Take that oder was?!

Pavement

Zu schade um in der Vergessenheit der digitalen Welt zu verschwinden. Vor ziemlich genau einem Jahr postete ich ein Video, das ich jetzt wiederentdeckt habe.
Was haben Kurt, Krist und Dave mit Gary, Mark, Howard und Jason gemeinsam? Nun, nicht viel, oder eigentlich gar nichts, möchte man sagen. Wäre da nicht dieses eine Liveschnipselchen aus dem Jahr 1995…
Seht selbst, und nicht vergessen, den Mund wieder zuzumachen.
Zurück in die Vergangenheit: Take That singen “Smells like teen spirit“. Und die Artikelüberschrift von damals gilt noch immer: Es tut so weh!

Brett Anderson – Köln, 25.01.2010

Kalt ist es draußen. Bitterkalt. Ich betrete die Regionalbahn über vereiste Bahnsteige. Was wird das heute Abend geben? Ex-Suede Mann Brett Anderson spielt im Luxor, und ich fahre hin. Angefixt durch die lange, konzertlose Zeit fiebere ich dem Abend entgegen. Oh Gott, Entzugserscheinungen.
Ich werde, bzw. ich möchte mich überraschen lassen. Das scheint der Antrieb zu sein, bei diesem Mistwetter die warme Wohnung zu verlassen. Denn, ich muss gestehen, ich kenne keinen einzigen Song aus Brett Anderson’s Solo- Schaffenswerk. Was natürlich kein Grund ist, nicht hinzugehen. Ich mag Suede, und hab eine kleine Ahnung von dem, was mich erwarten könnte.
Ich bin wegen der Stimme hier. Wegen Brett Anderson’s Gesangsstimme. Schon zu Suede Zeiten fand ich dieses sehr markante Organ sehr toll. Ich spar’ mir jetzt eine adjektivbelastete Beschreibung, ich denke, es ist klar, was ich meine.
Nur Suede sind lange vorbei. Seit 2003 existiert die Band nicht mehr. Drei Soloalben hat Brett Anderson seit dieser Zeit produziert, zwischendurch gab es noch das quasi Suede Projekt mit Bernard Butler Namens „The Tears“. Ruhig war es also nie um ihn, nur an mir sind diese Phasen komplett vorbeigegangen.
Zurück ins Luxor.
Brett Anderson hat sein Handwerk nicht verlernt. Beim zweiten Song steht er bereits am Bühnenrand, greift Hände und lässt sich ohne Scham von der ersten Reihe anhimmeln. So habe ich ihn in Erinnerung. Vor einigen Jahren sah ich ihn in der Live Music Hall. Damals versuchte ihn ein eingegipstes Bein in seinem Bewegungsdrang zu bändigen. Es gelang dem Gips nicht immer. Zwar musste er die meiste Zeit des Konzerts auf einem Hocker sitzen, aber das tat er mit der gleichen Intensität wie Eddie Vedder im Jeremy Video. Ja, ja, Brett Anderson ist ein feiner Entertainer.
Viele, oder alle (?) im gut gefüllten Luxor kennen ihn von früher. Und ich vermute, dass nicht wenige auf den einen oder anderen Klassiker spekuliert haben. Aber natürlich spielte die Band keine Suede Schinken. Die Zugabe kündigte Herr Anderson mit „dies ist ein Song aus alten Zeiten“ an. Kurz keimte Hoffnung auf, das war links und rechts, vor und hinter mir deutlich zu spüren. „Ich möchte euch auf eine lange Fahrt zurück mitnehmen“. Ahhhh. “Zurück nach 2007.” Ohhhh. Die “memory lane” war also nicht besonders lang. “Back to you“ erklang und bildete einen würdigen Konzertabschluss.
Die vorherigen 90 Minuten waren ebenso unterhaltsam wie dieser kleine Monolog. Brett Anderson hatte seine Band mitgebracht. Bassist und Gitarrist flankierten ihn an den Seiten (lustig zu sehen, dass die Schräglage der Köpfe zu ihren Positionen passte. Der Bassist links am Bühnenrand neigte den Kopf zur linken Seite beim Bass spielen, der Gitarrist neigte den Kopf zur rechten Seite.), das Schlagzeug positionierte sich im Hintergrund. Allesamt solide Handwerker. Leider war die eigentliche Instrumentensensation sehr weit hinten links auf der Bühne versteckt. Keyboarderin / Pianistin Angie Pollock, die auch schon Peter Gabriel live unterstützte, sah man den Abend über kaum oder gar nicht. Sehr schade, sie verrichtete einen hervorragenden Job, sie war die heimliche zweite Kraft auf der Bühne. Ein bisschen mehr Rampenlicht hätte ihr gut zu Gesicht gestanden.
Der Abend begann schmissig. Auf so viel „Gitarrenlärm“ war ich gar nicht vorbereitet. Nach den ersten beiden Songs versprach ich mir, Brett Andersons Soloalben demnächst zu kaufen.
Nach einer guten halben Stunde, mittlerweile war etwas Ruhe in die Bühnenshow eingekehrt, verließen die Begleitmusiker die Bühne. Der elder statesman klimperte zwei Songs auf der Akustikgitarre. Die anschließenden ein, zwei Songs schipperten in ähnlich seichten Gewässern. Das war der Moment, in dem das Konzert seinen kleinen Durchhänger hatte.
Zum Ende hin wurde es dann wieder lauter, was der Veranstaltung besser tat. Zum einen musste ich dann nicht – gezwungenermaßen – den Gesprächen vor mir lauschen (weil ich sie dann nicht hörte), zum anderen kam dann der Anderson Pathos erst richtig schön zur Geltung. Denn Pathos war immer dabei. Anderson spielte damit, wirft sich in Pose, gestikuliert, greift Hände, will der Mittelpunkt sein. Theatralisch, aber nie überkandiert. Die Gelassenheit des Alters, so scheint es, lässt es ihn nicht übertreiben. Brett Anderson ist sich seiner Rolle bewusst, er genießt sie sichtlich. Und er freut sich über so viel entgegengebrachte Sympathie. Macht einen sehr netten Eindruck, der Herr Anderson. Und das Luxor betreibt ein wenig Heldenverehrung.
Brett Anderson hat es geschafft. Er ist dem Suede Schatten entkommen, er hat genug gute eigene Songs, die ihn durch ein Konzert bringen. Er braucht die alten Hits nicht, um sein Publikum zu begeistern. Das ist auf der einen Seite toll, auf der anderen Seite ein bisschen schade. Gerne hätte ich, so als letzte Zugabe, einen Klassiker gehört, „Beautiful ones“ zum Beispiel. Es wäre das i-Tüpfelchen gewesen, und uns hätte es gefreut.
Er komme gerne nach Deutschland, ließ er uns wissen, und er freue sich, dass es hier von Mal zu Mal besser funktioniert. Na dann schau mal schnell wieder vorbei!
Der Abend war eine schöne Überraschung!

Setlist:
01. Hymn
02. Wheatfields
03. The hunted
04. Ashes of us
05. Frozen roads
06. Leave me sleeping
07.Summer
08. Julian’s eyes
09. The Swans
10. The Empress
11. Clowns
12. Chinese whispers
13. A different place
14. To the winter
15. Love is dead
16. Song for my father
Zugabe:
17. Scarecrows and lilacs
18. Funeral mantra
19.Back to you

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
-

mob – Mich kriegt ihr nicht

mob - Mich kriegt ihr nichtMeine Oma stammte aus Österreich, aus der Nähe St. Pöltens. Mein Vater mochte Udo Jürgens und Andy Borg mehr als andere Schlagerfuzzies und auch ich möchte eine Affinität zu Österreich und österreichischen Künstlern nicht leugnen. Aktuell ist Frau Anja Plaschg mein Favorit, und überhaupt: Christina Stürmer kann ja wohl mehr als alle deutschen Castingmonster zusammen. Und wenn ich zwölf wäre und ein Mädchen, wären Herbstrock meine Lieblingsband.
Wien ist die Hauptstadt des Landes. Das charmante Wien. mob kommen aus dieser Stadt. mob wollen kleingeschrieben werden. Raphael Sas (Gesang, Gitarre), Christian Franke (Bass), Manuel Prenner (Schlagzeug) und Stefan Franke (Klavier) bezeichnen sich auf ihrer MySpace Seite als melodisch-lyrische Zuckerbäcker mit Tiefgang. Wer jetzt Sachertorte, Demel und Kaffeehaus assoziiert, nun gut, der ist selbst schuld.
mob machen Musik. “Mich kriegt ihr nicht“ heißt ihr Debütalbum, das vor kurzem veröffentlicht wurde. Lieder im dreiviertel Takt. Gar nicht klebrig und süß.
Beim hören der ersten Songs fallen mir spontan Element of Crime ein. Akustisches Gitarrenspiel mit Klavier, diese Nummer halt. Dazu singt Raphael Sas mit ruhiger, überlegter Stimme nachvollziehbare Texte. Zeitweise ein wenig zu vorhersehbar, na gut, das passiert.
Die lustige Sequenz am Mittagstisch dazu: Es läuft “Du bist gegangen”. Am Ende der Zeile “Du bist gegangen, und ich bin noch hier, ich steh seit Tagen”, eine kurze Pause. Eine Freundin, die mit am Tisch sitzt, vollendet gedankenverloren “…vor dieser Tür”. mob vollenden ähnlich souverän “… vor dieser Tür”. Wir schmunzeln. Menschen gehen meistens durch Türen, so ist es eben. “Fehlt nur noch ein Klavier”, sagte sie Sekunden später, kurz bevor das Klavier einsetzt.” Das erinnert mich jetzt aber sehr an meine schlimmsten Kindheitsmusikerinnerungen: Franz Josef Degenhardt und Bettina Wegener.” Bettina Wegener kenne ich im Gegensatz zu den anderen nicht. Allen ist “Sind so kleine Hände” ein Begriff, mir nicht.
Von dieser 70er Jahre protestangehauchter deutscher Singer-Songwritermusik (mittlerweile hatte ich Bettina gegoogelt) sind mob aber einiges entfernt. mob sind nicht in erster Linie sozialkritisch, mob sind Geschichtenerzähler. Und Tagträumer?! Vielleicht. Die Musik lädt ein zum im Sessel sitzen und träumen. Das Klavier dominiert viele der dreizehn Songs. Melancholie hängt in den Melodien. Moll ist die Grundstimmung. Es ist jedoch kein trauriges Moll, eher ein nachdenkliches. In diesen Momenten sind mob sehr chansonhaft. Aber sie können auch Pop, in “Fast jeden Tag” zum Beispiel, der ersten Singleauskopplung. Doch so ganz nehme ich das ihnen nicht ab.
Ich habe in letzter Zeit viel von Benjamin Biolay und / oder Dominique A gehört. Unfreiwillig, gebe ich zu. Und da ich die beiden Franzosen nur schlecht auseinanderhalten kann, weiß ich nicht genau, von wem was kam. Das tut auch nichts zur Sache, denn beide Künstler stehen mehr oder weniger für den neuen französischen Pop, den nouvelle pop francaise. Und im übertragenen Sinn ist das, was mob auf “Mich kriegt ihr nicht“ machen, nichts anderes. Neue deutschsprachige Musik. Melodiös, melancholisch, intelligent, unaufdringlich. Oder in einem Wort: Schön!
Für Menschen, die Element of Crime mögen, unbedingt zu empfehlen!
Viel Spaß beim Hören!

Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Mich kriegt ihr nicht
02) Was mit uns passiert
03) Zusammen weg
04) Was es war
05) Schlag dich
06) Ein kurzes Lied über die Liebe
07) Nur Worte
08) Sterne
09) Fast jeden Tag
10) Der Augenblick
11) Du bist gegangen
12) Für uns
13) die Musik

Links:
facebook
mySpace
Label

Seite 80 von 175« Erste...102030...7879808182...90100110...Letzte »