gesang)
Nigel Pulsford (Gitarre)
Robin Goodridge (Schlagzeug)
Dave Parsons (Bass)

Bush // Alben:
1994 Sixteen Stone
1996 Razorblade Suitcase
1999 The Science of Things
2001 Golden State

Bush // unser Kennenlernen
Banal über das Musikfernsehen. Zu Bush gibt es keine besondere Geschichte, kein im Gedächtnis gebliebener Aha- Effekt. Sie waren einfach irgendwann da, und “Everything zen”, die erste Single, war irgendwann im MTV. Und da blieb sie eine ganze Weile und arbeitete sich nach oben. In der höchsten Stufe der Rotationsschleife angekommen, lief man ihr im Stundentakt über den Weg. Und wer den Song nicht von Anfang an gut fand, dem gefiel er eben nach dem 10 Video. Vielleicht. Mir gefiel er sofort, ich musste mir den Song nicht schön gucken. Nicht sonderlich überraschend für einen, der Pearl Jam toll fand, zu den Stone Temple Pilots tanzte und Soul Asylum wegen allem außer “Runaway train” mochte.

Bush // Lieblingssong
“Swallowed”, die erste Singleauskopplung des zweiten Albums.

Bush // Noch was?!
Gavin Rossdale war der Hauptakteur bei Bush. Er schrieb alle Songs auf den ersten beiden Alben und startete, nach der Auflösung von Bush, eine kleine Solokarriere. Sein Song Adrenaline als Beitrag zum XxX Filmsoundtrack ist einen Klick wert. 2002 heiratete er die No doubt Sängerin Gwen Stefani.

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