Lisa Hannigan – Düsseldorf, 30.04.2012

Ort: Tonhalle (Foyer), Düsseldorf
Vorband: -

Der etwas andere Tanz in den Mai.** Als ich vor einigen Wochen die Einladung bekam, an diesem Konzert als Besucher teilzunehmen, hatte ich mich sehr gefreut.* Der Ausflug in die Düsseldorfer Tonhalle erschien mir eine gute Gelegenheit, den Maiabend bei interessanter Musik und in schöner Umgebung zu verleben. Möglich gemacht haben dieses Konzert die Veranstalter der New Fall Konzertreihe, die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfinden soll. Am 03.10 steigt die Eröffnungsveranstaltung mit keiner geringeren Band als The Notwist. Der Termin ist gebucht.
Das Lisa Hannigan Konzert war ein sogenanntes pre-event des New Fall, in der Gemütlichkeit vor rund 100 Zuschauern fand es im Foyer der Tonhalle statt. Entspannt saßen wir auf den Treppenstufen des atriumähnlichen Foyers kreisförmig um die Bühne herum und lauschten den größtenteils ruhigen und folkloristischen Klängen Lisa Hannigans und Band.
Lisa Hannigan, der Name sagte mir spontan nichts. Der aktuelle riesige Hype um die junge Irin, die in ihrem Heimatland mit ihrem aktuellen Album „Passenger“ Platz 1 in den Charts belegt, ist völlig an mir vorbeigegangen. „Knots“ habe ich bestimmt schon mal unbewusst gehört, doch wenn es so gewesen sei sollte ist es mir nicht stärker im Gedächtnis geblieben. So wurde der Konzertabend zu einer willkommenen Gelegenheit, mich mehr mit der Musikerin auseinanderzusetzen.
„Lisa Hannigans Stimme kling genauso versoffen wie die von Cerys Matthews“, so mein erster Gedanke, nachdem die ersten Zeilen von „Little bird“ verklungen waren. Cerys wer? Cerys Matthews war die Sängerin von Catatonia, einer walisischen Rockband Mitte der 90er und nach wie vor eine meiner Lieblingsbands. Cerys Matthews hatte damals eine leichte Ähnlichkeit mit der Schauspielerin Gillian Anderson. Passenderweise lautet Catatonias größter Hit „Mulder und Scully“.
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The Lemonheads – Esch-Alzette, 27.04.2012

Ort: Rockhal, Esch-Alzette
Vorband: DJ Set

Ein Album wie geschnitten Brot, dieses „It‘s a shame about Ray“. Ein Hit jagt den anderen und so ist es mehr als verdient und gerechtfertigt, das Evan Dando 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung mit dem Album im Programm auf riesengroße Welttournee geht. Seit Januar spielen sie fast täglich ein Konzert. Nach Köln kommen sie in diesem Monat auch noch, nun stand jedoch für die Lemonheads erstmals Luxemburg auf dem Tourplan. Ich war auch schon länger nicht mehr hier. Dabei ist die Rockhal eine meiner lieblingskonzertorte. Aufgeräumt und verkehrstechnisch gut erreichbar liegt sie in einem neuen Wohn- und Büropark Esch-Alzettes auf einem ehemaligen Fabrikgelände im sogenannten Esch Belval.
Pünktlich um halb neun bin ich vor Ort. der Weg durch die regnerische Eifel dauerte länger als geplant. An und für sich steh‘ ich dem Naturschutz positiv gegenüber, allerdings bin ich nach dieser erneuten Trödelfahrt über die B51 sehr für den Lückenschluss der A1 zwischen Blankenheim und Trier. Luxemburg würde dann noch ein Stückchen näher rücken, was ich durchaus gut finden würde. (Ja, manchmal muss ich egoistisch denken.)
Also, ich war zeitgerecht an der Halle und als ich den Saal betrat doch sehr überrascht: Gerade einmal 70 Leute tummelten sich im Innenraum. Dass die Rockhal nicht voll sein würde, hatte ich erwartet, dass es allerdings so leer sein würde, auch nicht. Seit wenigen Minuten legte ein DJ muntere und lange nicht gehörte Singles aus den 90ern auf: Belly, Buffalo Tom, Magnapop. Ein unterhaltsames Vorprogramm, dass die Zeit gut überbrücken sollte.
Da die Rockhal freies w-lan anbietet, kann ich noch ein bisschen lesen und mir die Zeit sinnvoll vertreiben. Gut für die Band, dass sich noch weitere Besucher in der Rockhal einfanden, so dass der Saal schlussendlich gut halbvoll war. Bis die Musiker auf der Bühne erscheinen sollten dauerte es noch eine gute Stunde. Nachdem der Lichtmann die Videoleinwand justiert hatte, alle Filme auf seinem Blackberry-Tablet ordnete und im Übereifer zweimal erst das Saallicht aus und wieder an stellte, trat gegen kurz vor 10 Evan Dando auf die Bühne.
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Maps & Atlases – Köln, 24.04.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Odonis Odonis

Es ist viel los in der Stadt an diesem Dienstag. für Chuck Prophet spielt im Blue Shell, die Stranglers (ja genau, die “Always the sun” Stranglers) im Luxor, Terry Hoax im MTC (ach je, die gibt’s noch!), Bernd Begemann im Gloria und Maps & Atlases im guten Gebäude 9. Letzteres ist das Konzert meiner Wahl und gleichsam eine berufliche Pflichtveranstaltung.
Als ausgebildeter Photogrammeter und fernstudierender Geoinformatiker sind räumliche Daten und deren Abbildungen mein tägliches Arbeitsbrot. Und wenn schon eine Band meine beruflichen Pflichten in ihrem Namen trägt (Bands mit Namen The Geodetics oder Projection: Ortho kenne ich nicht) muss ich sie natürlich unterstützen.
Vor 2 Jahren kaufte ich mir ihr Album „Perch Patchwork“ und war enttäuscht. Puhh, diese Platte klang auf das erste Hören folkig, für mich zu folkig und so landete sie kaum gehört im CD Regal und wurde nicht mehr angepackt. Als ich nun vor einigen Wochen die Konzertankündigung las, packte mich trotz allem das Gefühl, mir die Mannen aus Chicago ansehen zu wollen. Je näher der gestrige Tag rückte, umso intensiver suchte ich nach Videos und neuem Material, hörte und schaute mich um und entdeckte mal mehr mal weniger folkig aber interessante Melodien. Hatte ich mich etwa mit meiner Schnellschussmeinung über „Perch Patchwork“ geirrt? Sind Maps & Atlases gar nicht so folkig wie mir der Rasputinbart des Sängers Dave Davison vormachen wollte? Ich hörte „Perch Patchwork“ erneut und noch einmal und entdeckte vielschichtiges. Math-Rock, Math-Folk, das klang schon interessanter und ihr aktuelles Album, das letzte Woche veröffentlichte „Beware and be grateful“, bestätigte und ergänzte den durch Internet-Suchmaschinen gewonnen Eindruck.

Auf “Beware And Be Grateful” bewegen sich Maps & Atlases noch weiter weg vom Post- bzw. Mathrock, der ihre frühen Stücke prägte. Geblieben sind die technische Perfektion und die Spielfreude der vier Musiker. Dave Davison beschreibt den neuen Sound der Band so:
“Das klingt vielleicht ein bisschen schwammig aber ich würde unsere Musik als Experimentalpop oder Progressive Pop bezeichnen. Es gibt so viele Untergenres, aber es ist im wesentlichen Experimentalpop.”
Da verwundert es nicht, wenn man in Songs wie Remote And Dark Years Paul Simons Graceland zu hören meint oder sich mitunter an Peter Gabriel erinnert fühlt. (via detector.fm)

Na geht doch. Meine Neugierde stieg und die Freude auf den Abend wurde grösser.
Wir verabredeten uns für gegen halb zehn am Gebäude 9. Ein langer Arbeitstag und anderen Dinge ließen es nicht zu, dass ich es pünktlicher nach Köln schaffen sollte. So kam es, dass wir mindestens eine der beiden Vorbands (nämlich die Acedemies aus Köln) verpassen sollten. Als wir die Halle bestraten, spielte die zweite Band des Abends, Odonis Odonis aus Kanada. „Die Band spielt noch nicht lange“, ich habe die Worte der Kartenverkäuferin am Eingang noch im Ohr, als die drei Musiker 5 Minuten oder drei Songs später ihre Gitarren abschnallten und zusammenpackten.
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Manic Street Preachers – Köln, 22.04.2012

Ort: E-Werk, Köln
Vorband: Peace

„Zum ersten Mal hörte ich von Köln, als Tony Woodcock von Nottingham Forest zum 1. FC Köln wechselte und ich fragte mich, warum er nicht zu einem guten europäischen Klub geht.“ (Nikky Wire)

Das zeugt von großem Fußballsachverstand und beweist, dass die Manic Street Preachers schon länger leben. Bekanntermaßen wechselte der englische Nationalspieler 1979 als Europokalsieger der Landesmeister an den Rhein. Sieben Jahre später gründeten sich die Manic Street Preachers, 10 Alben haben sie mittlerweile auf dem Buckel. Die Manic Street Preachers gehören zu den Bands, die man einfach kennen muss. Ob gewollt oder nicht gewollt, „Motorcycle Emptiness“ aus den Anfangstagen oder „Kevin Carter“ und „The everlasting“ aus ihrer Hochzeit Mitte der 90er liefen in jeder ordentlichen Indiedisco und in jedem vernünftigen Radioformat. Da fiel und fällt Entkommen schwer.
Letztes Jahr veröffentlichten sie ihr zweites best-of Album (es ist also noch Luft nach oben), und spielten einige Weihnachtskonzerte in England. Die waren scheinbar so toll, dass sie das Konzept des „wir spielen Hits“ (allerdings ohne Weihnachten) in dieses Frühjahr und auf das europäische Festland transportierten.

Following a hugely successful end to 2011 with the release of the top ten singles collection ‘National Treasures’ and a celebratory sold out show at the O2 Arena in London in December, MANIC STREET PREACHERS will head out in April and May for their first European tour in ten years. (Homepage)

und

Die Tournee rund um ihre aktuelle Best-Of-Veröffentlichung „National Treasures“ markiert nun den Beginn einer weiteren Zäsur. Obwohl bereits ein neues Album mit dem Arbeitstitel „70 Songs Of Hatred And Failure“ in Vorbereitung ist, werden sich die Manic Street Preachers nach der anstehenden Konzertreise eine Auszeit nehmen. Denn „National Treasures“ kennzeichnet laut Nicky Wire „das Ende einer Ära. Nicht das Ende der Band, aber wir werden trotzdem für eine Weile verschwinden.“

Nun, das klang gut und ich wollte dabei sein. Ich möchte mich nicht als die-hard Fan bezeichnen, mag aber die Manic Street Preachers so stark, dass ich mir das Konzert nicht nehmen lassen wollte. „Motorcycle emptiness“, diese melancholische Hymne über den Kampf gegen die Perspektivenlosigkeit, war mein Einstieg in ihre Welt, und ihr erfolgreichstes Album „Everything must go“ war lange Zeit in meiner Kaufgunst weit oben. Zusammen mit „Generation terrorists“ und „This is my truth tell me yours“ bildet es meine Manic Street Preachers CD Sammlung. Klein aber fein, sag ich mal, denn meiner Meinung nach sind das die wichtigsten Alben der Waliser, die, wenn wir ehrlich sind, seit 10 Jahren keinen Hit mehr hatten.
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of Montreal – Köln, 19.04.2012

Ort: Werkstatt, Köln
Vorband: Yip Deceiver

Über of Montreal weiß ich nicht viel. Ich habe mir das neue Album zugelegt, weil ich die Single „Dour percentage“ sehr eingängig und interessant fand. Das war zu der Zeit, als ich Destroyer für mich entdeckte und mir die oberflächlich seichten Popmelodien mit ihrer heimlichen Verrücktheit, die beide Bands haben, sehr gefiel.
Dass of Montreal nicht aus Kanada sondern aus Athens kommt, war mir nicht klar. Macht aber nix, denn sowohl Kanada als auch Georgia sind schöne Orte, die ich gerne besuchen würde. Genau wie Winnipeg, einfach, um mal zu prüfen, ob diese Stadt wirklich hassenswert ist. Eine andere Geschichte…

Bitte was ist denn das Elephant 6 Kollektiv? Bei meiner Suche in Wikipedia fällt mir im ersten Satz diesen Ausdruck auf, den ich noch nicht gehört hatte. Weiter unter erklärt Wikipedia dann, of Montreal bedienen sich

„einen für viele der Elephant 6-Bands typischen Stil. Sie kombinieren musikalische Experimente mit den Grundzügen der Pop-Musik, wie eingängigen Melodien und mitzusingenden Refrains.“

Gut, das habe ich verstanden, ohne jedoch wirklich schlauer zu sein. Laut.de erklärt dann weiter:

„Zweifelsohne ist das in den neunziger Jahren gegründete Musikerkollektiv Elephant 6, dem auch Bands wie The Apples In Stereo oder Neutral Milk Hotel angehören, eine wichtige Koordinate für Of Montreal. Dem Labelsound, irgendwo zwischen knarzigem Indierock und ausuferndem Psychedelic Pop, fühlt sich auch Kevin Barnes in Grundzügen verpflichtet, der aber gleichzeitig wenig Berührungsängste hat, den Hybrid Of Montreal ständig weiterzuentwickeln.“

Aha, E6 war ein loser Band- bzw. Musikerzusammenschluss, das eifrig Kassettentapes austauschte und zusammen Musik machte. In den 90ern entstand dann daraus ein Plattenlabel. Eine gute Sache, das Hobby oder die Leidenschaft beruflich zu nutzen. Einen ersten Überblick über das Elephant-6 Imperium gibt ihre Homepage bzw. ein Besuch des ATP Festivals curated by Jeff Milk oder des Primavera, wo neben Jeff Milk’s Neutral Milk Hotel auch die E6 Band „The Olivia Tremor Control“ auftreten werden.
Doch zurück zu of Montreal: Seit 1997 hat die Band 11 Alben veröffentlicht, und mehrfach ihren Stil gewechselt. Am Anfang standen Lo-Fi Indie und Twee-pop, mittlerweile ist es eher 60s Rock und eine Mischung aus sämtlichen Musikstilen der letzten 30 Jahre. Das klingt anstrengend, und meine heimliche Befürchtung auf dem Weg nach Köln war denn auch die, dass es – wenn es blöd läuft – ein ebensolcher Abend werden könne. Beruhigenderweise lief es aber nicht blöd.
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Olli Schulz – Dortmund, 13.04.2012

Ort: FZW, Dortmund
Vorband: -

Die Ausrede, neue Platten von Konzertgebern nicht zu kennen, wird seit Spotify schwieriger. Wie schnell ist hier ein Album durchgehört, ein musikalisches Meinungsbild zusammengeklickt.
Als ich am Wochenende zum ersten Mal Spotify nutzte fragte ich mich, welches Album ich denn hören sollte. Nach kurzer Abwägung fiel die Wahl auf Olli Schulz aktuelle Platte „S.O.S. Save Olli Schulz“. Die kannte ich noch nicht und am Freitag wollte ich sein Konzert im Dortmunder FZW besuchen, da würde es mit einem Vorabcheck gut passen. Wie gesagt, die Zeiten des unvorbereiteten Konzertbesuchs scheinen vorbei….
So ein Vorabcheck hat aber auch einen kleinen Nachteil. Nämlich den, dass man von neuen Songs enttäuscht wird und so die Freude auf ein Konzert getrübt werden könnte. „Hoffentlich spielt er nicht so viel von den neuen Sachen“, ein Satz, den ich schon öfter gehört habe und der Vorfreuden dämpfen kann. Meistens sind zwar alle Befürchtungen überflüssig, aber unbewusst bin ich nach solchen Sätzen skeptischer und es ist erst mal am Musiker, mich direkt zu überzeugen und alles gut werden zu lassen. Ganz nach dem Motto: Nee, stimmt gar nicht.
Und noch ein Satz zu Spotify: Irgendwie finde ich es komisch, mir ohne zu zahlen aktuelle und weniger aktuelle Alben von Musikern anhören zu können. Bücher lese ich ja auch nicht im Buchladen und lege sie dann wieder zurück.
Zurück zu Olli Schulz. Sein neues Album kam mir nach dem ersten Hören ich in großen Teilen etwas schwächer als die Vorgängeralben vor. Eine Information, bei der es mir gereicht hätte, sie während des Konzerts zu erfahren. Nun gut, glücklicherweise leben Olli Schulz Konzerte zwar hauptsächlich, aber nicht nur durch und von seiner Musik. Olli Schulz ist bekanntermaßen auch ein großer Unterhalter, ein Geschichtenerzähler sondergleichen. Wer einmal ein Olli Schulz Konzert besucht hat, wird das bestätigen können. Aber auch hier liegt die Krücke im Detail. Wenn man Olli Schulz zu oft live sieht, kennt man alle Geschichten über Rammstein, Metaljugend und so weiter und der Erzählwitz geht verloren. Dieses sollte mir jedoch in Dortmund nicht passieren. Neues Album, neue Tour, neue Geschichten. Das ist zumindest das, was Olli Schulz hier verspricht. Von daher fand ich ein so la la „S.O.S.“ Album nicht allzu ärgerlich. Weiterlesen

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