Athlete – Köln, 14.10.2009

„Ach ist der Sänger süß. Ich bin verliebt“ hörte ich es neben mir sagen. Ja ja, diese Reaktion kann ich nachvollziehen. Ich verliebe mich auch ständig: In Sarah Bettens, Kim Gordon oder Sarah Cracknell. Und wenn ich ein Mädchen wäre und sechs Jahre jünger, dann hätte ich mich auch in den ungemein sympathischen Athlete Sänger Joel Pott verliebt. Ach was, in alle fünf. Die Briten sind auf so unspektakuläre Weise spektakulär, die muss man einfach mögen. Das ist der Phoenix-Faktor.
Genau, richtig gelesen, es waren fünf Musiker auf der Bühne. Zu der Viererstammbesetzung mit Joel Pott, Carey Willets, Tim Wanstall und Stephen Roberts gesellte sich ein weiterer Gitarrist.

Wie viele Menschen mögen Athlete wohl in England? Das fragten wir uns zu Beginn des Konzertes, dass keine Vorband kannte und daher genug Freiraum zur launigen Unterhaltung bot. Wir kamen auf keinen gemeinsamen Nenner, aber waren uns einig, dass es auf alle Fälle mehr sein müssten als bei uns.
So war das Luxor denn auch “nur” gut gefüllt und nicht ausverkauft. Eine ziemlich heterogene Gruppe hatte sich Karten für diesen Abend besorgt, eine typische Zielgruppe konnte ich nicht ausmachen. Athlete sind also Mainstream, ohne vom Mainstream eingenommen zu werden. Radiospielzeit haben sie zumindest bei Kölner Rundfunksendern keine, und warum das so ist, versteh ich überhaupt nicht. Interessant.
Dabei gibt es viel schlechteres, was medial durchgehypt wird. Aber gut, möchte ich es egoistisch positiv sehen, dann liegt der Vorteil darin, dass Athlete weiterhin in kleinen Klubs spielen müssen/ dürfen, und die Liveerlebnisse im entspannteren Rahmen bleiben. Da überlaß ich Coldplay oder Snow Patrol gerne das Stadion.
Mit „Wires“, „Hurricane“ oder dem wunderbaren „24 hours“ haben Athlete Songs geschrieben, die perfekter Pop sind.
Wer gemein sein möchte könnte die Songs auch als Pärchenmusik abtiteln. Dann wäre es allerdings unpeinliche Pärchenmusik, die auch uns Jungs begeistert, da sie den gewissen Britpopindieschmiss mitbringt, der sie nicht zu platt-kitschig erscheinen lässt. Aber zu Athlete möchte niemand gemein sein!
Ich erwartete nicht viel von diesem Abend, das aktuelle Album „Black Swan“, das ich nun zwei, dreimal durchgehört hatte, sprach mich nicht auf Anhieb an und überdies waren Athlete bei mir nicht mehr so präsent wie in den Jahren davor. Gleichsam gab es mit den Pixies und The xx zwei für mich bedeutendere Konzerte, auf die ich mich im Vorfeld viel mehr freute.
Aber, ich hatte noch dieses wunderbare Liveerlebnis von vor zwei Jahren im Kopf, als ich die Briten an gleicher Stelle schon einmal sah, und sofort angetan war von den extrem guten Livequalitäten Athletes. Damals wusste die Band sofort zu begeistern und es war für mich eines der Konzerthöhepunkte des Jahres.
So kaufte ich ohne zu zögern eine Karte und hoffte insgeheim, dass sie nicht allzu viel neues Material spielen werden. Und in der Tat, die drei, vier fünf neuen Stücke fielen mir gar nicht sonderlich auf, wenn ich das unsägliche „Black Swan“ mal ausklammere. Das Set war eine tolle Mischung aus allen Alben, eigentlich fehlte nur noch „Tokyo“ zum perfekten Athlete- Glück.
Ansonsten hatten sie alle meine Lieblingslieder mit dabei, und als der zweite Song des Abends mit diesem typischen Plubberbeat eingeleitet wurde, hatten sie mich. „You got the style“, das Stück von Vehicles & Animals, dass mich auf Athlete aufmerksam machte.
Vor einiger Zeit hatte ich für mich eine simple Definition für den Unterschied zwischen einem guten und einem besseren Konzert entwickelt. Bekomme ich während eines Songs Gänsehaut (nein, nicht weil die Klimaanlage zu stark eingestellt ist und mir kalt wird), dann ist es ein besseres Konzert. Gestern war es ein besseres Konzert, denn als „Hurricane“ erklang, war es soweit. Der Gänsehaut Moment war da.
Der Rest ist schnell erzählt. Athlete zeigten große Spielfreude und Sänger Joel Pott weiß, die ersten Reihen zu unterhalten.
Als zur letzten Zugabe „Wires“ angestimmt wurde, waren alle im Luxor restlos begeistert. Es war ein gutes Ende eines tollen Konzertabends.
Auf dem Rückweg unterhielten wir uns noch ein wenig über das erlebte und kamen unisono überein: Athlete sind live eine Hausnummer für sich und viel intensiver als auf Konserve.
Und ja, Athlete sind genau nach unserem Geschmack!!

Setlist:
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Multimedia:
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Kontextkonzerte:
Athlete – Köln, 12.12.2007

Editors

Das neue Editors Album wird viel besprochen und diskutiert. Die neue musikalische Ausrichtung der Band polarisiert und begeistert in gleichen Teilen. Ich habe “In this light and on this evening” gestern um ersten Mal gehört. Und nach diesem Hördurchgang stelle ich fest: es gefällt mir sehr!
Die Giorgio Moroder Keyboards und die Blade Runner oder Terminator Sounds (wie ich im KStA las) sind doch mal was anderes und kein soundsovielter Abklatsch der aktuell recycelten 80er Klänge.
Transportierten die Killers im letzten Jahr mit Day & Age die unschöne Seite dieses lustigen Jahrzehnts, so kümmern sich die Editors auf “In This Light And On This Evening” um den guten Rest.

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Sarah Bettens – Köln, 12.10.2009

Zwei kleine Geschichten ranken sich um diesen – aller guten Dinge sind drei – erneuten Kulturkirchen Konzertabend.
Welche mich von den beiden mehr geärgert hat, ich glaube, es schwankte minütlich. Die eine handelt von verpassten Gelegenheiten, die andere Geschichte von nur-ich Menschen.
Da letztere leider zum heutigen Sozialverhalten einiger Mitmenschen gehört, ich das trotzdem nicht toll finde, es mich ab und an aufregt, sei es kurz erwähnt.
Folgende Situation: Die Kulturkirche war gestern Abend bestuhlt, die Kirchenbänke waren nicht entfernt worden und so war logischerweise der vordere Bereich für zu-spät-Kommer erledigt. Auch an den Seitenwänden ständen Bänke, auf denen Leute saßen. Von hier hatte man nicht überall uneingeschränkten Blick auf die Bühne, zwei Kirchenpfeiler versperrten an bestimmten Sitzpositionen die Sicht. Soweit so gut. Im laufe das abends kamen immer mal wieder Leute auf der Suche nach guten Plätzen vorbei, sahen den Pfeiler und entdeckten ihn als ideale Anlehnstehstation. Bevor sie es sich jedoch gemütlich machten, schweifte ihr Blick einmal um ihre Achse, und als ihnen nach kurzer Rücksprache bestätigt wurde, dass sie dem ein oder anderen die Sicht versperrten, suchten sie sich einen anderen Platz. Das ist nett, das ist feinstes menschliches Verhalten. Kurz vor Sarah Bettens kamen wiederum zwei vorbei und freuten sich, dass an besagtem Pfeiler noch ein tolles Plätzchen für sie frei sei. Schwupps wurde dieser okkupiert, rücksichtsvolles Nachfragen bei den hinter ihnen sitzenden fiel natürlich aus. Das ist nicht höflich und hässlichstes menschliches Verhalten. Wer jetzt sagt, „na ja, die hinter ihnen sitzenden hätten ja was sagen können“, der verdreht hier irgendwas. Dass das ganze schlussendlich nicht im Dilemma endete lag daran, dass die anderen dann einfach auch aufgestanden sind. „Na dann ist ja nichts passiert, reg dich doch nicht auf.“
Darum geht es mir nicht. Es geht mir um das nur-ich denken, um das, „was kümmern mich die anderen, sollen die sich doch melden“. Das Prinzip „Rücksicht von sich aus“ haben einige verlernt. Das find ich schade. Und wer zu spät kommt, nun ja, der kann halt nicht mehr an die perfekten Plätze. Auch nicht bei einem Konzert. Man sollte seine Höflichkeitsregeln nicht an der Garderobe abgeben. Ach ja, in der Kulturkirche gibt es keine Garderobe. Na dann…
So, zurück zu Frau Bettens.
Vor ungefähr vier Wochen erhielt ich um eine Ecke das Angebot, ob ich nicht Lust hätte, Sarah Bettens zu interviewen. Au Mann, dachte ich, wär‘ was. Einer meiner drei Lieblingssängerinnen der 90er gegenüberzusitzen und schlaue und bescheuerte Fragen zu stellen. Also, warum nicht? Tja, da hatte ich die Rechnung ohne mein zweites Ich gemacht, das immer mehr Zweifel und aufkommen ließen, die den Respekt in unendliche Höhen schraubten und mich dann zu einer Absage zwangen. Ich Feigling.
Und so kam ich am Montagabend kurzfristig in die Nippeser Lutherkirche und ließ mich nur von der Musik und der reinen Bühnenpräsenz Sarahs beeindrucken. Musikalisch lief in eine von mir erwartete Richtung. Das gut 70minütige Set war eine Kombination aus eigenen Song, Familiensongs und Coverversionen. Die Coverversionen von Juli London und Neil Young kannte ich schon, unter anderem von der letztjährigen Theatertour. Damals hatte sie nur Coverversionen ihrer Lieblingskünstler gespielt. Es war ein interessanter Abend.
Ich war mir im Vorfeld nicht sicher, ob es in Köln nicht ähnlich laufen wird. Das hätte mich geärgert, denn – so schön die Coverversionen in Heerlen auch waren – etwas vom Künstler selbst geschriebenes zu hören ist besser. (Ich mag auch keine Coverbands!). Doch nach den ersten vier Stücken war klar, dass dies kein reiner Coverabend wird. Es gab nämlich bis dahin nur eigene Werke.
Große Freude herrschte, als Sarah ein neues K’s Choice Stück ankündigte.
„If this isn’t right“ hatte ich schon in Hamont gehört. Ich mochte es schon damals, aber jetzt im kleinen Kreis, also nur mit Pianobegleitung und Akustikgitarre gefiel es mir um einiges besser.
Apropos K’s Choice. Bildete ich mir das nur ein oder gab es den lautesten Applaus als Sarah in der Ankündigung des neuen Songs erzählte, dass die K’s Choice im nächsten Monat ins Studio begeben, um ein neues Album einzuspielen. Veröffentlicht werden soll es Anfang nächsten Jahres. Bestimmt bildete ich es mir nur ein.
Denn das Größenteils weibliche Publikum klebte förmlich an ihren Lippen und sog jeden Gitarrenzupf gnadenlos auf. Entsprechend hoch der Wert auf dem Applausometer nach den Songs.
Sarah Bettens hat es geschafft, sich eine eingeschworen Fanbase zu erspielen und so war ich nicht sonderlich überrascht, dass ihr Konzert in der Kulturkirche fast ausverkauft war; auch ohne große Werbetrommel.
Und wie immer mit Sarah, so war es auch gestern ein toller Abend. Es war das erste Mal, dass ich die Kulturkirche bebankt erlebt habe. Sehr gemütlich, sehr angenehm.

Auf der Rückfahrt auf der A57 höre ich Thees Uhlmann aus dem Radio tönen:
„Weißt du was du mir bedeutest?
Auf einem Platz in meinem Herz
Steht dein Name an der Wand
Und ich will dass du es erfährst“

Setlist:
01: Win me over
02: I can do better than you
03: Pave the way
04: Scream
05: If this isn’t right (K’s choice – neu)
06: Daddy’s gun
07: Cry me a river (Julie London)
08: I will carry you (Woodface)
09: Shine
10: She’s out of my life (Michael Jackson)
11: Come over here
12: Slow you down
13: The needle and the damage done (Neil Young)
14: Rescue me
15: I can’t make you love me
Zugabe:
16: Too many happy faces (?)
17:?

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
K’s Choice – Hamont, 06.08.2009
Sarah Bettens – Heerlen,17.11.2008
Sarah Bettens – Köln, 09.12.2007

Pixies – Frankfurt, 11.10.2009

Doolittle, wie lange habe ich dieses tolle Album nicht mehr gehört? Nein, 20 Jahre ist es nicht her, aber zwei, drei Jahre bestimmt. Das ist das blöde an der Musikindustrie, sie produziert immer neue Alben und spült neue Bands an die Oberfläche, die die Etablierten aus dem Blickfeld kegeln.
Das passiert schnell, und so wundert man sich, dass man die Lieder seiner späten Jugend jahrelang nicht vermisst. „Debaser“, „Monkey gone to heaven“, „Here comes your man“.
Was war ich verrückt nach Kim Deals Bassspiel, nach den wechselweise in Schreigesang oder harmonische Melodien abdriftenden Songs der Pixies. Diese Band war maßgeblich beteiligt an meiner musikalischen Sozialisierung.
Das alles ist 20 Jahre her. Also Schwamm drüber. Halt, nicht so schnell. Gestern spielten die Pixies in Frankfurt. Das sollte nicht unerwähnt bleiben.
Die Band nahm den runden Geburtstag ihres zweitbesten Albums als Grund für eine kleine Tour, auf der sie „Doolittle“ entsprechend zu würdigen versuchen. Alle Songs des Album sowie Material aus den um Doolittle herum produzierten Single B-Seiten wollten sie live umsetzen.
Und das haben sie getan. Sehr konsequent sogar. Das bedeutete aber auch, dass wir in Frankfurt kein „Caribou“, kein „Where is my mind?“ und kein „Gigantic“ zu hören bekamen. Oder „Dig it for fire“, ein grandioser Song.
Als Zugabe nach dem Doolittle Block spielten sie stattdessen „Something against you“, „Isla de Encanta“ und „Vamos“. Auch nicht schlecht, aber eben nicht das, was ich mir erhofft hatte.
Speerspitzen des Abends waren natürlich die drei Übersongs „Debaser“, „Monkey gone to heaven“ und „Here comes your man“. Aber auch „Hey“ und das infernalisch herausgeschriene „Tame“ waren sensationell.
Ich hatte keine großen Erwartungen an den Abend, kamen mir die Pixies in diesem Jahrtausend als zu selbstgefällig (Black Francis oder Frank Black, wie man möchte) oder einfach nur bemitleidenswert (Kim Deal) vor. Die Reunion vor einigen Jahren hatte für mich einen reinen Geldmach-Charakter und es ist gut, dass sie im Zuge der Reunion keine neuen Songs produziert haben. Sie hätten damit nichts gerissen, denn wenn wir ehrlich sind, ist die Zeit der Pixies um. So war die Frankfurter Festhalle bei weitem nicht ausverkauft. Ich hatte das auch nicht erwartet, erwartet hatte ich indes einen Haufen Enddreißiger, Anfang vierziger in schwarzen T-Shirts und gut situiert als Publikumshauptgruppe. Ganz so wie der Mann in schwarz mit den leicht grau melierten Haaren, der mich auf der A3 in seinem silbernen PT Cruiser überholte.
Pixies Publikum dieser Tage nach meinen Vorstellungen. Ha, völlig daneben und auch unsere Schätzung bezüglich des Alters und des Frauenanteils im Publikum zeigt, dass wir von diesen Dingen keine Ahnung haben.
Nach den Nirvana Clowns Klons von Dinosaur Pile-Up starteten Frank Black, Kim Deal, Gitarrist Joey Santiago und Schlagzeuger David Lovering zügig in den Abend. Nachdem ein Vorfilm, es wurden Ausschnitte aus dem sehr alten Stummfilm “Un Chien Andalou” gezeigt, die letzten Minuten bis zum Bühnenauftritt überbrückten, kamen die ersten musikalischen Klänge in Form von „Monkey gone to heaven“ B- Seiten.
Ratz Fatz waren die durch und eh wir uns versahen erklang „Debaser“. Doolittle, um das es hier schließlich ging, wurde anschließend eins zu eins umgesetzt. Da das aber nur die halbe Geschichte ist, und noch ein paar B-Seiten fehlen, überdies ist Doolittle mit 38 Minuten Spielzeit nicht sonderlich abendfüllend, schoben sie noch „Into the white light“ und ein zweites Mal „Wave of Mutilation“ hinterher. Es fehlte ja noch die UK Surf Version.
Zu mehr reichte es denn aber nicht.

Hey, been trying to meet you, mmmmmhhhhhh….. Nach 18 Jahren ist es mir wieder geglückt.

Setlist:
01: Dancing the Manta Ray
02: Weird at my school
03: Bailey’s Walk
04: Manta Ray
05: Debaser
06: Tame
07: Wave of Mutilation
08: I bleed
09: Here comes your man
10: Dead
11: Monkey gone to heaven
12: Mr. Grieves
13: Crackity Jones
14: La la love you
15: No.13 Baby
16: There goes my gun
17: Hey
18: Silver
19: Gouge away
Zugabe I:
20: Wave of Mutilation
21: Into the white light
Zugabe II:
22: Something against you
23: Isla de Encanta
24: Vamos!

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
The Breeders – Köln, 22.04.2008

Pompeii – Dortmund, 07.10.2009

Es ist nichts los im Dortmunder Freizeitzentrum West. Der langjährige Dortmunder Klub hat sich nach seinem Umzug in die Nähe des alten Unionsbrauereigeländese verstärkt dem Ausrichten von Konzerten verschrieben. Auch früher fanden im alten FZW Konzerte statt, aber in der neuen Umgebung mit der größeren und aufgeräumteren Halle werden auch „dickere“ Akts in die Bierstadt gelockt. Phoenix spielen hier im November, The Notwist im Dezember. Eine solche Konzertvielfalt hat diese Ruhrgebietsstadt länger nicht gesehen. Ich hoffe für die Betreiber, dass der Publikumsandrang entsprechend ist und der Laden auch im nächsten Jahr in ähnlich ambitionierter Form weitermachen kann. Es wäre dem Dortmunder Indie-Publikum zu gönnen.
Gestern versteckte es sich allerdings in den eigenen vier Wänden. Rund um das FZW war es nahezu menschenleer.
„Hast Du ne Pfandflasche“, fragte mich der Leergutsammler, der verloren auf der Straße auf- und abging. Ich verneinte und da wir beide nichts anderes zu tun hatten, begannen wir ein Gespräch. „Wer spielt hier heute, Pompeji, ne?!“ Der Mann schien gut informiert, und in den nächsten Minuten sollte ich noch einige interessantes Innenansichten aus der Leergutbranche, wie er es nannte, erhalten. Zwei große Plastiktüten Glasflaschenleergut wiegen ungefähr 40 Kilo und bringen 8 € Pfandgeld. Er kannte alle Veranstaltungshallen im Ruhrgebiet und Köln. E-Werk und Palladium seien lohnenswerte Orte, ebenso das Rheinenergiestadium. Köln biete generell mit den Kauflandöffnungszeiten bis 24 Uhr optimale Umtauschbedingungen, allerdings müsse er vor jeder Fahrt abwägen, denn die Zusatzkarte zum VRR-Verbundticket darf nicht negativ zu Buche schlagen. „Der Unterschied Bruttoeinnahme und Nettogewinn darf nicht zu groß sein.“ Ansonsten sei es kein leichter Job. Die schweren Taschen, die Konkurrenz unter den Sammlern („Wenn einige eine Flasche riechen, dann hast Du keine Freunde mehr.“) hinterlassen Spuren. Er erzählte noch einige Anekdötchen und Geschichten. Am meisten ärgere ihn jedoch das teilweise schreckhafte Verhalten der Besucher. „Wenn wir sammeln, dann halten einige ihre Taschen fester. als ob wir klauen wollten.“ So verging die Zeit, und nachdem wir uns verabschiedet hatten, ging ich nachdenklich in Richtung Eingang.
Im Klub sah es nicht betriebsamer aus. Gerade mal 20 Zuschauer wollten Pompeji sehen und hören. Das war nicht viel, wenn es nach mir ginge, hätte es die zehnfache Zahl sein müssen, denn Pompeii ist eine tolle Band. Noch mal: Pompeii ist eine tolle Band!
Vor fünf Wochen habe ich die Band entdeckt und war sofort begeistert. Amerikanischer Indiepop. Ich mag diese Spielart besonders gern, und wie es so ist, was man selbst toll findet, so glaubt man, müssen auch andere toll finden. Aber die Welt ist nicht gerecht.
So wirkte das FZW wie ein trostloser Herbsttag, als die vier Austiner die Bühne betraten. Dean Stafford, Erik Johnson, Colin Butler, Rob Davidson leben, wohnen und arbeiten in Amerikas heimlicher Musikhauptstadt.
Die Band gründete sich 2004. 2006 veröffentlichte sie mit „Assembly“ ihr erstes Album, 2008 folgte mit „Nothing happens for a reason“ der Nachfolger. Soweit der Biographiesprint.
Als ich hörte, dass die Band im September auf ihre erste Europatour geht, freute ich mich sehr. Vor allem auf Caitlin Baily’s tolles Cellospiel. Setzt sie doch mit ihrem Instrument die feinen Akzente in den Pompeii Songs.
Doch als im FZW nur vier Jungs die Bühne stürmten war klar, dass Caitlin Baily’s nicht mit nach Europa gekommen war. Auf ihr bittersüßes Spiel musste ich also (leider) verzichten. Dafür hatten sie eine andere Überraschung für mich parat.
Live klingen Pompeii eher nach Film School als nach RaRaRiot oder ähnlichen US-amerikanischen Indiebands. Wer „Nothing happens for a reason“ kennt, mag sich jetzt vielleicht wundern, und sind Film School nicht eher eine dieser neuen amerikanischen shoegazeraffinen Bands? Richtig, genauso wie die kombinierte Schlussfolgerung, dass die Songs live gitarrenlastiger interpretiert werden. Das Cello wird durch die Gitarre ersetzt, und die leisen Momente der CD finden so gut wie gar nicht statt. Dean Stafford und Erik Johnson blicken ganz schön oft zu Boden, „Rabbit ears“ und das abschließende „Nothing happens for a reason“ enden im Gitarrensalsa, dass es Sänger Dean Stafford gar auf den Boden wirft.
Das sieht in einem leeren Klub skurril aus. Nur gut, dass er nach dem ersten Song seine Brille abgesetzt und auf eine der Boxen gelegt hat.
Das Liveerlebnis stellt die Band in einen anderen, in einen rockigeren Kontext. Das traut man den Songs so nicht unbedingt zu, macht die Sache aber spannender.
Pompeii haben überzeugt.

Setlist:
01: Where we’re going, we don’t need roads
02: The Viking
03: False Alarm
04: Assembly
05: Ready / Not Ready
06: Rabbit ears
07: Knots
08: Nothing happens for a reason
Zugabe:
09: Sit and wait
10: Relative is relative

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Health

Health, die Zukunft des Rock, so sagt man. Die Noise Rock Band aus Los Angeles ist derzeit vielermanns Liebling, ihre zweite Veröffentlichung „Get color“ gern gehörte Platte bei vermeintlichen Experten.
Benjamin Jared Miller, Jake Duzsik, John Famiglietti und Jupiter Keyes machen Musik, die man so lange nicht mehr wahrgenommen hat. Und sie haben schöne Merchandise T-Shirts.
Bitte zuschlagen, Gelegenheit gibt es unter anderem hier:
13.10. München
14.10. Leipzig
15.10. Hamburg
16.10. Berlin
17.10. in Köln
18.10. Heidelberg
28.10. Brüssel

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