Art Brut – Köln, 05.06.2007

This next song is about…
Gebäude 9. Ein angenehm temperierter sonniger Dienstag neigt sich dem Ende entgegen. Ein laues Lüftchen umweht die vor dem Club wartenden Menschen. “Sold out” und “Ab hier kein Kioskbier mehr” steht auf mit Edding selbstgemalten Pappschildern. Der rote Tourbus zeigt sich markant im Innenhof, die Bands, Blackwire und Art Brut stehen drumherum und werden galant ignoriert.
This next song is about…
Es ist klebrige Rock’n'Roll Wärme im Gebäude 9 angesagt. Ich tausche mein Flaschenpfand, gehe zurück in die Halle und meine Brillengläser beschlagen. Der Schweiss steht allen im Gesicht.
Art Brut geben alles. Stagediving, Audiencewalk, das komplette Programm. Das Publikum steht in nichts nach. Bis auf die drei, vier neuen Stücke des kommenden Albums wird alles mitgesungen. Man kennt die Lieder halt in und auswendig, das Album ist ja schon lange käuflich erhältlich. So entwickelt sich eine ausgelassene Stimmung. Art Brut sind gute Entertainer, allen voran der Mentor und Sänger Eddie Argos, der mit kleinen Geschichten und Aufforderungen ein Lachen auf die Gesichter zaubert. Das Gebäude 9 dampft und alle sind glücklich verschwitzt. So ist auch keiner enttäuscht als nach gut einer Stunde die Sache durch ist. Es ist wie nach dem Matchball in einem ausgeglichen, grossen Spiel. Jeder weiss, er hat sein bestes gegeben und ist ein Stück weit froh, dass die Strapazen nun vorbei sind. “Mehr war halt nicht drin”, hätte Michael Stich da gesagt.
This next song is about…
Die Hauptakteure sind frisurenstylisch gut beraten. Die Bassistin mit leichter Punkfrisur, Gitarrist 1 im Robert Smith Gedächtnislook und die Frisur des Sänger erinnert an Bryan Ferry. Man merkt, Art Brut kommen von der Insel. Fashionista!
This next song is about…
Art Brut machen intelligente Musik, die, trotz ihrer Eingängigkeit etwas verschroben kunsthaftes an sich hat, und so eine gewisse Hör-Reife benötigt. Daher war es nicht sonderlich überraschend, dass gestern das Durchschnittsalter des Publikums deutlich Richtung gute Mitte Zwanzig wies.
Und sie hörten zuvor eine Vorband, die sich Blackwire nennt. Doch leider haben Blackwire zu grosse Schuhe an. Stadienrockgesten und -gepose zu, na ich sag mal, okayer Musik. Im Vorraum und draussen war es da nicht nur temperaturenmässig angenehmer.

Auf dem Rückweg fragte mich meine Mitbewohnerin, ob der Art Brut Sänger wohl eine Freundin hat. Sie glaubt, eher nein, und ich sage “aber er hatte mal eine, die hiess Emily”.
Aber, I bet that you look good on the dancefloor, Mr. Eddie Argos.

Setlist / Fotos bei meinzuhausemeinblog / flickr

Built to Spill – Köln 18.05.2007

Aufgrund einer ungeschickten Urlaubsplanung musste ich dieses Konzert im Gebäude 9 trotz bereits gekaufter Karte sausen lassen. So wird es wohl bei meinem Built to Spill Liveerlebbnis aus dem Jahr 1995/ 1996 (?) im Bahnhof Langendreer bleiben. Interessantes Detail: Die damalige Vorband namens Modest Mouse spielt in Bälde in der Live Music Hall. Geh ich hin, bin ich dabei… Wer dennoch wissen möchte, wie es im Gebäude 9 war, findet bei mein zuhause.mein blog eine verdammt gute Berichterstattung. Hier noch ein Ausschnitt aus dem Malmöer Konzert.
[video]http://www.youtube.com/v/FZO8CLlJEvQ[/video]

Interpol – Köln 11.05.2007

Wann war ich eigentlich das letzte Mal in der Kirche? Mir fällt es nicht ein.
Gestern Abend war es wieder soweit. Interpol spielten in der Kulturkirche Nippes. Die ehemalige evangelische Kirche liegt mitten im Kölner Stadtteil Nippes. Weit und breit keine ausreichenden Parkflächen, aber – welch Glück – ein Anwohner fuhr seinen Fiesta von dannen und der Parkplatz war da. Sonst wären wir wohl noch stundenlang ums Carree gekurvt.
So oder so ähnlich muss es Interpol ergangen sein. Anders ist der reichlich verspätete Auftritt um viertel vor zehn nicht zu erklären. In der Hoffnung – es gab einige Gerüchte – als Vorband Two Gallants erleben zu können, war die Kulturkirche bereits pünktlich um acht Uhr gut gefüllt. Es stellte sich aber rasch heraus, dass der heutige Abend keine Vorband sehen wird. Stattdessen hörten wir ein sehr gutes DJ-Mixtape mit Interpol-kompatiblen Songs. Herausragend die Vermixung von Chasing cars (Snow Patrol) und Every breath you take (The police) in 2manyDJ‘s Manier. Das erfreute. Das erfreute zumindest bis 21 Uhr. Danach machte sich im Zuhörerraum leichte Genervtheit und erste Pfiffe breit. Da beruhigte das sakrale Ambiente nur wenig. Schade, den Kirche und Interpolmusik, das passt zusammen. Aber durch das pomadige Gehabe Interpols war ein Stückcken gute Laune dahin, das schöne Ambiente bekam erste Risse.
Interpol Köln Foto von FragileHaloAls es dann nach ewiger Warterei losging, war der Kirchenraum durch die hereinbrechende Dunkelheit nur noch karg ausgeleuchtet. Und wie so oft war dieses Phänomen zu erleben: Auf Knopfdruck machte sich Konzertstimmung breit; die Band jedoch leider einen müden Eindruck. Und noch ein Dämpfer. In knappen 40 Minuten nuckelten Interpol ihren Auftritt herunter. Sie präsentierten solides Handwerk, Überraschungen oder Nennenswertes blieben aus.
Interpol spielten vier oder fünf neue Lieder (die neue CD “Our love to admire” erscheint am 06.07.07), wohl dosiert eingewickelt in die alten Klassiker der ersten beiden Alben. Es war eine ähnliche Setlist wie Tags zuvor in Paris, nachzulesen bei Oliver.
Die Lethargie der Band färbte ab. Nach dem anstrengenden Ausharren war das Publikum müde. Alibimässige Zugaberufe verstummten relativ schnell. Die Messe war aber noch nicht gelesen, Interpol kamen nochmal für drei Lieder auf die Bühne. “Length of Love” – “Take You on a Cruise” – “PDA”. Dann ging das Licht an. 22.45 Uhr. Ende nach einer knappen Stunde.
Prozessionsartig verliessen wir die Kirche durch das Hauptportal. So wie früher an jedem Sonntagmorgen.
Foto von FragileHalo.
Youtube Konzertmitschnippsel

[video]http://www.youtube.com/watch?v=E1tshcdIBzQ[/video]

Bloc Party – Köln 8.5.2007

21.35 Uhr, Biffy Clyro spielen ihr letztes Stück für diesen Abend. Biffy Clyro, eine dieser ewigen Vorband-Bands, die nie so richtig die Kurve gekriegt haben, durfte ich nun schon 4 oder 5 mal im Vorprogramm sehen. Angekommen sind sie dabei nie.
Das Palladium ist voll, aber auch wiederum nicht. Den ganzen Abend über gibt es – trotz vollem Haus – keinen unfreiwilligen Körperkontakt zum Nachbarn. Zumindest nicht in der Mitte der Halle zwischen Mischpult und Rollstuhlplateau, wo sich wir Mittdreissiger vermehrt aufhalten. Als es um kurz nach neun losgeht, ist es wie immer im Palladium. Es beginnt mit einem grottenschlechten Sound.
Mittlerweile denk ich, man darf den Bands hierfür keinen Vorwurf machen. Ob New Order, The Strokes, Coldplay, Blur, Skunk Anansie, oder wen ich im Palladium gesehen habe, schlechte Akkustik gab’s überall.
Heute war das nach dem dritten Stück egal. Die Ohren hatten sich dran gewöhnt, und Bloc Party begeisterten mit einem eins a Konzert. Die Menschen vor der Bühne waren glücklich und feierten. Es herrschte eine verdammt gute Stimmung im ganzen Palladium, vom Anfang (“Song for clay”) bis zur zweiten Zugabe (“Pioneer”). Die ganze Setlist und mehr bei Christoph.
Bis in die hinteren Reihen wurde mitgesungen und getanzt. Die Band genoss sichtlich ihren bisher grössten Deutschland-Headliner-Gig.

Tja, Bloc Party stehen scheinbar kurz vorm Stadion. Ob das gut ist, ich bin mir nicht sicher.
Braucht Bloc Party’s Musik nicht intime Nähe mehr als viele Menschen? Das Paket funktionierte im Palladium noch so gerade, und ich befürchte, alles was grösser ist als eine 5000er Halle wirkt sich stimmungstechnisch negativ aus. Oder aber sie ändern ihre Bühnendeko. Mehr in Richtung Bombast und Grösse. So wie Muse, die neben ihrer Wucht auch visuell perfekt in grössere Hallen passen, bei denen man früher schon das Gefühl hatte, “Mensch, die fahren hier ein Programm auf, da ist das E-Werk viel zu klein. Die brauchen was grösseres.”
Für Bloc Party war die Bühne des Palladiums fast schon zu gross. Die Lichtshow bestand heute aus ein paar Leuchtstoffröhren, die mal rot, gelb oder blau leuchteten. (Ein Bild sagt mehr als Worte). Keine Kritik, zusammen mit der indirekten Beleuchtung aus dem Hintergrund, passte alles voll und ganz in die musikalische Stimmungslage. Aber ein Stadion verlangt mehr.
Im Sinne einer ausgewogenen Gemütslage des Konzertgängers kann man nur hoffen, dass das nächste Bloc Party Album kein grosser Erfolg wird. Wir wollen nicht in die Philipshalle.Bloc Party Live

Leicht nervig nur eine Gruppe vorne rechts, die ununterbrochen entweder sich oder die Bühne mit ihren Sony Ericsson Cybershot Mobiltelefonen fotografierte. Was soll das bringen aus dieser Entfernung. Was denkt sich der diesjährige Abijahrgang dabei? Ein bischen Erinnerung ist okay, aber 90 minütige Erinnerung doch übertrieben. Zugegeben, ich kann mich nicht damit anfreunden, während eines Konzertes Fotos zu machen. Ich hab’s probiert, finde aber das Gefurchtel mit der Kamera lenkt mich zu sehr ab. Und gerade wenn es ein emotional gutes Konzert ist, will ich mich durch nichts ablenken lassen. Und ausserdem, wohin mit dem Bierbecher? Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich all die digitalen Erinnerungsschnippsel nicht vermisse, da ich zu einer Zeit erste Konzertgeherfahrungen gesammelt habe, in der Fotoapparate noch klobig und unhandlich waren, und das Telefon noch eine Schur hatte und
zuhause auf einem Tischchen stand (oder in der Telefonzelle).
Sei es drum, aber mir ist aufgefallen, dass an diesem Abend verhältnismässig viele Kameras und Handys in die Luft gehalten wurden. Ich prüfe das auf youtube und flickr. Foto von factoids.

Laura Veirs – Köln 18.04.2007

“Did listen to our new album?” fragte Laura Veirs gestern abend im Gebäude 9, “Did you buy it or did you download it for free? I hope you buy, so we have a chance to survive. I need more than hot dogs and potato chips.”
“Wir kaufen es, natürlich, sofort, und gleich alle Exemplare, die im Saturn liegen, denn wir finden dich nett und möchten, dass es dir gut geht!!!” möchte man der immer mal wieder so nett ins Publikum schmunzelnden Laura zurufen. Laura Veirs und ihre Band spielen grösstenteils Lieder von der neuen CD Saltbreakers. Die kenne ich nicht, zuhause steht nur das Vorgängeralbum im Regal. Und zugegeben, ich habe es länger nicht mehr gehört, trotzdem hatte ich kurzentschlossen für mich entschieden, heute Abend ins Gebäude 9 zum Konzert zu fahren. Und ich habe mich nicht geärgert. Trotz der unbekannten Stücke war es ein kurzweiliger und amüsanter Abend in einer knapp zur Hälfte gefüllten Halle. Laura erzählte, dass alle Musiker eine Laura Veirsleichte Erkältung haben und sie daher darum bittet, nicht direkt vor der Bühne zu rauchen. Sie erzählte, dass sie leider kein deutsch spricht, aber ein bischen chinesisch als quasi Beweis für ihre Aufgeschlossenheit. “American people are so lazy, because everyone speak english.” Sie erzählt von erzählt von einem Freund aus Washington State, der ihre Bühnenoutfits mit lustigen Filzstoffen bestickt hat. Laura Veirs Kleid mit Blumen, den Anzug des Schlagzeugers mit einem Sternenhimmel, den des Keyboarders mit Fischen und einer Krake. Das Jacket des Bassisten trägt eine grosse Filzgitarre auf dem Rücken und Schmetterlinge vorne. Sieht alles aus wie frisch aus dem Disneyclub für Kinder, passt aber zur lockeren, lustig fröhlichen unverbraucht klingenden Musik, die im besten Songwriterinnenstil daherkommt. Leichter als Suzanne Vega, folkiger als Lisa Germano (übrigens nächste Woche im Kulturbunker Mühlheim). Hier passt die Musik zur Künstlerin, der man, so ist mein Bühneneindruck, für nichts böse sein kann. Vielleicht liegt’s auch an der schönen Brille.
Interessantes Detail am Rande: Laura Veirs und Band nutzten die gleichen Instrumente wie ihre Vorgruppe Your heart breaks. Die Umbaupause hatte ihren Namen nicht verdient. Umgebaut wurde nämlich nichts.

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