Best Coast – Brüssel, 22.09.2012

Ort: Botanique, Brüssel
Vorband: Paon


Brüssel ist immer eine Option. War ich dieses Jahr eigentlich schon in der Botanique, dem besten, schönsten und stimmigsten Konzerthaus, das ich kenne? Nun, dann wird es langsam Zeit, denn mindestens einmal im Jahr sollte ich im Norden Brüssels vorbeischauen.
Das Konzert der Los Angeles Band Best Coast bot sich dazu an, näher sollte die Band an Köln nicht herankommen. Grund genug, um sich auf den samstagnachmittäglichen Weg in Richtung Belgien zu begeben. Dass wir diese Idee nicht alleine gepachtet hatten, bemerkten wir am Abend vor der Bühne des kleinsten Konzertsaales des Botanique: bekannte Gesichter standen schon in Reihe eins. Auf manche Dinge ist eben Verlass.
Folgt man Best Coast auf Twitter, lernt man viel über die Band, Los Angeles, Anzugsordnungen bei Konzerten, das Tourleben und anderen Unsinn. Die Band (oder Sängerin Bethany Cosentino) ist eine rege Netzwerkkommentatorin, sie twittert was das Zeug hält. Seit ihrem Kölner MTC Konzert vor ungefähr zwei Jahren bin ich Best Coast Verehrer, ich mag ihren laxen Indiepop und ihre unaufgeregte Art. So lange folge ich ihnen auch bei Twitter, oder besser gesagt folgte ich ihnen, denn vor einigen Monaten wurde es mir zu viel. Kein neues Album und Unmengen an Statusmitteilungen, die mich nur bedingt interessierten, ließen Twitter Twitter sein und ich entfolgte Best Coast. So verpasste ich natürlich die Ankündigung eines neuen Albums und einer spätsommerlichen Tournee. Auf beides musste ich erst aufmerksam gemacht werden, zögerte dann jedoch keine Minute, um unserem Konzertausflug zuzustimmen.
Best Coast spielten im Gewölbekeller, in der sogenannten Witloof Bar der Botanique. Viel Betrieb war an diesem Abend im Kulturzentrum, die Briten von We have band begeisterten in der Orangerie, die Rotonde bot eine Ausstellung zum Thema Frauen und Film.
Das Konzert war seit Tagen ausverkauft, das Parkhaus um die Ecke fast direkt neben dem türkischen Imbiss, den wir gerne und immer wieder als Snackoption vor Konzertbeginn wahrnehmen, überraschend leer. Das lief ja bestens, und wenn man weiß, dass ein belgisches ausverkauft wenig mit einem köln’schen ausverkauft gemein hat, stand einem schönen und entspannten Konzertabend nichts mehr im Weg.
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Muse – Köln, 20.09.2012

Ort: E-Werk, Köln
Vorband: -


Muse, so ganz bin ich mir nicht darüber im klaren, warum ich Dienstag letzter Woche um 10 Uhr morgens wie wild bei Ticketmaster um ein Ticket für das 1live Radiokonzert kämpfte und es schlussendlich doch bekam. Schon klar, die ersten vier Alben sind großartig, das letzte, „The Resistance“, allerdings besonders scheußlich. Da setzte bei mir Kaufverweigerung ein und Muse wurden mir gleichgültiger.
Anfang der Nuller- Jahre war ich ganz klar auf ihrer Seite. „Showbiz“ und „Origin of symmetrie“ mit einem sehr beeindruckenden Konzert in eben diesem E-Werk (oder war es gar schon hochverlegt auf die andere Straßenseite?) setzten große Ausrufungszeichen und Matt Bellamy war einer der Musiker der Stunde. Stilistisch wurden Muse eher mit Radiohead als mit Oasis in einen Topf geworfen, was genauso richtig ist wie sie nicht mit den Emo Bands ihrer Zeit gleichzusetzen, auch wenn Muse mit denen durchaus die ein oder andere Gemeinsamkeit hatten. Aber dann setzten Veränderungen ein. Zu Queen wurden Muse mit „Soldier’s Poem“ und “Map Of The Problematique” vom Album Black Holes And Revelations, und ich wurde stutzig. Das Album ist voller Pathos und Bombast und Matt Bellamys hohe Kopfstimme erschien mir noch nie so aufdringlich Mercury-esk wie hier. Damit hatte ich zugegebenermaßen kleinere Probleme und Muse verloren für mich an Reiz.
The Résistance brachten diesen Reiz nicht zurück. Ein schlimmes „Undisclosed desires“ und die Symphonien am Ende des Albums ließen mich nicht wirklich begeistern. Trotzdem besuchte ich ihr Konzert in der Lanxass Arena und fand es großartig. Dieses Erlebnis muss mir unterbewusst so hängen geblieben sein, dass ich mir Tickets für diesen Abend unbedingt sichern wollte. Wie überragend Muse live sein können, hatte ich ja schon erlebt.
„Da hat aber jemand zu viel George Michael gehört.“ Im Radio sang jemand “I can’t get this memories out of my mind” und das schrie förmlich nach George Michael’s „I want your sex“. Oh nein, wir wussten nicht, welcher geschmacksverirrte Sänger sich an dem ex-Wham Frühwerk derart vergriff, dass es schon wieder beeindruckend war. Zwei Tage später, der Song lief erneut im Radio, lernte ich in der Abmoderation, dass es sich um die neue Muse Single „Madness“ handelt. Wow, dachte ich, es geht tatsächlich noch abstruser als bei „Undisclosed desires“.
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2:54 – Köln, 18.09.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Lingby


Nachdem er aus London zurückgekehrt ist, erhält Mac Taylor in der vierten Staffel CSI:NY jeweils um 3.33 nachts anonyme Telefonanrufe. Scheinbar hängen diese Anrufe nicht mit den aktuellen Mordfällen zusammen.Um 11:14 abends spielen sich in einer amerikanischen Kleinstadt merkwürdige Dinge ab, ein Angestellter überfällt seinen eigenen Supermarkt, ein Mann entdeckt, dass seine Tochter einen Mord begangen hat versucht diesen zu vertuschen und es werden zwei Menschen überfahren.
Was sich um 2:54 Uhr ereignete, weiß ich nicht. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich unterstelle dem Bandnamen einfach eine Uhrzeit, ohne mir die Mühe machen zu wollen, dieses zu recherchieren. In irgendeinem Interview oder auf irgendeinem Musikblog würde ich sicherlich die Antwort finden, aber in diesem Fall ich finde die Ungewissheit spannender.
2:54 sind die beiden Schwestern Colette und Hannah Thurlow aus London. Vor einigen Wochen spielten sie im Vorprogramm der XXe – was ihre musikalischen Eck-Koordinaten passend definiert – nun sind sie für drei Konzerte kurz zurück. Eine EP (Scarlet) und ein Album (2:54) sind bereits veröffentlicht, Anfang 2010 gründeten sie ihre Band, zu der mittlerweile auch Alex Robins und Joel Porter zählen.
Als ich am Gebäude 9 ankam, spielte die Vorband Lingby bereits.
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Bleech – Köln, 05.09.2012

Ort: Blue Shell, Köln
Vorband: ahuizotl

In der Umbaupause beobachten wir ein kurzes Gespräch zwischen dem ahuizotl Sänger Barry Langer und der Bleech Bassistin Katherine O’Neill. In unserer Vorstellung betreiben die beiden eine romantische Fachsimpelei über Mikrofonpositionen und Bühnenaufbau. Nach fünf Minuten Bleech Konzert könnte das Gespräch jedoch auch einen anderen Inhalt gehabt haben: „So, wir sind dann jetzt weg und nehmen gleich 7 Zuschauer mit. Euch dann noch viel Spaß.“ *
Oh weh, es war auffallend leer geworden vor der Bühne, als Bleech ihr Konzert eröffneten. Bei einer geschätzten Gesamtzuschauerzahl von knappen 40 ist jeder Kopf wichtig, die vielen ahuizotl Supporter, die jetzt nicht mehr da waren, waren so visuell sehrspürbar.
Darunter leidet natürlich die Konzertatmosphäre und ich hatte den Eindruck, dass die rothaarige Jennifer O‘Neill auch leicht verstimmt über die geringe Aufmerksamkeit die Bühne betrat. Hier „hello everyone“ ließ es mich in den Zwischentönen heraushören, das passte ihr ganz und gar nicht. Gott sei Dank verlief der Abend dann doch harmonischer als ich zu diesem Zeitpunkt befürchtete. Die beiden Frontfrauen schienen sich schnell mit der Situation zu arrangieren und zeigten eine gute und unterhaltsame Show. Schön aufeinander abgestimmter Duettgesang (wie beispielsweise in der ersten Zugabe „Flowerhands“) und ein satt klingendes Schlagzeug (gespielt von Matt Brick) ließen sich gut an. Ehrlich gesagt hatte ich Bleech nicht so rockig erwartet, meine Startkoordinaten für die Band lagen eher im hipperen Keyboardsynthiepoprock.
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BootBooHook Festival – Hannover, 25.08.2012

Ort: Eine Wiese auf dem / am ehemaligen Expogelände neben IKEA
Bands: French Films, Gravenhurst, Fehlfarben, Superpunk, We have band, The hundred in the hands

„Es ist so richtiges Erkältungswetter“ sagte ich noch Freitagnachmittag, als sich Sonne und 20 Grad mit zugigen Windböen und bedecktem Himmel abwechselten. Ich hätte es nun wirklich nicht beschreien sollen, der Samstagmorgen zeigte es mir sehr deutlich. Neben dem obligatorischen Hang-over eines anstrengenden Tages und eines langen Abends merkte ich deutlich eine schniefende Nase und diese untrügliche, aufkommende Mattheit.
Aber ein ausgiebiges Frühstück brachte verbrauchte Energien zurück. Festivals mit Hotelanbindung sind was Feines und für mich als fourty-plus ein wichtiges Kriterium bei der Open Air Auswahl. Das muss wohl mit meinem elenden Heuschnupfen zusammenhängen, der mich früher alle sommertagelang quälte und den ich erst vor drei Jahren gut in den Griff bekam. Evan Dando sagte einst „i lied about being the outdoor type.“ Ich unterschreibe das.
Gegen 12 Uhr war ich bereit für den zweiten Festivaltag. Da dieser erst zwei Stunden später beginnen sollte, blieb Zeit, die Schönheiten des Hannoveraner Stadtteils Latzen zu erkunden. Gehässig könnte ich anmerken, dass dies schnell erledigt war, weil es in diesem messenahen Ortsteil außer vierspurigen Straßen und Hotels nicht viel zu sehen gab. Aber auch mehrstöckige Wohngebäude im Waschbetonstil der 70er haben ihren Charme. Das Einkaufcenter glänzt zwar mit eindimensionaler Küche (drei Asiaten) aber ansonsten mit allem notwendigen, was ein Vorstädter so braucht. Nach dieser kleinen Ortsbesichtigung ging es dann bei immer noch ungemütlich windigem aber trockenem Wetter zurück zum Festivalgelände.
Die jungen Männer von French Films sollten den Nachmittag eröffnen. Mit so einer Band macht ein Festivalveranstalter nichts falsch. Früh versprühte ihr Charme aus Cure Gitarren und Interpolesang gute Laune unter den kaffeetrinkenden Besuchern. Das war sehr tanzbar und klang trotz der Wohlvertrautheit von Gesang und Gitarren keineswegs langweilig. French Films ist eine dieser Bands, die auf einem Festival am Nachmittag sehr gut funktionieren. Ob das ganze über den Festivaltag anhält wird man sehen, ich denke aber dass die noch sehr jungen Finnen sich berechtigte Hoffnungen machen können. „Imaginary future“ ihr letztjährig veröffentlichtes Debütalbum hört sich zumindest für mich am Tag danach noch immer sehr gut an.
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BootBooHook Festival – Hannover, 24.08.2012

Ort: Eine Wiese auf dem / am ehemaligen Expogelände neben IKEA
Bands: Locas in love, Like a stuntman, To Rococo Rot, Palais Schaumburg, Japandroids, Of Montreal, Tocotronic

Das gibt es tatsächlich noch! Ein mittelgroßes deutsches Indiefestival ohne die beiden musikalischen Vorzeigeathleten Get well soon und The Notwist. Nun gut, ich bin nicht der Dauerfestivalgast, für mich gibt es keine Festivalsaison, für mich gibt es zwei, drei Festivals pro Sommer, aber in den letzten Jahren hiess es tatsächlich, kein deutsches Festival ohne eine der beiden Bands. Egal ob das Juicy Beats vor einem und vor zwei Jahren, das Maifeld Derby, das diesjährige Lüften Festival oder das tolle, bald stattfindende New fall Festival, eine der beiden Bands kamen uns immer unter.
Beim diesjährigen BootBooHook in Hannover wird mit dieser Tradition gebrochen. Dass Get well soon letztes Jahr hier spielten und The Notwist im Jahr davor ist schön zu wissen. Wo diese beiden Bands spielen, kann kein schlechtes Open Air sein, so meine schon lange gezogene Schlussfolgerung. Dass das 2012er BBH aber locker ohne die beiden auskommen kann zeigt allein der Freitag: Locas in love, Like a stuntman, die Japandroids, of Montreal und Tocotronic. Für unsere Favoriten reicht so gerade eine Hand, und dann sind da ja noch Palais Schaumburg und To Rococo Rot. An den übrigen Tagen sieht das nicht anders aus. Das ist jedoch nicht sonderlich verwunderlich, wenn man liest, dass die Menschen von Tapete Records mit viel Fachverstand und Musikgespür über das BootBooHook Festival wachen.
Egal, der Freitag sollte den ersten Schwung an Bands bringen, wegen denen wir uns nach Hannover aufmachten. Japandroids, ja! Of Montreal, ja! Tocotronic, kann man mitnehmen. Am Samstag kamen dann noch Whitest Boy Alive und We have Band dazu, so dass aus einem Tagesausflug planerisch schnell ein 2-Tagesausflug gemacht wurde. Als wir uns dann die Ticketpreise und die Übernachtungsmöglichkeiten im Messeviertel der Landeshauptstadt ansahen, war uns auch das nicht genug. Nein, wir nahmen das volle Programm und wenn es Erklärungsrechtfertigungen benötigte, dann diese: ein drei Tagesticket kostet genauso viel wie zwei Ein-Tagestickets. Und am Sonntag spielen ja noch Ja, Panik, eine der unbedingt sehenswerten Bands. Als sich dann herausstellte, dass die Luxusabsteige in knappen 800 Metern Festivalentfernung auch nicht das kostet, was sie kosten könnte oder gar musste, wurde aus einem Festival-Freitag ein komplettes Festivalwochenende. Wenn schon, denn schon. 3 Tage Hannover also.
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