Stephen Malkmus – Köln, 09.06.2012

Ort: Dachterrasse des Museums Ludwig, Köln
Vorband: ???
“I cannot even do one sit-up
Sit-ups are so bourgeoisie
I’m busy hanging out and spending your money”
(Stephen Malkmus and the Jicks – No one is (as i are be))

In kleinen, intimen und beschaulichen Momenten fallen selbst mir textliche Meisterleitungen auf.
Das Stephen Malkmus Solokonzert am Samstagnachmittag war ein solch beschaulicher Moment. Einmal Carpenters, mehrmals Pavement und ganz oft the Jicks, so einfach lässt sich das Konzert auf der Dachterrasse des Kölner Museums Ludwig zusammenfassen.
Auf Wunsch der Tochter gab es als letzten Song „Unfair“ vom Pavement Durchbruchalbum „Crooked rain, crooked rain“. Es sei ihr Pavement-Lieblingslied, so der Papa, am besten gefalle ihr die „credit card in the air“ Passage. Der Musikgeschmack im Hause Malkmus scheint auch in der nächsten Generation klar und gut positioniert.
Zum perfekten Freiluftnachmittag fehlten eigentlich nur Kaffee und Kuchen. Aber beides gibt es ja im Museums Café fünf Etagen tiefer.

Primavera Sound Festival – Barcelona, 02.06.2012

Ort: Parc del Forum, Barcelona
Bands: Veronica Falls, Kings of Convenience, Atlas Sound, Dominique A, Real Estate, Saint Etienne, Wild Beasts, Yo la tengo

Der Saint Etienne Tag. Es war Gin und Tonic Zeit an der großen Bühne des Primavera. Eine sichtlich gut gelaunte Sarah Cracknell schunkelte sich förmlich durch 20 Jahre Saint Etienne Ibiza Sounds. Das war schon toll, was die drei Etiennes, verstärkt durch die Backgroundsängerin Depsy eine gute Stunde lang boten. Ursprünglich war ihr Konzert für den Mittwochabend am Arc de Triomf geplant (als Teil des kostenlosen Auftaktkonzertes in Barcelona Stadt), durch den Ausfall von Björk muste aber die Primetime Spielzeit auf der Hauptbühne nachbesetzt werden. Und da die Organisatoren scheinbar keinen weiteren Künstle auf der Ersatzbank hatten, musste die Mannschaft neu aufgestellt werden. Ach, ich bin in der Fussballsprache. (Steffen Simon verwirrt mich gerade aber auch enorm.)  Was ich sagen möchte ist, dass der Samstagabend auf der San Miguel Bühne nun die Kings of Convenience und eben Saint Etienne vorsah.
Doch bevor Fahrstuhlmusik ertönte und Sarah Cracknell uns mit einem beschwipsten „Chin Chin, it’s Gin and Tonic time“ zuprostete, gab es ein wenig Indiemusik. Veronica Falls eröffneten mit fluffigen Melodien und sanfter Präsenz unseren letzten Primavera Tag. Ihr Album „Veronica Falls“ mag ich nicht so dolle, es klingt mir ein wenig zu sehr nach Belle & Sebastian. Daher war ich mir lange nicht sicher, ob ich mir Veronica Falls live antuen möge. Aber metal ist auch keine Lösung und Extremamericana ebenso wenig, außerdem hatte ich einen hartnäckigen Fürsprecher und so begleitete ich ihn zur zweitgrößten Festivalbühne. Doch live nahm ich Veronica Falls auf einmal ganz anders wahr. Es war keine Spur von langweilig, im Gegenteil. Die zwei Damen und Herren wussten mich sehr wohl zu begeistern. Gar zwei, drei neue Songs bauten sie in ihrem dreiviertelstündigen Auftritt ein, ansonsten gab es natürlich alle „Hits“ des Debütalbums.

Damit war schnell am Abend die Festivalmüdigkeit abgelegt, und die Kings of Convenience konnten kommen. Und Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe kamen zu Beginn des Konzertes erst einmal ohne Band aber mit zwei Gitarren. Als Duo bestritten die beiden Norweger die erste halbe Stunde des Kings of Convenience Konzertes. Musikalisch erinnerte das sehr an Simon & Garfunkel, optisch an Harry Potter und Cody Allen. Warum kannte ich eigentlich bisher nichts von den Kings of Convenience. Das muss sich schleunigst ändern, denn ihre Frühstücksraummelodien gefielen mir außerordentlich gut! Neben Kleenex Girl Wonder am ersten Tag sind die Kings of Convenience definitiv die zweite Festivalentdeckung des Jahres.
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Primavera Sound Festival – Barcelona, 01.06.2012

Ort: Parc del Forum, Barcelona
Bands: The Chameleons, Rufus Wainwright, I break Horses, The Cure, Dirty three

Der Cure Tag. Segen und Fluch zugleich. Die knappen drei Stunden Cure Konzert, Entschuldigung, The Cure Konzert, hingen über dem Tag wie das Erreichen-Müssen des Viertelfinales über der polnischen Fussballnationalmannschaft.
Wie würde sich der Ablauf davor gestalten? Wie viel Luft ist danach noch drin? Angesichts des Programms und der Masse an offensichtlichen The Cure Sympathisanten berechtigte Fragen, die einen so beschäftigen. Nach der krankheitsbedingten Absage Björks waren The Cure der einzig große Headliner des Festivals. Und die planmäßig angesetzte Zeit schien den älteren Herren immer noch nicht genug. Tags zuvor wurde bekanntgegeben, dass sich der The Cure Auftritt um 20 Minuten verlängern sollte. Statt um halb eins war er jetzt bis kurz vor ein Uhr terminiert. Ein schier unendlich langes Brett, welches uns da aufgebrummt wurde. für alle The Cure Hardliner selbstverständlich ein Fest, für alle anderen vielleicht nicht. Aber wohin dann? Zeitgleich gab es nicht die ebenbürtigen Alternativen: Sleigh bells und War on drugs? Ach nö, Liturgy und Napalm death? Nicht wirklich. Die Melvins wären eine Möglichkeit gewesen, doch leider hatten sie ihren Auftritt kurzfristig abgesagt. Blieben unter Umständen Wavves und Codeine als The Cure Brecher, also für den Fall, dass ich nach einer Stunde genug der vom Treiben der Hauptbühne haben sollte. Genau, warum nicht einfach mittendrin einen kompletten anderen Auftritt gucken. Das klang doch gut und setzte sich als fixe Idee fest. Aber erst einmal galt die volle Konzentration The Cure.
Da der erste Tag spät bzw. früh am Morgen endete fiel es schwer, sich zeitig aufzuraffen. Überdies lud das Eröffnungsprogramm nicht unbedingt dazu ein, gegen 18 Uhr im Parc del Forum aufzulaufen. Wir entscheiden uns dazu, The Chameleons kurz zu streifen, anschließend bei Herrn Wainwright reinzuhören um so richtig mit den Schweden von I break horses in den Tag zu starten. Beide zuvor genannten Künstler / Bands holten mich nicht wirklich aus dem Sessel, die musste ich nicht sehen. Die jeweiligen 15 bzw. 25 Minuten schienen mich dann auch zu bestätigen. Der Auftritt der Chameleons wirkte im Sonnenschein der Ray-Ban Bühne wie eine ZDF Fernsehgartenshow (wer bitte außer Andy Borg wickelt sein Mikrofonkabel heute noch lassoartig zusammen?) und das schönste am Rufus Wainwright Konzert waren seine Songansagen. Also I break horses.

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Primavera Sound Festival – Barcelona, 31.05.2012

Ort: Parc del Forum, Barcelona
Bands: Friends, Archers of loaf, Mudhoney, Kleenex girl wonder, The xx, Franz Ferdinand, Japandroids

Dreimal ist Tradition. So oder so ähnlich sagt man doch, oder?! Zum dritten Mal besuchten wir dieses Jahr das Primavera Sound Festival, zum dritten Mal verließen wir nach vier Tagen Musik mächtig beeindruckt Barcelona. Auch wenn es dieses Jahr kein großes P zu bestaunen gab (das 2010 P, das 2011 P), dieses Festival auszulassen stand selten zur Diskussion. Als dann gegen Ende des letzten Jahres The Cure als eine der großen Bands bestätigt wurde, waren alle Argumente hinfällig. Wem von uns bis dahin noch ein „ach ich weiss nicht“ in den Sinn kam, der wurde mit „und Saint Etienne“ überrumpelt. Saint Etienne bereiteten uns bei den Reiseplanungen die größten Kopfschmerzen. Ihr Konzert war am Tag vor des eigentlichen Festivals in einem Park in Barcelona angesetzt worden, ein Flug früh am Mittwochmorgen war das Übel, das wir eingehen mussten um die britische Ausnahmeband am Abend nicht zu verpassen. Flugpläne von Billigairlines sind ein Graus, aber ihre Flüge bei geschickter Buchung eben auch günstig. Es blieb die einzige Reiseschwierigkeit, das Hotel in geeigneter Nachtspaziergangnähe zum Festivalgelände war unproblematisch aufzutreiben. Dass dann Saint Etienne aufgrund des kurzzeitigen Ausfalls von Björk erst am Samstagabend spielen sollten, geschenkt, so war uns das Konzert von The Wedding Present, die ebenfalls am Mittwochabend am Arc de Triomf auftraten, sicher.
Mein erster Festivalabend begann mit Friends. Die Band aus New York war gegen 19 Uhr unser anvisiertes Einstiegskonzert in das Festival. Aus irgendwelchen Gründen wollte ich mir im Frühjahr ihren Auftritt in Köln angeschaut haben, habe es dann aber verpasst. Nun bot Barcelona die Gelegenheit, dieses nachzuholen. Nach guten 20 Minuten hatte ich jedoch genug gesehen, viele weltmusikähnlichen Klänge vertrieben mich zügig von der zweitgrößten Festivalbühne.
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Primavera Sound 2012 – timetable

As always, I am lost in the Primavera schedules and timetables. Lots of times, tons of musicians. But this year i don’t want to miss a band. So i prepared an 3-piece excel sheet with all the times and places of the Primavera Festival from Thursday until Saturday Night.
In addition to the excel file I also made a pdf.
If you wanna be well prepared too, just click the link below. You can open the files and save them to your computer. They are ready for printing, optimized for DIN A4.
Hope, we won’t miss anything!
Timetable Primavera Sound 2012 Excel
Timetable Primavera Sound 2012 pdf

PS:
“Sorry for my bad english but my german is even worse.” (Ja, Panik – famous austrian band)

 

Mudhoney – München, 24.05.2012

Ort: Hansa 39, München
Vorweitere Band: Rocket from the tombs (RFTT)

Darüber, was mich bei meinem Konzertausflug nach München erwarten sollte, war ich mir unsicher. Mudhoney hatte ich zuletzt 1992 im Bielefelder PC 69 gesehen und überhaupt keine Erinnerungen mehr. Das einzige, was von diesem Abend blieb war ein Konzertposter, welches noch jahrelang in meiner Bochumer Studentenbude hing. 1998 habe ich es weggeschmissen, Umzugsaufräumarbeiten fallen manchmal die falschen Dinge zum Opfer. Mudhoney waren aber damals schon so gut wie aus meinem Blickwinkel gerutscht, seit Beginn der 00er Jahre hatte ich sie dann gänzlich verloren. Ihre 00er Sachen gingen völlig an mir vorbei, „Tomorrow hit today“ blieb mein letztes Mudhoney Album. Nichtsdestotrotz wollte ich sie bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert unbedingt sehen, dass ich dafür einen Ausflug nach München unternehmen musste, welche Rolle spielt das schon?
Es sollte mein erstes Konzerterlebnis in der Stadt des Endspielverlierers sein, dass Feierwerk kannte ich daher noch nicht. Als ich gegen 20 Uhr das Gelände betrat, war ich überrascht. Mich erwartete keine herabgekommene Clubkaschemme, sondern ein mittelgroßer Kulturbetrieb. U-Bahntechnisch gut angebunden beherbergt das Feierwerk neben verschiedenen Veranstaltungsräumlichkeiten auch das Hansa 39, den Club, in dem das Konzert um 20.30 Uhr angesetzt war. Ich schätzte den Saal auf 500er Größe und ich glaube, so viele Leute fanden sich auch im Laufe des Abends hier ein.
„Haben wir wirklich ‘92 zusammen Abitur gemacht?“ Mensch Mann, an diese junge Frau musst du dich doch erinnern!
Auf der Hinfahrt fragte ich mich noch, wer – außer so bekloppten wie mir – 2012 ein Mudhoney Konzert besucht, zumal der Ticketpreis mit knappen 30 Euro nicht gerade günstig war. Da hatte ich es: die Klasse von ’92 also, und, wie natürlich vermutet, Menschen wie ich: männlich, mittelalt, musikvernarrt. Aber auch NeoGrunger und viele ältere Semester notierte ich, letztere scheinbar auch wegen der Vorband Rocket from the tombs. Obwohl, Vorband ist er falsche Begriff, denn das Konzert von Mudhoney und Rocket from the tombs war als Doppelheadlinershow angekündigt worden.
Also, wir alle hatten Mudhoney schon vor 20 Jahren verehrt und machen das immer noch irgendwie. Und genau wie vor 20 Jahren freuen wir uns auch heute, wenn wir „Touch me I’m sick“ hören. Einige singen dann sogar lauthals mit, hüpfen und tanzen wie wild mit den NeoGrungern um die Wette und trinken noch mehr Bier. Dabei fiel mir auf, dass ich lange nicht mehr auf einem Rockkonzert war. Bier und Schweissgeruch lag schon nach einer halben Stunde penetrant in der Luft und mehr als einmal hatte ich Angst um meine Brille. Nicht, dass ich all das vermisst hätte, beileibe nicht.
Dabei begann der Abend überschaubar. Rocket from the tombs starteten pünktlich und es schienen sich nur wenige für die erste Band des Abends zu interessieren. Vielleicht zehn Mann begrüssten die Band mit erwartungsvollem Applaus.
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